Die Schule der Zusatzangebote

An der Schloss-Schule in Kirchberg beschäftigen sich Schüler überdurchschnittlich häufig mit scheinbaren Nebensächlichkeiten. Fast 30 verschiedene Arbeitsgemeinschaften (AGs) stehen zur Auswahl.

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Mit Leidenschaft sind die Schüler in der Theater-AG. Hier ein Ausschnitt des Stücks "Scherz, Satire, Ironie und ihre tiefere Bedeutung". Privatfoto

Etwa 40 Stunden pro Woche müssen deutsche Kinder und Jugendliche einer aktuellen Studie zufolge in und für die Schule arbeiten. Im Internatsgymnasium Schloss-Schule Kirchberg setzt man auf immer mehr Zusatzangebote, statt deren Zahl zu reduzieren - mit Erfolg.

Theater, Fußball, Klettern, Bogenschießen, Big Band, Judo, Naturschutzarbeit, Marionettenspiel, Philosophie - das Angebot an Arbeitsgemeinschaften an der Schloss-Schule ist riesig. Fast 30 AGs bei 300 Internats- und Ortsschülern werden hier offeriert. Und das nicht nur auf dem Papier - schließlich wird das Angebot auch rege angenommen: Fast alle Schüler belegen zwei bis drei AGs gleichzeitig. Spitzenreiter war ein Schüler, der noch in der Abschlussklasse sechs AGs belegte und mittlerweile sehr erfolgreich sein Studium aufgenommen hat. Angst, die Kinder und Jugendlichen damit zu überfordern, hat man in der Schloss-Schule nicht.

Getreu dem Schulmotto "Leben, Lernen, Arbeiten" setzt man in Kirchberg ganz bewusst auf Angebote und Aktivitäten, die im staatlichen Lehrplan nicht so häufig zu finden sind. "Manches ergänzt den klassischen Schulstoff, indem den Kindern und Jugendlichen die Möglichkeit geboten wird, theoretisch Vermitteltes in der Praxis nachzuvollziehen", erklärt Dr. Ulrich Mayer, Gesamtleiter der Schloss-Schule. "Anderes rundet die Bildung in Fähigkeiten ab, die persönlichen Neigungen oder Talenten entsprechen, aber nicht zum allgemeinen Lernkanon gehören. Und wieder anderes hilft einfach dabei, dass sich Kinder und Jugendliche sinnvoll ausleben und austoben können." All das diene dazu, die in jedem Kind und in jedem Jugendlichen schlummernden Potenziale "möglichst optimal zu entwickeln". Mayer ist überzeugt, dass durch die Zusatzangebote auch der Erwerb klassischen Schulwissens leichter falle. Das breite Zusatzangebot der Schloss-Schule verursache nicht mehr Stress, sondern weniger, und sorge zugleich "in aller Regel für bessere Noten und für eine stetig wachsende Zahl an Erfolgserlebnissen".

Offensichtlich sehen das auch die Kinder und Jugendlichen so. Die überdurchschnittliche Akzeptanz der Angebote spricht schließlich eine deutliche Sprache. Im Rahmen der sogenannten "AG-Börse" werden den Schülern zu Beginn des Schuljahres alle angebotenen AGs in lockerer Runde präsentiert, und die Leiter versuchen "ihre" Offerten möglichst interessant darzustellen. Die Entscheidung über die Teilnahme oder Nicht-Teilnahme fällt ausschließlich das Kind beziehungsweise der Jugendliche.

Unterm Strich fällt das Urteil über die Angebote vonseiten der Verantwortlichen ebenfalls so positiv aus, dass man sich mit Beginn des laufenden Schuljahres dazu entschlossen hat, den G8-Unterricht entsprechend dem Bildungsplan des Landes Baden-Württemberg einmal versuchsweise im Rahmen eines G8-Plus-Programms auf eine deutlich breitere Angebotsbasis zu stellen. Ergänzend zu den bisherigen Angeboten wie Chor, Lerntechniken oder Kochen, Töpfern, Technik bietet die Schloss-Schule im Rahmen des adaptiven Unterrichts Workshops in Deutsch, Mathematik und Englisch sowie Wahlpflichtstunden in Form alternativer Kursangebote an. Wie "Bauen, Klempnern und Reparieren": Dieser praktische Kurs wird vom Hausmeister der Schloss-Schule angeboten.

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