Die Poesie des Fließens

Einen gehaltvollen Abschluss des Kirchberger Büchermarktes bildete die Preisverleihung und Vernissage der Anthologie zum Schaeff-Scheefen-Literaturpreis 2012 durch den Autorenverband Franken.

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Im Rittersaal des Kirchberger Schlosses fand die Schaeff-Scheefen-Literaturpreis-Verleihung statt. Von links nach rechts: Songpoet Trollius Weiss, erster Preisträger Oliver Graf, Bürgermeister Stefan Ohr, zweite Preisträgerin Margit Begiebing, Helmut Stauder als zweiter AVF-Vorsitzender, dritte Preisträgerin Irmelind Klüglein, AVF-Vorsitzende Irmi-Kistenfeger-Haupt, die Anthologie-Herausgeber Norbert Autenrieth und Wilfried Conrad, Schaeff-Scheefen-Neffe und Preisgeldsponsor Falk Osberg sowie seine Ehefrau, die Lyrikerin Hilde Osberger. Foto: Hartmut Volk

Seit 2010 lobt der Schriftstellerverband zu Ehren seines Gründervaters, dem Literaten, Heimatforscher und Kirchberger Ehrenbürger Harro Schaeff-Scheefen im zweijährigen Turnus den Literaturpreis für fränkische Autoren aus. "Fließen" lautete die diesjährige literarische Themenvorgabe, und ein Bezug zu Franken musste natürlich vorhanden sein. Die eingegangenen Beiträge sind in der gleichnamigen Anthologie versammelt, die Norbert Autenrieth und Wilfried Conrad herausgegeben haben. Aus den unterschiedlichsten Prosa-Arbeiten zur Vielschichtigkeit von Phänomen und Metapher des Fließens hatte eine Jury aus Herausgebern und Vorstand drei Anwärter für den Preis nominiert, die ihre Kurzgeschichten im Rittersaal vortrugen. Der Part des Publikums war es dann, über den Sieger abzustimmen.

Helmut Stauder als zweiter Vorsitzender des Autorenverbandes moderierte die Veranstaltung, die mit Grußworten von Bürgermeister Stefan Ohr, Friedrich König als Vorsitzendem des Museums- und Kulturvereins, sowie der ersten Vorsitzenden des Autorenverbandes Franken, Irmi Kistenfeger-Haupt ihren Auftakt nahm. Es folgte die mit Spannung erwartete Lesung der Siegertexte. In ihren "Flusserinnerungen" ließ Margit Begiebing zunächst die Geschichte des Ansbacher Raumes aus der Sicht des Flusses lebendig werden. Die Rezat erinnert sich, wie Kaiser Barbarossa sie auf seinem stolzen Fuchshengst durchquerte, wie das Städtchen im Lauf der Jahrhunderte zu einer prachtvollen Residenz heranwuchs und wie Kaspar Hauser an ihrem Ufer spazieren ging. "Der Damm" heißt die spannende Kurzgeschichte von Oliver Graf, die die Machtlosigkeit des Menschen vor den bei einem Dammbruch entfesselten Naturgewalten schildert. Ein Schülerstreich entwickelt sich dabei ums Haar zu einer verhängnisvollen Katastrophe. Der "Ruf eines Stummen" von Irmelind Klüglein schloss den Vorlesereigen ab mit einer Reise zurück in die Kindheit und beschreibt, wie der unbeschwerte Lebensfluss beim Schulwechsel vom Dorf in die Großstadt jäh unterbrochen wird. Das Siegervotum der Zuhörerschaft ging schließlich an den 1970 in Oberösterreich geborenen Oliver Graf, der heute in Erlangen lebt. Mit dem Schaeff-Scheefen-Preis hat der Autor diverser Erzählungen in verschiedenen Anthologien nun bereits seinen dritten Literaturwettbewerb gewonnen.

Nicht nur die Texte der Literaten handelten vom Fließen, sondern auch die gitarrebegleiteten Lieder von Trollius Weiss dazwischen. Mit poetischem Tiefgang und musikalischer Leichtigkeit besang der Darmstädter Liedermacher die Steine und Perlen im Fluss des Lebens.

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