Die Oberlin-Schule begleitet Kinder und Jugendliche in Krisenzeiten

Lösungen für Kinder in schweren Lebenslagen finden - das ist Aufgabe des Teams aus Fachleuten an der Oberlin-Schule. Die einzige staatliche Schule für Erziehungshilfe der Region verzeichnet Schülerzuwachs.

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  • Halt geben, sich vertrauen, gemeinsam stark sein: Positive persönliche Beziehungen geben den Schülern der Oberlin-Schule Struktur. Ziel ist, Handlungsfähigkeit in sozialen Kontexten zu entwickeln. Privatfoto 1/2
    Halt geben, sich vertrauen, gemeinsam stark sein: Positive persönliche Beziehungen geben den Schülern der Oberlin-Schule Struktur. Ziel ist, Handlungsfähigkeit in sozialen Kontexten zu entwickeln. Privatfoto
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Viele der Kinder und Jugendlichen, die die Oberlin-Schule in Unterdeufstetten besuchen, sind in ihrer bisherigen Schulbiografie schon mindestens einmal gescheitert. Lernprozesse gelingen nicht, emotionales Erleben und soziales Handeln sind beeinträchtigt, und oft fehlen wichtige Strukturen. An der Schule für Erziehungshilfe finden die jungen Menschen eine schulische Heimat. Hier wird ihnen die Zeit gegeben, die sie benötigen, um ihr Leben zu ordnen. "Die Fragen, die unsere Schüler beschäftigen, haben mit Deutsch, Mathe und Englisch zunächst nur wenig zu tun. Sie fragen sich, wie sie ihren Alltag bewältigen können und welche Ziele sie haben", berichtet Schulleiterin Cordula Gehringer. Um sich zurechtzufinden brauchen sie eine klare Struktur, feste Regeln und vor allem positive persönliche Beziehungen. Deshalb hat Beziehungsgestaltung an der Schule in Unterdeufstetten allererste Priorität. Der Bildungsplan der Erziehungshilfe steht über den Bildungsplänen von Grund-, Haupt- und Förderschule, die alle unter dem Dach der Oberlin-Schule versammelt sind. Zu den pädagogischen Zielen gehört außerdem die Wertevermittlung, eine Personen-Umfeld-Analyse sowie eine individuelle Lern- und Entwicklungsbegleitung.

Gelernt wird in jahrgangsübergreifenden Kleingruppen. Rituale und feste Orientierungspunkte gliedern das Schulleben. So findet an jedem Dienstag ein Projekttag statt, an dem die Klassenverbände aufgelöst werden und die Schüler sich in verschiedenen Interessensgruppen zusammenfinden. Das Angebot reicht von Musik und Kunst über Kochen und Backen, bis hin zu Karate oder Trickfilmproduktion. Regelmäßig sind die Schüler mit dem Förster im Wald, nehmen erlebnispädagogische Angebote wahr, sie bewegen sich viel oder arbeiten im Schulgarten. Bei allen Aktionen und im Unterricht gibt es soziales Kompetenztraining. Konfliktlösung ist ein fester Bestandteil im Schulalltag.

Seit einem Jahr gibt es eine Kooperation der Hauptstufe mit dem Projekt Chance aus Creglingen. Ein Präventionsbeauftragter und straffällig gewordene Jugendliche machen mit den Schülern Sozialtraining. "Wenn die Jugendlichen vom Projekt Chance unseren Schülern ihre Geschichte erzählen, macht das richtig Eindruck. Vielen wird in diesem Moment klar, dass es manchmal nur ein kleiner Schritt auf die schiefe Bahn ist", meint Cordula Gehringer. Es gibt bereits Überlegungen, Schülermentoren auszubilden, die dabei helfen können, so genannte "positive peer culture", ein Prinzip, nach dem Jugendliche lernen, sich innerhalb ihrer Gruppe gegenseitig zu helfen, an der Oberlin-Schule zu verankern.

Zehn Schüler der Fichtenauer Schule werden zurzeit inklusiv und wohnortnah beschult. "Kinder mit Störungen im sozial-emotionalen Bereich haben es an einer Regelschule nicht leicht. Es ist für sie eine große Herausforderung, in einer großen Gruppe klarzukommen. Und auch für den Lehrer ist es eine Herausforderung", berichtet Cordula Gehringer. Die Oberlin-Schule versteht sich als Übergangsschule. Kinder und Jugendliche, die sich nach einer Krisenphase wieder gefangen haben, sollen an eine Regelschule zurückgeschult werden - oder als Inklusionsschüler eine allgemeine Schule besuchen. Das gelingt aber nicht immer, erklärt die Rektorin mit einem Vergleich: "Nicht für jeden ist die Ambulanz geeignet. Manche brauchen für eine bestimmte Zeit die Intensivstation."

Die Außendienste sind ein wichtiger Schwerpunkt der Arbeit. Neben dem sonderpädagogischen Dienst, der Schulen und Eltern Unterstützung und Beratung anbietet, gibt es bereits seit 1988 die Arbeitsstelle für Frühberatung und Frühförderung. Sie unterstützt Eltern und Kindergärten und bietet ein vielfältiges Angebot im vorschulischen Bereich. Eine enge Kooperation besteht mit der benachbarten Kinder- und Jugendhilfeeinrichtung St. Raphael, die heute etwa ein Fünftel der Schüler stellt. Ursprünglich ist die Oberlin-Schule vor 35 Jahren für die Kinder und Jugendlichen von St. Raphael gegründet worden. Heute kommen die Schüler längst nicht mehr nur aus Fichtenau sondern auch aus Stimpfach, Crailsheim, Wallhausen und Ilshofen.

Oberlin-Schule Fichtenau in Unterdeufstetten
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