Die Michelbacher feiern 50. Jubiläum ihres Posaunenchores

Die Michelbacher waren schon immer ein besonderes Völkchen. Sie gehören zwar zu Gerabronn, aber ihre Eigenständigkeit haben sie sich bewahrt. Sie sind eine überaus quirlige, eigenständige Gemeinde. Am Wochenende feierte dort der Posaunenchor sein 50. Jubiläum.

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Eine voll besetzte Kirche, und Heike Ehrhardt dirigiert. Der Michelbacher Posaunenchor faszinierte sein Jubiläums-Publikum mit den verschiedensten Melodien, gerade eben wird Mozarts »Kleine Nachtmusik« dargeboten. Foto: Manfred Mühlenstedt

Wie nicht anders zu erwarten, wurde es zum besonderen Ereignis. Zum Jubiläumskonzert war die Bonifatius-Kirche voll. Gut 350 Zuhörer waren da. Die Michelbacher zeigten, was sie können. Von "Highland Cathedral" bis zur "Kleinen Nachtmusik" war alles dabei.

Der Posaunenchor hat im Jahr seines 50. Geburtstages 26 aktive Bläser. Die Gemeinde zählt 352 Mitglieder (Stand 2013). Kein Wunder, dass sich die Liste der Bläser liest wie ein "Who is who" von Michelbach. Da finden sich die Gronbachs viermal, die Schneckes zweimal, genauso wie die Oberndörfer und die Hirts und die Franzens dreimal.

Das Jubiläumskonzert war außergewöhnlich. Die Bläser, entspannt und selbstbewusst, lösten den Zwiespalt zwischen geistlicher und weltlicher Musik auf. Sie gaben ein Konzert, in dem alles dabei war. Am Sonntagabend verwoben sie weltliche und geistliche Musik in selten gehörter Weise.

Die Bläser begannen mit "Highland Cathedral". Getragen und innig, ein fast meditatives Stück mit schottischen Anklängen. Und die Dirigenten (Heike Ehrhardt, Karlheinz Gronbach) hatten die Chuzpe, den Schlager "The Lion sleeps tonight" mit "Gott ist gegenwärtig" zu konterkarieren. Albert Meinikheim hat dabei seine Tuba strapaziert - es war hörenswert.

Pfarrer Bobzin (Gitarre), Thomas Baaken (Gitarre) und Beate Oppold interpretierten "Alleluja" von Leonard Cohen. Cohen hätte sich gefreut, das zu hören. Insbesondere die Stimme von Beate Oppold und die elegische Gitarrenbegleitung.

Pfarrer Bobzin war es vorbehalten, die Gemeinde, die sangesfreudige, in den Kanon "Danket, danket dem Herrn" einstimmen zu lassen. Es war keine Schwierigkeit. So einfach, wie sich die Michelbacher im Gottesdienst zu Wort melden, so einfach sangen sie mit. Es war ergreifend. Im gleichen Stil ging es voran. Nach "Ich lobe meinen Gott von ganzem Herzen" - ein klassisches Stück der Posaunenmusik - brachten die Michelbacher "Streets of London", gefühlvoll und stimmig.

Es gibt Posaunenstücke, die in keiner festlichen Aufführung fehlen dürfen. Dazu gehört der Bach-Satz "In dir ist Freude". Keine Frage, dass er in Michelbach - in dem übrigens einst ein Verwandter des genialen Komponisten als Pfarrer amtete - besonders gelungen interpretiert wurde.

Dann war es Zeit für die Ehrungen. Um es kurz zu machen: Eigentlich hätten die Michelbacher einfach ihrem gesamten Chor eine Urkunde verleihen können, denn darauf lief es hinaus. Jedenfalls konnten Hans-Dieter Schmidt und Walter Oberndörfer für 50 Jahre Bläser-Einsatz geehrt werden und Karlheinz Gronbach und Helmut Gronbach für 35 Jahre. Die Jahreszahlen danach sind nicht viel kürzer: Eberhard Krebs, Bernhard Küstner, Albrecht Meinikheim, Simone Celerino, Andrea Lutz und Heike Ehrhardt (Dirigentin seit 2002), alle über 20 Jahre.

Der Abend war kurzweilig. Es fehlten, unbemerkt, die obligatorischen Grußworte. Selbst Kirchengemeinderat Hirt beschränkte sich auf die notwendigen Tatsachen. Dafür stand die Musik im Vordergrund.

"Nun danket alle Gott": Der Bläser-Satz von Johannes Sebastian Bach, der keinen unberührt lässt, er erklang zum offiziellen Schluss. In Michelbach spielten sie ihn mit Inbrunst. Die Oberstimme kam im dritten Vers dazu. Nicht alle haben das Jubilieren gehört, die Gemeinde sang ziemlich kräftig.

Dann trauten sich die Michelbacher zum guten Ende noch was. Sie interpretierten die "Kleine Nachtmusik" von Mozart. Das ist ein Streicherstück. Trompeten und Hörner als Ersatz für Violinen? Es funktionierte. Die Bläser verabschiedeten ihr Publikum beschwingt und melodisch in den Jubiläumsabend.

Hoffentlich haben sie noch etwas gefeiert, die Michelbacher. 50 Jahre Posaunenchor und dabei so jung wie gerade erst erstanden, das muss ihnen erst einmal einer nachmachen. Beim nächsten Jubiläum spielen sie wahrscheinlich "Stairway to heaven". Und danach "Lobet den Herren"

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