Die letzte Rettung

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Seit 50 Jahren mit einem Stand auf der Muswiese vertreten: Reinhard und Roswitha Olszynski aus Unterdeufstetten.  Foto: 

Von wegen „Liebestöter“: Träfe das textile Schmähwort tatsächlich zu, wäre die Menschheit schon längst ausgestorben. Denn über Jahrhunderte hinweg trugen Männlein und Weiblein jeglichen Alters großzügig geschnittene Unterwäsche.

Erst seit dem Siegeszug des Bikinis und dann endgültig  mit der Erfindung des Winzlings Stringtanga geht es unterhalb der Gürtellinie äußerst stoffsparend zu. Auch Roswitha und Reinhard Olszynski können nur milde lächeln, wenn sie vor ihrem Verkaufsstand zum gefühlt millionsten Mal das Wörtchen „Liebes­töter“ aus dem vorbeischlendernden Publikum hören. Denn das Ehepaar aus Unterdeufstetten weiß um die große Wertschätzung, die vor allem etwas ältere Damen der feilgebotenen Unterwäsche entgegenbringen.

Seit 50 Jahren ist das Ehepaar mit seinen Waren auf der Muswiese vertreten – und wurde im Laufe der Zeit zur letzten Rettung für Kundinnen, die etwa einen wollenen Unterrock für die Großmutter suchen oder einen ganz speziellen Schlüpfer-Schnitt, den es sonst nirgendwo mehr gibt.

„Ich habe eine Stammkundin, die jedes Jahr extra aus Pforzheim zu uns nach Musdorf kommt“, sagt die zweifache Mutter Roswitha Olszynski (69), die der weithin bekannten Händler-Familie Bermanseder aus Fichtenau entstammt und sämtliche Jahrmärkte in Süddeutschland schon als Kind kennengelernt hat.

Gut ein Drittel der Kundschaft bei den Olszynskis besteht allerdings aus jüngeren Frauen, die an dem Stand etwa seidenweiche „Leible“ aus Buchenholzfasern für sich entdeckt haben oder gerne Unterwäsche aus Bambus ­tragen. Und die Herren schätzen etwa die langen Unterhosen, die ebenfalls aus einer Firma stammen, die bis heute auf der Schwäbischen Alb überlebt hat.

„Heute kaufen die Männer ihre Unterwäsche schon mal selbst ein. Früher wussten sie nicht einmal ihre Größe, weil stets die Gattin für Nachschub gesorgt hat“, sagt Reinhard Olszynski (73).

Er stammt aus dem Sudetenland und kam 1949 in den Westen. Nach einer Lehre als Maler lernte er die Liebe seines Lebens kennen und wechselte 1967 in die Welt der Markthändler. Ihren ersten Marktauftritt hatte das Ehepaar am Ostermontag 1967 in Creglingen. In den Anfangsjahren absolvierte das Ehepaar jährlich bis zu 210 Markttage von Bonn bis Oberfranken.

Im Alter lassen es die Olszynskis etwas ruhiger angehen, aber immer noch stehen 70 Markttage etwa in Schwäbisch Hall, in Nördlingen und Würzburg und natürlich in Musdorf im Terminkalender.

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