Die Lebensgefährtin in Todesangst versetzt

Todesängste stand eine 19 Jahre alte Frau im Juli 2012 in Crailsheim aus: Ihr damaliger Freund drohte sie umzubringen.

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Vor dem Amtsgericht fiel die Darstellung des Angeklagten glatt durch.

Eine ganze Latte an Vorstrafen listete Richterin Uta Herrmann bei der Verhandlung vor dem Amtsgericht Crailsheim auf: Von Drogen bis Waffen reicht der kriminelle Lebenslauf des 27 Jahre alten Mannes, der auch schon durch schwedische Gardinen blickte.

Und immer wieder sind es Schlägereien, die den ledigen, berufslosen Crailsheimer mit unschöner Regelmäßigkeit vor den Kadi bringen.

Seine Aggressionen hatte der Mann offenbar auch am 9. Juli 2012 bei einer erneuten Demonstration seiner vermeintlichen Macht über Menschen nicht im Griff: In seiner Mietwohnung sperrte er die Tür ab und drohte seiner per Telefon einbestellten Freundin nach einem heftigen Streit über Schulden und Beziehungsprobleme damit, sie "abzustechen" oder auf den Strich zu schicken.

"Tausendmal habe ich ihn gebeten, dass er mich gehen lässt" - so schilderte die 19 Jahre alte, seelisch ohnehin schon seit Jahren stark angeschlagene Frau vor Gericht ihre Pein während dieser eineinhalb Stunden, in denen sie der von 1,6 Promille Alkohol beförderten Wut ihres Freundes ausgesetzt war. Ihre panische Angst sei weitaus größer gewesen als der Schmerz über Schläge, die sie ebenfalls erhielt. Und deshalb wollte sie auch nicht in Gegenwart des Ex-Freundes aussagen - was das Gericht aufgrund eines ärztlichen Attestes auch genehmigte.

Der Angeklagte tischte dagegen eine völlig andere Version der Geschichte auf: Die Tür seines Zimmers sei absolut nicht verschlossen gewesen, die Frau hätte jederzeit gehen können und überhaupt habe sie damit gedroht, "ihm das Leben zur Hölle zu machen". Dazu passt allerdings nicht eine SMS, die der Mann während des Geschehens an seine Schwester schickte und in der es hieß, dass er seine Freundin "eingesperrt" habe. Der Frau gelang die Flucht, als ein Freund des Angeklagten auf der Bildfläche erschien, und sie alarmierte die Polizei. Mit Händen und Füßen wehrte sich der Angeklagte gegen seine Festnahme, einem Polizisten schlug er dabei das Funkgerät aus der Hand.

Zehn Tage später sorgte der Mann erneut für Randale: Im Suff zerschlug er Mobiliar und zertrümmerte Schnapsflaschen im Treppenhaus. Diesmal war es der Vermieter, dem der 27-Jährige mit dem Tod drohte. Als "reine Schutzbehauptungen" wertete Staatsanwalt Carsten Horn die Aussagen des Angeklagten - und forderte ein Jahr Freiheitstrafe ohne Bewährung.

Das Urteil: Elf Monate muss der Mann ins Gefängnis. Richterin Uta Herrmann sah beim Opfer keinen "Belastungseifer" am Werk: Die Angaben der Frau seien glaubhaft. Dem Täter, der ohne Verteidiger erschien, attestierte sie völlige Uneinsichtigkeit. Eine günstige Sozialprognose und somit eine Bewährungsstrafe seien nicht möglich.

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