Die Filme des Hohenlohers Albert Renner dokumentieren ein Stück Zeitgeschichte

Der passionierte Hobbyfilmer Albert Renner hat mehr als hundert Videos in und um Hohenlohe gedreht. Einmal stand wegen einer seiner Aufnahmen sogar die Kriminalpolizei vor der Türe.

|
Vorherige Inhalte
  • Dieses Foto wurde vor etwa fünf Jahren geschossen. Es zeigt Albert Renner bei seiner Lieblingsbeschäftigung: dem Filmen. Privatfoto 1/2
    Dieses Foto wurde vor etwa fünf Jahren geschossen. Es zeigt Albert Renner bei seiner Lieblingsbeschäftigung: dem Filmen. Privatfoto
  • 2/2
Nächste Inhalte

Durch die Kamera hat man einen anderen Blick auf die Menschen. Man nimmt die Dinge bewusster wahr, weil man auf einen kleinen Ausschnitt fokussiert ist. Das macht für Albert Renner den Reiz am Filmen aus. "Ich habe Sachen durch die Kamera gesehen, die wären mir sonst gar nicht aufgefallen", sagt er.

Mehr als hundert selbst gedrehte Videos liegen im Privatarchiv des früheren Landwirts auf dem Schuckhof bei Blaufelden. Auf vielen Aufnahmen ist Renners Familie zu sehen. Die Filme zeigen aber auch Menschen in Hohenlohe bei der Arbeit, dokumentieren ihre Feste und die Landschaft. So hat der 77-Jährige etwa ab 1987 jeden Volksfestumzug aufgezeichnet. Als "Zeitzeugenfilme" bezeichnet Renner seine Videos selbst. Vieles hat er nicht für den Augenblick, sondern für spätere Generationen festgehalten. Renners Filme demonstrieren deshalb auch ein Stück Hohenloher Geschichte. "Je älter sie werden, desto interessanter sind sie", sagt er. Der 77-Jährige kramt gerne in der Hohenloher Vergangenheit. Auf Trödelmärkten hält er oft Ausschau nach alten Filmen aus der Gegend, die er aufarbeitet und digitalisiert.

"Schwarzes Gold in Hohenlohe"

Mit dem Filmen hat Renner 1985 begonnen. Damals kam der erste Enkelsohn des Blaufelders auf die Welt. Mit einer geliehenen Kamera hielt er die ersten Schritte des Familiennachwuchses fest - und fand gleich Gefallen an der Filmerei. Kurze Zeit später besorgte er sich eine eigene Kamera und trat dem Film- und Videoclub Crailsheim bei. Besonders die jährlich stattfindenden Wettbewerbe des Clubs heizten Renners filmischen Ehrgeiz an. Neben Familienereignissen versuchte er nun, auch andere Motive vor die Linse zu bekommen. "Schwarzes Gold in Hohenlohe", heißt einer der Filme, für die der 77-Jährige vom Film- und Videoclub ausgezeichnet wurde und der von der Rapsernte handelt.

Renners Lieblingsobjekt blieb aber weiterhin die Familie. "Manchmal war es schon lästig. Dieses Beobachtetwerden mit der Kamera", sagt Renners Schwiegertochter Angelika. "Aber jetzt ist es schön, dass er all die wichtigen Ereignisse mit seiner Kamera festgehalten hat."

Auch auf Gemeindefesten in Blaufelden, Konfirmationen oder Feiern des dortigen Sportvereins kam Renners Kamera zum Einsatz. "Es hat sich rumgesprochen, dass ich eine Kamera habe. Deshalb wurde ich öfter angefragt, ob ich nicht einen Film machen könnte", sagt der ehemalige Landwirt. Heute gäbe es ja in beinahe jedem Haushalt einen Fotoapparat mit Videofunktion. Als er mit dem Filmen angefangen habe, sei das aber noch nicht so gewesen.

Einmal rief einer von Renners Filmen sogar die Polizei auf den Plan. "Eines Morgens haben zwei Beamte von der Kriminalpolizei bei uns geklingelt und nach meinem Mann gefragt", erzählt Renners Frau Lina. Da sei sie ganz bleich im Gesicht geworden. Was sie denn von ihm wollten, hätte sie gefragt. "Die Polizisten haben dann gelacht und gesagt, dass sie nicht meinen Mann, sondern sein Video haben wollen", erinnert sich Lina Renner. Ihr Mann hatte am Abend zuvor einen Film vom Brauereifest in Raboldshausen gedreht. Nur ein paar Häuser weiter wurde an dem Abend eine Scheune in Brand gesteckt. Die Kriminalpolizei hatte sich von Renners Aufnahmen einen Hinweis auf den Täter erhofft. "Ich glaube nicht, dass ihnen das Video weitergeholfen hat", sagt Renner.

Heute ist die Zeit vorbei, in der die Kamera Renners ständiger Begleiter ist. Die Lust am Filmen hat der 77-Jährige aber noch nicht verloren: "Solange es geht, mache ich weiter."

Großer Filmabend am Kulturwochenende in Blaufelden

Für den Auftakt des Kulturwochenendes am morgigen Freitag hat Albert Renner alte Videos des Blaufelder Kulturamtes aufgearbeitet und digitalisiert. Die Filme zeigen das Dorfgeschehen in Blaufelden, Billingsbach und Wiesenbach in den 70er- und 80er-Jahren. Zu sehen sind unter anderem ein Schmied bei der Arbeit und das alte Sägewerk in Wiesenbach. Der Filmabend beginnt um 19 Uhr im Spektrum in Blaufelden. Der Eintritt ist frei. Am Samstag, 11. Oktober, geht es dann um 20 Uhr im Spektrum weiter mit der Nostalgieshow "Shake Hands". Karten hierfür sind im Bürgermeisteramt Blaufelden erhältlich.

AB

Abonnieren Sie das kostenlose Morning-Briefing aus der Chefredaktion
Damit starten Sie top informiert in den Tag. Außerdem im Newsletter: Die Wettervorhersage und die aktuelle Verkehrslage in der Region.
» zur Registrierung

Noch kein Kommentar

Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar

noch 3000 Zeichen
Mit Ihrem Kommentar akzeptieren Sie unsere Netiquette

Für registrierte Nutzer

Melden Sie sich an und schicken Sie Ihren Kommentar ab:

Für noch nicht registrierte Nutzer

Registrieren Sie sich kostenlos, um Ihren Kommentar abzuschicken:

Ich bin damit einverstanden, dass die Neue Pressegesellschaft mbH & Co. KG und ihre Tochterunternehmen mich schriftlich (per E-Mail oder Brief) oder telefonisch über ihre Medienangebote und kostenlose Veranstaltungen informieren dürfen. Meine Daten dürfen zu diesem Zweck gemäß den Bestimmungen des BDSG gespeichert, verarbeitet und genutzt werden. Die Einwilligung kann ich jederzeit widerrufen.
Ich bin mit den Datenschutzbestimmungen einverstanden. *

Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:

neu laden
Content Management by InterRed GmbH Logo
weiter zur Startseite

Stillstand-Windrad in Orlach: Richter soll bald entscheiden

Der Verwaltungsgerichtshof Mannheim will im Dezember seine Entscheidung bekanntgeben. weiter lesen