Die dunkle Seite der Macht

Wer an Schlösser denkt, hat große Säle, edle Möbel und güldnen Prunk vor Augen. Doch es geht auch anders: Beim Schlosserlebnistag in Langenburg gab es gestern die dunkle Seite der Macht zu entdecken.

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Familie Dürr aus Hausen am Bach (von links: Lenz, Joel, Mutter Renate, Nele, Vater Klaus) hatte viel Spaß bei der Schlossführung, die von Axel Dittrich (hinten links) und Renate Hannemann (rotes Oberteil) geleitet wurde. Foto: Sebastian Unbehauen

So wie ein Kopf nicht ohne Bauch überleben kann, kann es ein Fürst nicht ohne Helfer, die ihm die lebensnotwendigen Häppchen in mundgerechten Stücken servieren - früher war das zumindest so. Und deshalb gibt es in einem Schloss nicht nur edle Gemächer, sondern auch jede Menge Katakomben, wo das Essen und der Wein lagerten, wo das Gesinde mit dem Vieh hauste und wo im Kerker landete, wer nicht spuren wollte.

Genau in jene Ecken begleiteten die Langenburger Schlossführer Renate Hannemann und Axel Dittrich am Erlebnistag Kinder und ihre erwachsenen Begleiter. Hätten die Fürsten von anno dazumal gewusst, wie beliebt dereinst solche Führungen sein würden, sie hätten das eine oder andere Gewölbe vielleicht etwas größer gebaut. So ging es halt manchmal ein bisschen beengt zu - aber nicht minder interessant.

Ein Kind wurde zum Kellermeister ernannt und öffnete fortan pflichteifrig Tür um Tür, Tor um Tor. Und Hannemann stellte Frage um Frage. Was machten sie denn, die Fürsten, die von Südfrüchten kosten wollten? "Seereisen", kombinierte ein Kind nicht unschlau. Nun ja, weil der Hohenloher traditionell gern festen Grund unter den Füßen hat und spätestens zur Muswiese wieder daheim sein muss, ließ der hiesige Fürst lieber eine Orangerie er- und dort Früchte anbauen.

Noch so eine Frage: War wohl der Wein in Fässern oder in Flaschen teurer? "Der ältere", sagte da - wieder gar nicht unschlau - einer. Und so ging es von Raum zu Raum bis hin zum dunklen Eiskeller, wo früher Fisch, Fleisch, Käse und Milch gelagert wurden und wo es heute von der Decke tropft. "Zu Beginn des Winters wurde der Keller ausgeräuchert und dann ein paar Tage offen stehen gelassen", verriet Hannemann. Dann klopfte ein Eisbauer Schollen aus der Jagst und brachte sie ins Schloss, wo sie hinter gleich zwei Türen ihren kühlenden Dienst taten.

Joel Dürr aus Hausen am Bach ist einer, der lieber Eisbauer wäre als Fürst. Ein Schaffer halt. Und so war für ihn die Führung unter dem Titel "Gräben, Höhlen, Keller, Grotten" genau die richtige. Sein Bruder Lenz sieht es genauso. Schwester Nele indes könnte man sich auch gut in einem edlen Prinzessinnenzimmer vorstellen. Nun, was gestern nicht war, kann noch werden: Die Dürrs habens ja nicht weit. "Wir waren aber noch nie zusammen hier", erzählt Vater Klaus. "Heute morgen haben wir uns kurzfristig entschlossen." Anschließend gings ins Automuseum und Joel ahnte schon, dass es ihm da mindestens genauso gefallen könnte.

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