Die "neue Festkultur" als Versuch

"One Way Ticket", Party-Pass und Ampel-Armband - mit neuen Ideen wollen Polizei und Jugendamt Alkoholmissbrauch von Jugendlichen auf Festen eindämmen und präsentieren dafür ein neues Konzept.

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"Früher hatten wir eine Festkultur, heute haben wir überwiegend eine Sauf-Kultur." Was Jürgen Merwald, Referent für Prävention bei der Polizeidirektion Schwäbisch Hall in der jüngsten Sitzung des Sulzbach-Laufener Gemeinderats auf den Punkt brachte, stößt in den vergangenen Jahren nicht nur den Jugendschützern, sondern auch immer mehr Besuchern und Veranstaltern sauer auf: Schnapsleichen auf dem Parkplatz, 14-Jährige volltrunken in der Notaufnahme, verdreckte Toiletten, Pöbeleien, Sachbeschädigungen und Körperverletzungen - das steht immer häufiger am Ende einer Faschings- oder Vereinsveranstaltung. Und für die Veranstalter die Frage: Warum tun wir uns das an? Mit einer neuen Festkultur wollen Jugendschützer gegensteuern.

Das Konzept wurde von mehreren Landkreisen gemeinsam entwickelt und in der vergangenen Faschings-Saison auch im Landkreis Schwäbisch Hall getestet. Die Rückmeldungen der Veranstalter, so Kreisjugendreferent Dietmar Winter und Jürgen Merwald übereinstimmend, waren durchweg positiv. Weniger Sachbeschädigungen, weniger Körperverletzungen, und das bei konstanten Besucherzahlen - auch aus Sicht der Polizei ist das Konzept aufgegangen. Denn hier weiß man: Solchen Taten geht meist der Konsum von hartem Alkohol voraus, oft unkontrollierbar draußen auf dem Parkplatz. Die meisten Taten passieren zudem nach 24 und vor allem nach 2 Uhr. Es sind einige wenige Änderungen, mit denen die Veranstalter ihr Fest wieder zu dem machen können, was sie möchten: kein Saufgelage, sondern eine gelungene Party, von der noch nach Monaten gern geredet wird. Ein Fest, das nach Randale und Schlägereien einen schlechten Ruf hat, wird ihn kaum wieder los.

"Es darf nicht so etwas passieren wie in Sittenhardt, wo der Verein daran kaputtgegangen ist," betonte Dietmar Winter.

"Wir wollen keine Feste verhindern", erklärt der Kreisjugendreferent, "wir wollen, dass die Veranstalter Lust haben, weiterzumachen, denn wir haben hier eine tolle Festkultur, an der auch Jugendliche teilhaben sollen." Allerdings ohne mit dem Jugendschutzgesetz in Konflikt zu kommen. Dabei dürfe man die Veranstalter mit den Problemen nicht allein lassen. Die Gesellschaft sei gefordert, vor allem die Gemeinden. Winter und Merwald touren deshalb von einer Vereinsterminbesprechung und von einer Gemeinderatssitzung zur anderen.

Information ist wichtig. Gerade Gemeinden haben als Ortspolizeibehörde mehr Möglichkeiten, als nach der Party Rechnungen für Sachbeschädigungen an die Veranstalter zu schicken: Bereits im Vorfeld kann mit der Genehmigung oder Gestattung eine Reihe von Auflagen ausgesprochen werden. Wichtig sei auch, die Veranstalter über ihre Haftungsrisiken zu informieren. Merwald: "Wenn der Verursacher nicht ermittelt werden kann, haftet der Veranstalter für alle Schäden." Kommt die Polizei, muss auch ermittelt werden, inwieweit der Veranstalter sich an das Jugendschutzgesetz gehalten hat.

Auch über Gemeindegrenzen hinweg lohnt sich die Zusammenarbeit. So berichtete Jürgen Merwald, dass Bühlertann und Bühlerzell sich im Vorfeld geeinigt haben, vor, während und nach den Faschingsumzügen in beiden Orten keinen harten Alkohol auszuschenken.

Die Räte zeigten sich angetan vom Konzept und sagten ihre Unterstützung zu. Zwar sah der eine oder andere durchaus Lücken im System, doch auch Dietmar Winter sieht im Konzept "Neue Festkultur" noch Entwicklungsbedarf: "Jeder Jugendliche versucht, Regeln zu umgehen. Wir waren auch nicht anders. Aber dieses Konzept ermöglicht es uns, das Netz enger zu ziehen, damit Alkoholmissbrauch unter Jugendlichen und die Folgen davon weniger werden."

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