Die "Abwehr", die ein Angriff war

"Abwehr!" stand über dem Aufruf, eigentlich aber ging es um Angriff: Mit dem Boykott jüdischer Geschäfte am 1. April 1933 erhoben die Nationalsozialisten den Antisemitismus zum Leitfaden deutscher Politik.

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"Schamlose jüdische Greuel- und Boykottpropaganda des Auslands" - damit rechtfertigte die NSDAP ihre "Abwehraktion" gegen jüdische Geschäftsinhaber in einer Anzeige, die am 31. März 1933 im "Haller Tagblatt" erschien. Hinter dieser vorgeschobenen Begründung freilich verbarg sich Weitreichenderes: Der Boykott sollte ausloten, inwieweit die deutsche Bevölkerung bereit war, dem für die Nationalsozialisten so zentralen Antisemitismus im Alltag Wirkung zu verleihen.

Tatsächlich verlief die Aktion nicht nach Wunsch der NSDAP. Die Menschen blieben meist passiv, manche setzten sich demonstrativ über den Aufruf hinweg. War zunächst geplant gewesen, den Boykott vom 4. April an fortzusetzen, wurde dies verworfen. Die Ausgrenzung der deutschen Juden nahm vorübergehend subtilere Formen an.

Wie der Boykott in Hohenlohe ablief, ist kaum bekannt. Vom Jahrgang 1933 des in Crailsheim erschienen "Fränkischen Grenzboten" fehlt jede Spur. In der Stadt gab es damals rund 30 von Juden geführte Geschäfte. In einer eidesstattlichen Versicherung, die Alfred Meth nach dem Krieg im Zuge eines Wiedergutmachungsantrags der Crailsheimer Jüdin und Textilhändlerin Selma Böhm abgab, heißt es: "Bis zur Ergreifung der Hitlermacht wurden stets einige Angestellte mitbeschäftigt, die aber wieder entlassen werden mussten, weil durch die Boykottmaßnahmen, die in dem kleinen Ort Crailsheim ganz besonders scharf durchgeführt wurden, der Umsatz in dem Geschäft wesentlich zurückging.

Im Gerabronner "Vaterlandsfreund" ist nur einmal von der Gewissensnot vieler Christen im Zusammenhang mit dem Boykott die Rede - in einem Artikel über einen deutlich antisemitischen Vortrag in Kirchberg zur "Judenfrage".

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