Devise: Mehr Klasse statt Masse

Welche Landwirtschaft braucht die Zukunft? Diese Frage hat die Teilnehmer der Weckelweiler Bauerntage bewegt, die von Mittwoch bis Samstag in der Bauernschule Hohenlohe stattgefunden haben.

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  • Neue Töne aus der Bauernschule: Mit seinem Lied "Die Erde liebt uns" hatte Hubert Krimbacher, der zweite Vorsitzende des Bauernschulvereins, dieses Jahr den "Good Food March" nach Brüssel begleitet. Die Vorstandsmitglieder Hartmut Heilmann und Elfriede Steinat stimmen auch mit ein (von rechts). Foto: Hartmut Volk 1/2
    Neue Töne aus der Bauernschule: Mit seinem Lied "Die Erde liebt uns" hatte Hubert Krimbacher, der zweite Vorsitzende des Bauernschulvereins, dieses Jahr den "Good Food March" nach Brüssel begleitet. Die Vorstandsmitglieder Hartmut Heilmann und Elfriede Steinat stimmen auch mit ein (von rechts). Foto: Hartmut Volk
  • Der Biolandbau sichert heimische Produkte. Archivfoto: Lars Schwerdtfeger 2/2
    Der Biolandbau sichert heimische Produkte. Archivfoto: Lars Schwerdtfeger
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Seit mehr als 60 Jahren setzt sich die Ländliche Heimvolkshochschule im Kirchberger Teilort für den Erhalt einer bäuerlichen Landwirtschaft ein. Nachdem es die letzten Jahre ruhig um die Pionierstätte des biologischen Landbaus geworden war, soll nun wieder ein regelmäßiger Seminarbetrieb in der Bauernschule stattfinden, erklärte Hartmut Heilmann, der seit November dem Trägerverein vorsteht. Der wirtschaftliche Fortbetrieb der Einrichtung, der lange in Frage stand, sei nun durch eine Erbschaft gesichert.

Der Kirchberger Diplomlandwirt bemüht sich seit Jahrzehnten als freier Forscher und Berater für ökologischen Landbau um ein ganzheitliches Verständnis von Natur und Mensch auf der Grundlage des landwirtschaftlichen Kurses von Rudolf Steiner, der 1924 die Geburtsstunde des biologisch-dynamischen Landbaus einläutete. Heilmann machte in seinem dreiteiligen Vortragszyklus deutlich, dass die auf die rein stofflichen Erscheinungen reduzierte Sichtweise der Natur eine Landwirtschaft hervorbringt, die schlussendlich ihre eigenen Lebensgrundlagen zerstört und die Bauern entmündigt. "Wir leben in einer Diktatur des Materialismus", konstatierte der Tagungsleiter. Den Bereichen des Lebendigen werde man damit nicht gerecht, weil diese einer Eigengesetzlichkeit unterliegen, die von energetischen Prozessen geprägt sei, so Heilmann.

Dem neuen Vorstandsvorsitzenden steht Hubert Krimbacher aus Ettenbeuren bei Augsburg als Stellvertreter zur Seite. Er gilt als der "Andreas Hofer vom Kammeltal", weil er seine kritische Haltung zur aktuellen Agrarpolitik bei vielen Vorträgen und Veranstaltungen wortstark und profund und manchmal auch musikalisch zum Ausdruck bringt. "Ich mache seit 30 Jahren genau das Gegenteil von dem, was uns die landwirtschaftlichen Berater und Wissenschaftler sagen, dass es zukunftssicher und überlebenswichtig sei", berichtet der Biolandwirt von der Donau. Er hat seinen 27 Hektar großen Betrieb nur einem Wachstumsdiktat unterworfen: mehr Klasse statt Masse. Von dem, was sein Selbstvermarkterbetrieb abwirft, kann er mit seiner Familie gut leben, obwohl die gängige Lehrmeinung von einer Mindestbetriebsgröße von 50 Hektar ausgeht. Nach seiner Einschätzung hat sich das Erzeuger-Verbraucher-Verhältnis im Biolandbau heute genau umgekehrt: Während in den 1980er-Jahren noch die Abnehmer für die Bioprodukte fehlten, könne heute die Nachfrage längst nicht mehr aus inländischer Produktion gedeckt werden. Die Verdrängung der bäuerlichen Familienbetriebe durch die industrielle wachstumsorientierte Landwirtschaft lasse altes Wissen verloren gehen, mahnt Krimbacher. Die Bauernschule spiele eine zentrale Rolle darin, dieses Wissen zu bewahren und zu verbreiten.

Neben der Bauerntagung im Januar ist die Bäuerinnen- und Frauenwoche im März seit vielen Jahren ein gerne wahrgenommenes Angebot. Um die Frauen eine Woche lang von der Haus- und Hofarbeit zu entlasten und ihnen eine kulturelle Auszeit zu ermöglichen, hat Schulleiter Fritz Strempfer seinerzeit mit Mitstreiterin Else Wolz die Bäuerinnenwoche ins Leben gerufen. Seit 20 Jahren wird sie von Elfriede Steinat, der neuen Kassiererin des Trägervereins, geleitet. Die mittlerweile 85-Jährige engagiert sich seit 1980 in der Bauernschule und hat ihre Höhen und Tiefen miterlebt. Dass die Arbeit an der Bauernschule nun wieder weitergehen kann, ist für die im Geiste jung gebliebene Biobäuerin ein klares Signal dafür, dass die Schule auch heute noch Wichtiges zu sagen hat.

Info Das aktuelle Programm ist jeweils auf der neuen Homepage der Bauernschule unter www.bauernschulehohenlohe.de zu sehen.

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