Der Wahnsinn des Lebens

Trotz schlechten Vorverkaufs ein volles Haus im Rosensteinsaal: Der bayerische "Liederbombenleger" Christoph Weiherer begeisterte das Publikum.

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"Ihr könnt natürlich nicht erwarten, dass Ihr für Eure elf Euro Eintritt das gleiche Programm bekommt wie die in München für 16 Euro", stellt der bayerische Liedermacher mit dem jugendlichen Aussehen gleich zu Beginn seines zweieinhalb Stunden dauernden Auftrittes in der Burgenlandhalle fest. Er schreckt mit seiner politisch fast immer unkorrekten Weise nicht einmal davor zurück, sich mit seinem Publikum anzulegen. "Normalerweise gehen 70 Prozent der Zuschauer nach der Pause. Das wird heute nicht der Fall sein, denn ihr seid ja Schwaben." Von den knapp 100 Zuschauern wird Christoph Weiherer energisch darüber aufgeklärt, dass er sich in Hohenlohe befinde, was er sofort mit seinem Stück "Schweiza Franggn" verbindet, dem schwierigen Verhältnis zwischen Franken und Bayern. "Ist das bei euch so ähnlich?"

Ganz im Stile von Bob Dylan mit Gitarre, Mundharmonika und zuweilen etwas undeutlichem Gesang im bayerischen Dialekt giftet er in seinen Liedern gegen alles und jeden. Besonders die "wahren" Begebenheiten aus seinem Leben, zu denen er in der Anmoderation seiner Lieder immer wieder abzuschweifen scheint, zeigen, warum er kein Geheimtipp mehr ist: "Ich bin Atomkraftgegner, wie ihr an meiner Frisur schon sehen könnt. Aber muss man sie deswegen gleich abschalten? Ich habe so viele schöne Lieder gegen die Atomkraft geschrieben. Hätte man damit nicht warten können, bis ich in Rente bin?"

Bei seinem Lied "Bio, Bio, Bio: Wo man hinschaut nur Verbrecher" holt seine Freundin, die Bioladenbesitzerin, mal eben Gemüse vom Discounter, um es bei sich ins Regal zu legen. Für Christoph Weiherer scheint die Welt ein einziger Wahnsinn zu sein, voll mit Fragen und ohne Antworten, die er mit seinen Liedern und Geschichten messerscharf ins Visier nimmt.

Etwa vom Opa, der sich mit 72 ein neues Auto kauft, weil er es betrunken zu Fuß nicht mehr nach Hause schafft. Auch das Rauchverbot ist dem Nichtraucher ein Ärgernis: "In München kannst du keinen Spaziergang mehr machen ohne nach Rauch zu stinken, weil alle Raucher vor den Kneipen stehen."

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