Der Todestag von Pfarrer Georg Bührlen, erster Ehrenbürger Sulzbachs, jährt sich zum 100. Mal

Er war der erste Ehrenbürger Sulzbachs: Georg Bührlen. Morgen vor 100 Jahren starb der in der Gemeinde beliebte Pfarrer im Alter von 72 Jahren. Bührlen war nicht nur Seelsorger, er galt auch als guter Handwerker.

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Pfarrer Georg Bührlen sitzt an seinem Schreibtisch. Sulzbachs erster Ehrenbürger starb am 14. März 1914. Er wurde 72 Jahre alt.  Foto: 

Bei der Reformationsfeier am 6. November 1910 hielt Pfarrer Georg Bührlen seine Abschiedspredigt und am gleichen Tag beschloss der Gemeinderat einstimmig, ihm, "der als geschätzter Seelsorger 23 Jahre lang Freud und Leid der Gemeinde teilte und viel Erfolg- und Segensreiches zum Nutzen und Frommen der Gemeinde geleistet und sich Verdienste um Gemeinde, Schule und Darlehenskassenverein erworben hat" das Ehrenbürgerrecht zu verleihen. Bei einem Gemeindeabend im März 1911 wurde ihm die Urkunde überreicht.

Nach dem Weggang von Pfarrer Gottfried Schmid 1887, um die Pfarrstelle in Michelfeld zu übernehmen, beriet der Kirchengemeinderat Sulzbach am 29. Juni 1887 über die Wiederbesetzung und stellte dazu fest: "Es besteht fleißiger Gottesdienstbesuch und das Predigtamt wird in der Gemeinde respektiert, aber es herrscht große Neigung zu nur äußerlicher Kirchlichkeit und starker Mangel an charaktervoller Ausprägung des Glaubens im Leben und wegen der unleugbaren sittlichen Gebrechen, die der Gemeinde anhaften, suchen wir einen Pfarrer, der nicht nur kraftvoll predigen kann und die nötige Zucht handhabt, sondern das verkündete Wort auch in seinem Wandel entschiedenen Ausdruck gibt."

Der "Stand der Sittlichkeit" sei sehr nieder

Die Gemeinde mit damals 1266 Seelen, der Schulfiliale Kohlwald und den vielen Teilorten in allen Richtungen braucht außerdem einen Pfarrer, "der in rüstiger Kraft steht". Dekan Karl Leypoldt, Gaildorf, ergänzte den Bericht an das Evangelische Konsistorium in Stuttgart mit den Feststellungen, dass der Stand der Sittlichkeit auch wegen des Branntweingenusses und der hohen Zahl der unehelichen Geburten sehr nieder sei. Da ein Kirchenumbau ansteht, soll der neue Pfarrer in die Beratungen mit der Gemeinde "mit Verständnis und Geschick eingreifen können". Auf die Ausschreibung im Staatsanzeiger, mit einem Jahresgehalt für den Pfarrer von 2600 Mark, bewarben sich neun Pfarrer. Am 11. Oktober 1887 entschied sich der württembergische König auf Vorschlag des Evangelischen Konsistoriums für Pfarrer Georg Bührlen aus Schömberg bei Freudenstadt.

Als Sohn eines Hafners wurde Georg Bührlen am 10. Februar 1842 in Ulm geboren. Nach dem Besuch des Gymnasiums in Ulm studierte er in Tübingen Philosophie und Theologie, war von 1867 bis 1869 Vikar in Westheim, danach bis 1872 Pfarrverweser in Bubenorbis, kannte also das Limpurger Land. Von 1872 bis 1878 war er Pfarrer in Zillhausen bei Balingen, bevor er Pfarrer in Schömberg wurde. Pfarrer Bührlen war mit Emilie geborene Weil verheiratet. Das Ehepaar hatte zwei Töchter. Am 9. November 1887 wurde Bührlen von Dekan Karl Leypoldt in sein Amt eingesetzt. Als Zeugen fungierten Pfarrverweser Samuel Schmid aus Laufen und Schultheiß Moritz Pfizenmaier, genannt "Onkele".

Bald nach seinem Amtsantritt begannen die Vorbereitungen für den Bau eines neuen Kirchturms und die Innenrenovierung der Kirche. Auf 20.000 Mark waren die Baukosten veranschlagt. Groß waren die Überraschung und die Sorgen der Finanzierung als 1892/93 der Bau mit 47.912,77 Mark abgerechnet wurde. Das Pfarrhaus wurde 1908 renoviert und 1909 mit elektrischem Licht versorgt. Beachtlich, dass in dieser Zeit im Sulzbacher Pfarrhaus eine Ortslesebibliothek mit 661 Bänden bestand. Mit einem jährlichen Zuschuss von nur 12 Mark fand die bürgerliche Gemeinde die Einrichtung nicht besonders förderungswürdig.

In Bau- und Verwaltungssachen war Pfarrer Bührlen im Element. So legte er, wenn es im Pfarrhaus etwas zu reparieren galt, selbst sehr geschickt mit Hand an. "Seine Stärke ist das Geschäftliche, das er in hervorragender Pünktlichkeit erledigt" und so führte sein praktisches Verständnis schließlich zu seiner Berufung zum Kämmerer für das ganze Dekanat Gaildorf. "Der geistliche Einfluss ist wohl mehr in den Hintergrund getreten", formulierte der Dekan später einmal vorsichtig. 1897/98 hat sich Pfarrer Bührlen vergeblich um eine andere Pfarrstelle beworben.

Als er 1902 schwer erkrankte, wurde ihm ein Vikar zur Seite gestellt. "Da die Gemeinde in deutlich erkennbarer Weise religiös und sittlich gesunken ist, wäre ein selbständiger und kräftiger Vikar wünschenswert", berichtete Dekan Eugen Majer nach Stuttgart. Doch "die Gemeinde hat ihn sehr gern", urteilte Dekan Theodor Schrenk, als er Bührlen 1910 für eine Auszeichnung vorschlug. Und weil "die da oben" den Sulzbachern immer wieder den Verfall der Sittlichkeit vorhielten und dies auf den Alkoholmissbrauch zurückführten, stellte sich ihr Pfarrer Bührlen vor seine Seelen und berichtete: "Die Männer gehen wohl am Sonntag ins Wirtshaus wie überall, aber im Allgemeinen ist der Wirtshausbesuch ein geringer, von Störungen der Ordnung hört man nie etwas." Vielleicht mochten sie ihn auch deshalb alle, weil er ihre kleinen Sünden tolerierte. Pfarrer Bührlen wirkte als Vorstandsmitglied im Darlehenskassenverein und nahm als "stets gern gesehener Gesellschafter" am Vereinsleben teil.

Das Wirken des Pfarres wurde vom König gewürdigt

Im 69. Lebensjahr, also 1910, reichte Pfarrer Bührlen nach 23-jähriger Tätigkeit als Seelsorger in Sulzbach seine Pensionierung ein. Neben Gesundheit und Alter brachte auch die beginnende Industrialisierung neue Aufgaben. Das Sägewerk Langbein beschäftigte damals 50 Arbeiter und "gelegentlich stellt man sozialdemokratisches Gedankengut fest". Fünf Kaufläden versorgten die Einwohnerschaft mit allem, was man zum täglichen Leben brauchte und sieben Wirtschaften gab es damals in der Gemeinde. Das Wirken des Pfarrers wurde vom König gewürdigt: "Seine Königliche Majestät haben am 21. Oktober 1910 allergnädigst geruht, dem Pfarrer Georg Bührlen das Ritterkreuz I. Klasse des Friedrichsordens zu verleihen."

Im überfüllten Gasthaus Adler hielt am 6. November 1910 bei der Abschiedsfeier Schultheiß Otto Fried die Festrede. Hauptlehrer Ulshöfer (Kohlwald), Unterlehrer Held (Sulzbach), Oberreallehrer Mauz (Untergröningen), Schultheiß Spang (Laufen), Sägewerksbesitzer Schwarz (Sulzbach), Hauptlehrer Frey (Untergröningen), Forstwart Schilling (Altschmiedelfeld) und Jakob Köngeter (Sulzbach), sie alle lobten den Pfarrer und ließen den Ehrenbürger immer wieder kräftig hochleben.

Pfarrer Bührlen verbrachte seinen Ruhestand in Sulzbach in seinem wenige Jahre vorher erbauten Haus - heute Mühlgasse 14 -, in dem zuvor Schultheiß Otto Fried zur Miete wohnte. Er widmete sich nun der Ortschronik und hielt 1913 noch die Festrede zum 50-jährigen Fahnenjubiläum des Liederkranzes. Am 14. März 1914 starb Pfarrer Bührlen im Alter von 72 Jahren. Seine Witwe lebte noch bis 1917 in Sulzbach und zog dann zu Ihrer Tochter nach Ölbronn.

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