Der Mann mit dem Thema

Menschen mit einem Thema machen Martin Godau Sorgen. Von "Menschen mit einem Thema" spricht der Teamleiter in der Vermittlung des Haller Jobcenters, wenn andere "Kandidaten mit einem Problem" sagen würden: Solche mit einer Sucht, einer Krankheit, einer Behinderung, oder einer kriminellen Vergangenheit.

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Wie man einen Hartz-IV-Antrag ausfüllt, erklärt der Jobcenter-Chef Roland Rößler (rechts) dem CDU-Landtagsabgeordneten Helmut Rüeck. Foto: Marc Weigert

Jetzt hatte Godau einen Menschen mit einem ungewöhnlichen "Thema" am Schreibtisch sitzen: einen Menschen mit politischem Hintergrund. Einen Landtagsabgeordneten. "Ins Jobcenter kommt nicht jeden Tag ein Politiker", sagt Godau. "Ich wusste nicht, was da auf mich zukommt." Denn Helmut Rüecks "Thema" ist die Landespolitik. Seit dem Verlust der Regierungsmacht muss der Crailsheimer CDU-Abgeordnete mit ansehen, wie das Land von Grünen und Roten regiert wird. Und sich vom Jobcenter-Chef Roland Rößler zeigen lassen, wie man einen Hartz-IV-Antrag ausfüllt.

Keine Angst: Helmut Rüeck ist nicht arbeitslos. Er weiß, dass der Presse die Überschrift "Rüeck geht Stempeln" schon in den Fingern juckt. Dabei übe ein Abgeordneter versicherungstechnisch betrachtet tatsächlich keinen Beruf aus, wie ihm einmal erklärt worden sei. Nur einmal bedrohte den gelernten Maschinenschlosser die Arbeitslosigkeit - als seine damalige Firma wenig Aufträge hatte. "Ich hab mal vier Wochen den Gartenzaun gestrichen und der Betriebsleiter kam vorbei und sagte: Lass dir Zeit!"

Den Hartz-IV-Antrag füllt er heute aus, weil er wissen will, was im Jobcenter geleistet wird. Als früherer Gewerkschafter interessiere er sich sehr für soziale Themen, sagt Rüeck. Die Kundschaft des Jobcenters wende sich oft auch an ihn - oder er erfährt die Meinung der anderen Seite, die die Hoheit über die Stammtische inne hat. "Einen noch besseren Einblick", sagt sich Rüeck, "erhält man, wenn man es sich in der Praxis anschaut". Deshalb hospitierte er im Haller Jobcenter und erfuhr dabei von Fällen, "die mir an die Nieren gehen". Nach zwei Tagen im Jobcenter kommt Rüeck zu der Erkenntnis, "dass es sich lohnt, niemanden am Wegesrand zurückzulassen".

Nun darf Godau hoffen: "Es ist eine Chance für uns, das, was innen passiert, auch nach außen zu erklären. Oft erfährt man, dass die Politik etwas entscheidet, was in der Praxis zu kompliziert oder nicht durchführbar ist." Auf die politische Lösung aller Probleme - Verzeihung: Themen - rund um die Arbeitslosigkeit wird man allerdings noch warten müssen. Rüeck bedauert: "Ein Patentrezept hab ich im Moment keines."

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