Der Mann im Umbau

Wie macht man aus einem harmlosen Burschen einen neuen Mann und dazu noch einen brauchbaren Krieger? Die Württembergische Landesbühne Esslingen klärt diese Frage in "Mann ist Mann".

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Dosenfutter für den Soldaten: Die Württembergische Landesbühne Esslingen unterhält in Ilshofen mit Brecht-Stück "Mann ist Mann". Foto: WLB

Kein gutes Haar lässt Regisseur Manuel Soubeyrand an den Soldaten einer englischen Maschinengewehr-Mannschaft, die sich laut Bertold Brecht im Jahr 1925 im indischen Kilkoa auf dilettantische Weise an einer Pagode zu schaffen machen. Einer verliert seinen Helm, der nächste klemmt sich die Finger ein und ein weiterer Schussel - schon schwer mit Bier beladen - reißt sich an der Tür ein Büschel Haare samt Kopfhaut ab und ist damit leicht als Dieb identifizierbar.

Auch ihr Vorgesetzter, Sergeant Fairchild, genannt der Blutige Fünfer, macht keine bessere Figur. Er büßt Autorität und guten Ruf ein, weil er angesichts der lüsternen Kantinenwirtin Begbick, gespielt von Kristin Göpfert, den Hosenknopf nicht zulassen kann. Robert Eder steigert sich vor den Augen des amüsierten Publikums in Wut wie einst das legendäre HB-Männchen.

Derweil müssen die drei anderen Schwachköpfe, in bester Slapstick-Manier von Stefan Wanura, Matthias Zajgler und Ralph Hönicke verkörpert, wieder einen vierten Mann auftreiben, damit ihre Eselei nicht auffliegt. Jonas Martin Schmid, erst als betrunkener Soldat Jip zu sehen, unterstützt später mit der Trompete den Musiker Günter Lehr, der mit dem Ensemble die Paul-Dessau-Songs einstudiert hat und live am Keyboard begleitet.

Galy Gay, ein irischer Packer, soll nun zum waffentauglichen Soldaten umfunktioniert werden, der gegen Tibet kämpfen kann. Nikolaos Eleftheriadis gibt den gutmütigen Naivling. Lara Beckmann wechselt dank raffinierter Maske (Karin Bittmann) problemlos zwischen Galy Gays langhaariger Frau und dem kahlgeschorenen tibetanischen Pagoden-Wächter.

Manuel Soubeyrand verharmlost in seiner Inszenierung Brechts Modell für die Verführbarkeit des Einzelnen durch Gewalt, Ideologie und Gruppenzwang. Sehr zur Freude des Publikums in der Ilshofener Stadthalle wird aus dem sozialen Lehrstück ein unterhaltsamer Klamauk, bei dem die Darstellenden alle Hebel ihres komödiantischen Könnens ziehen dürfen.

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