Der Jagst auf den Grund gegangen

Neues über den Zustand der Jagst und Interessantes aus dem Leben im Fließgewässer haben Besucher am Sonntag beim Gewässerlebnistag in Bächlingen erfahren.

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Was ist passiert und wo soll’s hingehen mit der Jagst?“ – auf diesen Nenner brachte Markus Hannemann die vielfältigen Aktionen der Fischhegegemeinschaft Jagst (FHGJ) beim zweiten Gewässer-Erlebnistag am Bächlinger Jagstgestade. Dass der Angelsportverein Langenburg am gleichen Wochenende sein Fischerfest mit leckeren Fischspezialitäten und gemütlichem Beisammensein unter den Kastanien auf dem Keltervorplatz feierte, sorgte auch dafür, dass viele Besucher den Sonntagnachmittag nutzten, um sich auf der Uferwiese gegenüber bei den Präsentationen und Vorführungen der FHGJ zu informieren.

Der Zusammenschluss aus aktuell 24 Fischereivereinen an der Jagst hat sich die Förderung der Fische und des Gewässerschutzes auf seine Fahnen geschrieben. Eine umfangreiche Posterreihe dokumentierte übersichtlich und anschaulich die Auswirkungen und Folgen des verheerenden Jagstunglücks nach dem Großbrand an der Lobenhäuser Mühle vor knapp zwei Jahren. Glück im Unglück hatte die Kleintierwelt am Gewässergrund, die von der Giftwelle weitgehend verschont blieb. Bei der Kescheraktion an der Herrenmühle mit Dr. Berthold Kappus konnten sich die Gäste vom regen Leben des „Makrozoobenthos“ überzeugen, das Rückschlüsse auf die Gewässergüteklasse „gut“ zulasse, so der Biologe aus Züttlingen, der der Hegegemeinschaft als Unterstützer und wissenschaftlicher Berater zur Seite steht.

„Vorbildliche Leistungen“

Kappus moderierte auch eine Gesprächsrunde, bei der Markus Hannenmann als Sprecher der FHGJ, Martin Zorzi für das Umweltzentrum Schwäbisch Hall, der Geschäftsführer des Landesfischereiverbandes Reinhard Sosat sowie dessen Präsident Arnulf von Eyb Rede und Antwort standen. Von Eyb würdigte die „in jeglicher Beziehung vorbildlichen Leistungen“ der Angelvereine bei den Bemühungen um eine saubere und artenreiche Jagst und lobte insbesondere das reibungslose Zusammenwirken mit den Vertretern der Behörden und Kommunen, der Landwirtschaft, des Naturschutzes, der Feuerwehren und des technischen Hilfswerkes sowie den unzähligen Helfern aus der Bevölkerung, die in gemeinsamem Schulterschluss die Ausmaße der Katastrophe in Schach gehalten hätten.

Die Podiumsvertreter waren sich einig, dass alle Beteiligten „an einem Strang gezogen“ hätten, so Hannemann. Auch die bisher im Rahmen des „Aktionsprogramms Jagst“ erfolgten Renaturierungsmaßnahmen des Regierungspräsidiums entlang des Flusses, die für Fischunterstände, Artenvielfalt und ökologische Stabilität des Fließgewässers sorgen sollen, wurden von allen Sprechern gleichermaßen für gut befunden. Uneinigkeit herrscht jedoch nach wie vor in der Kormoran-Frage: Als „Schaumschlägerei, mit der wir nicht weiterkommen“, bezeichnete Sosat Zorzis Plädoyer für die Schaffung von mehr geschützten Fischunterständen, die dem gefiederten Räuber die Fischjagd erschweren und verleiden sollen. Demgegenüber forderte Hannemann die Ausweitung des Bejagungsgebietes auf den Flussabschnitt zwischen Hessenau und Lobenhausen. Die rund 500 Tonnen Fischspenden der 13 Angelvereine unterhalb von Dörzbach, die in den geschädigten Flussabschnitt umgesiedelt wurden, machten wenig Sinn, wenn die Kormorane dort weiterhin fischen dürften, sagte Hannemann.

Thema Durchgängigkeit

Eine große, noch offene Herausforderung ist für die Vertreter der FHGJ die Schaffung der Durchgängigkeit des Fließgewässers. Während im benachbarten Hohenlohekreis nahezu alle Wehre inzwischen mit Fischpässen versehen sind, herrsche im Landkreis Schwäbisch Hall noch Nachholbedarf. Insbesondere Fischarten mit Laichwanderungen stromaufwärts wie die Barbe seien auf Umgehungsrinnen angewiesen, die auch im Sommer einen garantierten Mindestwasserstand aufweisen, führte Kappus aus.

Auch der vor allem durch Sedimente und Düngerauswaschung aus der Landwirtschaft verursachte Stoffeintrag in die Jagst gebe weiterhin Anlass zur Sorge, sagte Zorzi. Etliche Bürger äußerten sich sehr besorgt über den nur unweit vom Aktionsgelände geplanten Erweiterungsbau eines Schweinemastbetriebes bei Nesselbach, dessen Größe eine „neue Dimension für unseren Landstrich“ darstelle, so der Leiter des Umweltzentrums. Konkrete Zahlen dazu konnten noch nicht genannt werden – dazu soll es Ende September vor Ort eine öffentliche Info-Veranstaltung geben, teilte das Bürgermeisteramt Langenburg auf Anfrage mit.

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Kommentare

02.08.2017 17:45 Uhr

Sorgen und Fische

Steht das wirklich '500 Tonnen Fisch'?

Auch der vor allem durch Sedimente und Düngerauswaschung aus der Landwirtschaft verursachte Stoffeintrag in die Jagst gebe weiterhin Anlass zur Sorge, steht oben zu lesen. Der Ansatz ist interessant, -wann folgt die landesweite Kartierung dazu, zu sämtlichen Fließgewässern unserer Region, -und die Feststellung wie eine seriös betriebene Landwirtschaft diese Misswirtschaft vermeiden kann?

Wenn Fischer und Naturverbände aus der s.g. Jagstkatastrophe in die Zukunft mitnehmen, das unsere Fließgewässer wichtige Lebensräume sind, -und nicht nur Vorfluter und Entsorger unserer Zivilisation, -dann wäre mit dem ganzen Desaster wenigstens eines gewonnen. Das von Idioten aus allen Lagern alle Diskussion an unseren Fließgewässern aber nur am Komoran hängen bleiben, zeigt deutlich wie weit wir da noch entfernt sind.

Auch das erst eine Katastrophe Land und Leute zu diesen grundsätzlichen Pflichten des Gewässerschutzes (WHG, EU-WRRL) an die Jagst und an das Wasser gebracht haben, -darf sehr nachdenklich machen.

Das wir in Gaildorf mit unserer abwegigen Stadtverwaltung und unserem geliebten Naturstromspeicher da weiteres großes Potential für künftige Störungen und künftige Desaster schaffen, -wird von Ministerien und verantwortlichen Verbänden bis heute nicht öffentlich thematisiert. Und unser Kocher im Bereich der Fichtenberger Rot-Mündung gibt ohne das bereits genug Anlass zu vielen Sorgen. Das der Kormoran in Bereichen mit gesundem Fischbestand zeitweise fischt, -welche Fischhege (außer eine falsche Hege und den falschen Besatz von 'fangreifen und laichfähigen Fischen') kann das stören?

Die vorstehende Berichterstattung lässt vieles offenbar werden. Der gesetzliche Auftrag ist seit 25 Jahren geklärt. Unsere Fließgewässer sind als funktionierende Lebensräume, und nicht als Angelparadies und Kormoranbejagungsgebiet, -zu hegen und zu pflegen. Hätten unsere Fließgewässer einen natürlichen Fischbestand, -gäbe es gar kein s.g. Kormoran-Problem. Alle Maßnahmen an unseren Fließgewässern müssen auf eine grundsätzliche und natürliche Leistungsfähigkeit zielen. Angler, Kormoranschützen und Spaßbesatz werden da offiziell nicht einmal genannt, -außer das sie gebietsweise stören. Angler das per Gesetz (und bei Einhaltung der Regeln), sogar dürfen.

http://GRAUSTROMSPEICHER.kochertal.net
http://NATURSTROMSPEICHER.kochertal.net

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