Der Groove von vier Saxofonen

Für ihn sei es das „Instrument der Freiheit und des Individualismus“, bekannte am Mittwochabend Saxofonist Heinrich von Kalnein in der ehemaligen Kapelle in Schloss Tempelhof.

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Begeistern das Publikum: Florian Leuschner, Baritonsaxofon, Heinrich von Kalnein, Tenorsaxofon, Johannes Enders, Tenorsaxofon, und Florian Trübsbach, Altsaxofon (von links).  Foto: 

Der Saxofonist Heinrich von Kalnein war als Mitglied von Johannes Enders „Zeit-Geist-Maschine“ zu hören – und brachte auch etwas zur Geschichte des Saxofons und zu seinem Erfinder zwischen den Stücken zu Gehör. Die zu hörenden Kompositionen waren allesamt Enders Kopf entsprungen, darunter etwa „Momental“, das er als eine Mischung aus den Wörtern „momentan“, „monumental“ und „mental“ erläuterte: „Es ist das allererste Saxofonquartett, das ich geschrieben habe.“

Der im Grunde wiegende Charakter ergab sich aus dem ständigen Wechsel zwischen zwei Akkorden und den von Florian Leuschner hier schön weich hervorgehobenen Bassgängen auf dem Baritonsaxofon. Florian Trübsbach ließ darüber auf seinem aus Kunststoff bestehenden Altsaxofon schnelle Tonfolgen in seinem Chorus immer weiter ausgreifen, ehe sich am Ende des Stücks alles wieder beruhigte.

Enders und von Kalnein spielten in diesem Quartett zumeist Tenorsaxofone, waren aber auch auf anderen Instrumenten zu hören. So griff Enders dreimal zum Sopransaxofon. Zu „Mondvogel“ erging er sich flatterhaft in endlos und nicht mehr tonal scheinenden Figurationen.

„Jive Lama“, die Uraufführung des Abends, brachte lustvolles Melodieren, ein wenig mit Anklängen an afrikanische Musik: in Enders Chorus ebenso wie in von Kalneins auf dem Tenorsaxofon. Drummer Sebastian Merk lieferte schnelle Sticksbewegungen – und verstand es, wie den ganzen Abend über, sich wunderbar dem Saxofonsound anzupassen.

Zu „Solar Polar“ umspielte Enders die fast eingefrorenen Akkorde, sodass es am Ende zu leicht swingendem Drive führte. Umgekehrt ging es in Enders „Ex March“: vom lässigen Groove bis zum querständigen Sound. Euphorisch tönte dann Enders Hommage an Sammy Nestico „Mind Change Room“ mit Bezug auf Nesticos Spruch über sein Zimmer in einem Wiener Hotel, dass es so klein sei, dass man nicht einmal seine Meinung ändern könne.

Töne gehen in die Beine

Minimalistisch und rhythmisch auf alle Instrumente verteilt ließ sich „Sun of the Son“ hören, hier mit von Kalnein auf dem Altsaxofon, der die Struktur aber keineswegs sprengte. Ostinato-Folgen bestimmten auch „Ore Man“, ein Stück über den erst kürzlich verstorbenen Jazzmusiker Ornette Coleman. Heinrich von Kalnein brachte über den in die Beine gehenden Baritonsaxofontönen von Florian Leuschner sein Tenorsaxofon zum Kreischen.

Florian Trübsbach nutzte die Geräuschhaftigkeit seines Instruments beim Atmen wundervoll im Intro zu „West Enders“ und lotete über den ruhigen Klängen dieses Stücks schließlich das Melodische aus. Nicht nur davon war das kleine, aber jazzverliebte Publikum begeistert.

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