Der Arzt Dr. Werner Vonberg behandelt Patienten seit vielen Jahren homöopathisch

Wunderheilmittel oder Placebo-Effekt? In der Homöopathie werden Substanzen so stark verdünnt, dass nur noch ein Bruchteil davon im Arzneimittel enthalten ist. Hat es dann überhaupt noch eine Wirkung? Viele Schulmediziner bezweifeln es. Der Kirchberger Arzt Dr. Werner Vonberg ist davon jedoch überzeugt.

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Wer sich mit Dr. Werner Vonberg verabredet, tut gut daran, Zeit mitzubringen. Denn der Kirchberger Arzt ist sehr gefragt. Nicht wenige nehmen eine lange Anfahrt in Kauf, um sich von Vonberg behandeln zu lassen. Es kommt deshalb schon mal vor, dass man etwas länger warten muss, um in das Sprechzimmer des 53-Jährigen gerufen zu werden - das ist auch beim Besuch der Presse im Kirchberger Praxicum nicht anders. "Das zeigt, wie groß die Nachfrage nach Homöopathie ist", sagt Vonberg. Der Facharzt für Allgemeinmedizin hat eine homöopathische Zusatzausbildung. Zwar behandelt er seine Patienten auch mit konventionellen Mitteln, wenn es nötig ist. Sein Schwerpunkt liegt aber klar auf der alternativen Heilmethode.

In der klassischen Homöopathie werden Wirkstoffe so stark verdünnt, dass nur noch ein Bruchteil davon im Medikament enthalten ist. Je höher die Potenz, desto geringer die Konzentration des Wirkstoffs. So liegt das Verhältnis bei der relativ geringen D6-Potenz bei eins zu einer Million, ein Tropfen auf fünf Eimer Wasser. Kann das überhaupt wirken? "Ja", sagt Vonberg. "Man weiß nur nicht, weshalb."

Suche nach einer Erklärung

Vonberg ist keiner, der das Rampenlicht sucht. "Aber ich habe auch keine Lust, mich wegzuducken." Wegzuducken vor jenen, die Homöopathie als eine Scheinbehandlung abtun und die Erfolge einem Placebo-Effekt zuschieben. "Was mich an der Kritik am meisten ärgert, ist die Unwissenschaftlichkeit", sagt Vonberg. "Wenn ich sehe, dass etwas wirkt, dann suche ich doch nach einer Erklärung."

Die Zahlen geben ihm recht: In einer Studie der Bertelsmann-Stiftung aus dem Jahr 2014 gaben 85 Prozent der Homöopathie-Patienten an, dass ihre Beschwerden nach der Behandlung zurückgegangen seien. "Das kann mit einem Placebo-Effekt nicht erklärt werden", sagt Vonberg. Der wirkt übrigens folgendermaßen: "Je unangenehmer es ist, ein Medikament zu nehmen, desto größer ist der Placebo-Effekt", erklärt Vonberg. Das Lutschen von zuckrig schmeckenden Globuli macht demnach einen deutlich geringeren Eindruck auf den Patienten als eine Spritze.

Das ist nicht das einzige Argument, das für Vonberg gegen einen Placebo-Effekt spricht: "Ich hatte Patienten, da hat es Jahre gedauert, das richtige homöopathische Mittel zu finden. Mit der ersten Einnahme des neuen Medikaments hat sich dann plötzlich was getan", erzählt Vonberg. Ein Placebo-Effekt hätte schon zu Beginn der Behandlung eintreten müssen. Den Gedanken "Nutzt nichts und schadet nichts", findet er gefährlich. Falsch angewandt, könne Homöopathie gesundheitsschädigend sein.

Hilfe zur Selbstheilung

Dem 53-Jährigen geht es nicht darum, die Schulmedizin kleinzureden. "Ich finde konventionelle Medizin nicht schlecht - wenn sie gut gemacht ist." Er würde auch nie einen Herzinfarkt mit homöopathischen Mitteln behandeln, auch wenn das theoretisch gehe. Allerdings feiere die Homöopathie bei chronischen Erkrankungen, bei denen die konventionelle Medizin oft hilflos sei, große Erfolge. Das habe auch etwas mit dem ganzheitlichen Ansatz der Therapie zu tun, sagt Vonberg. Homöopathen versuchen nicht, einzelne Leiden zu bekämpfen. Stattdessen soll die Arznei dem Körper helfen, sich selbst zu heilen.

Schade findet der Arzt, dass viele Schulmediziner die Homöopathie dogmatisch ablehnen. "Viele Schulmediziner machen das, was früher die Kirche getan hat. Sie sagen, es kann nicht sein, also ist es nicht", bemängelt Vonberg. Dabei würden sich die Therapieformen gut ergänzen. "Ich habe schon einige Krebspatienten behandelt, die ihre Diagnose überlebt haben", erzählt Vonberg. Er ist überzeugt, dass man in dem Bereich mit einer schulmedizinisch-homöopathischen Doppelbehandlung viel erreichen kann.

Als Vonberg 2004 mit seiner homöopathischen Zusatzausbildung begann, war er selbst oft überrascht von den Behandlungserfolgen: "Ich habe mich auch gefragt, ob es tatsächlich das homöopathische Mittel war, das zur Besserung geführt hat." Doch es gebe Krankheitsverläufe, die könne man einfach nicht anders interpretieren. So habe er einmal als Notarzt einen zehnjährigen Jungen behandelt, der vor Kopfschmerzen wimmernd auf dem Sofa lag. Die Mutter hatte ihm bereits Schmerzmittel verabreicht - erfolglos. "Ich dachte, wenn ich denen jetzt sage, dass ich ihn homöopathisch behandeln will, lynchen die mich", erzählt Vonberg. Also gab er dem Jungen ein paar Kügelchen Belladonna C 30 und sagte nur "Lutsch das mal." Um auf Zeit zu spielen, las er die Gesundheitskarte ein. Es habe keine Minute gedauert, da sagte der Junge: "Mama, mir geht's wieder gut."
 

Der Begründer der Lehre

Wie viele alternative Heilmethoden ist die Homöopathie keine Erfindung des 20. Jahrhunderts. Begründet wurde sie 1796 von Samuel Hahnemann. Der deutsche Arzt verdünnte die Wirkstoffe zunächst, um die Nebenwirkungen zu minimieren. Später war er überzeugt, dass bei den verdünnten Mitteln eine im Wesen der Arznei verborgene Kraft frei wird.

AB

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Kommentare

07.05.2016 14:18 Uhr

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Teil 5)

Kommen wir noch einmal zu Dr. Vonberg und seinen Überzeugungen: Unter Berücksichtigung aller bekannten und abgesicherten Fakten zur Homöopathie, müssen wir uns fragen, ob der Mann nun ein medizinischer Depp ist, ob er ideologisch verblendet ist, und diesesIdeologie zu Lasten seiner Patienten auslebt, denen er möglicherweise unnötige Schmerzen, längere Krankheitsdauer oder unnötige Komplikationen zumutet, oder ob nicht doch ein sehr rationales Kalkül hinter der Gegenwartsmagie steckt, die Vonberg praktiziert?

Dr. Vonberg hat einen Selektivvertrag zur homöopathischen Versorgung abgeschlossen. Diese umstrittenen Verträge sorgen dafür, dass dem homöopathischen Arzt die Zeit mit dem Patienten deutlich besser vergütet wird, als dem nicht homöopathisch arbeitenden Kassenarzt. Die bessere Vergütung erfolgt jedoch zu Lasten der Versichertengemeinschaft, die damit ein pharmakologisch sinnloses Therapieverfahren mitfinanzieren.

Dass dieses medizinisch sinnlose Verfahren durch den "Kümmer-Faktor", also die finanzierte Arbeitszeit des Arztes, eine nicht berechtigte Aufwertung erhält, sei nur am Rande erwähnt. Viel schlimmer ist, dass die Finanzmittel, die in solche Leistungen fließen, natürlich in der Haus- und fachärztlichen Versorgung fehlen, und das umso mehr, je mehr Patienten sich völlig unkritisch dem Verfahren zuwenden.”

(Nur damit es nicht vergessen wird: Die Homöopathie kann keinen Beleg für Ihre Wirksamkeit erbringen. Eine Brille dagegen schon. Brillen sind keine Regelleistungen der Kasse mehr (nur noch bei extremer Sehbeeinträchtigung). Für eine sinnlose homöopathische Erst-Anamnesen erhält der Arzt je Stunde 90 €. Dafür bekäme man schon mächtig viel Brille...)

Kommen wir zum schlechten Schluß noch zu der widerwertigen Hybris der Homöopathen, wenn sich diese an die Behandlung "schwerer und schwerster Pathologien", also z.B. Krebserkrankungen, begeben. Diese Überheblichkeit ist menschenverachtend, schon allein deswegen, weil sie Patienten, die in einem höchst verletzlichen Zustand nach jedem Strohalm greifen, unerfüllbare Heilsversprechen macht - und, je nach Skruplellosigkeit des Therapeuten und Ausmaß der Suggestion, Erkrankte von erheblich belastenden, aber leider notwendigen Therapieverfahren abhält.

Und genau dass will zum Anlass für einen Appell an die Verfasserin nehmen:

Werte Frau Berger, würden Sie Ihren Beruf ernst nehmen, wären Sie mit nur wenig Recherche auf alle kritischen Argumente getroffen, die in den ersten Kommentaren aufgelistet sind - wobei noch deutlich mehr zu erwähnen wären.

Als Journalistin ist es nicht Ihre Aufgabe, sich für dumm verkaufen zu lassen, sondern genau dort nachzufragen, wo die Divergenzen zwischen Phantasterei und wohlbestätigtem Grundlagenwissen allzu offensichtlich werden.

Die zentrale Bedeutung des Journalismus in unserer liberalen Gesellschaft liegt in der Flurbereinigung auf den Märkten der kühnen Versprechungen. Daran sollten Sie ab und an denken.

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07.05.2016 10:34 Uhr

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Teil 4)

4. Ein sehr bedeutsamer Wirkmechnismus betrifft "das" Kompetenzzentrum der Homöopathen, die chronischen Erkrankungen.
Für chronische Erkrankungen ist oftmals ein zyklischer Verlauf typisch, bei dem sich Phasen relativer Beschwerdelosigkeit mit Phasen größerer Beeinträchtigungen abwechseln, bekannt dafür ist z.B. die Multiple Sklerose.
Arzneien werden meist in Zeiten größerer Beschwerden angewendet, denen, als Folge des natürlichen Erkrankungsverlaufs, Phasen mit weniger Beschwerden folgen, so dass auch hier der schon weiter oben angesprochene Cum hoc ergo propter hoc-Fehlschluss dafür sorgt, dass die Phasen der relativen Beschwerdefreiheit fälschlich als Heileffekte auch einer wirkstoffbefreiten Arznei interpretiert werden.
Dazu kommt noch, dass bestimmte, als chronisch aufgefasste Erkrankungen längst nicht so chronisch sind, wie man denkt. So mildert sich eine kleinkindliche Neurodermitis bei bis zu 50 % der Betroffenen mit zunehmendem Lebensalter so sehr ab, dass diese später fast vollständig beschwerdefrei sind. Zwar besteht meist noch eine gewisse Empfindlichkeit der Haut, allerdings nicht mehr die typischen Zeichen der Neurodermitis.
Auch hier erzeugt dann die Einnahme wirkkungsloser Globuli den Eindruck, das Zuckerkügelchen wäre Ursache des Heilungsprozesses gewesen, aber letztlich ist aber das alles nicht mehr als Selbstbetrug.

Alle diese Erklärungen, so schlüssig sie auch sind, werden mit an Vorsatz grenzender Hartnäckigkeit bei der Diskussion um die Homöopathie ignoriert; vermutlich deshalb, weil der typische Homöopathie-Anhänger ohnehin davon ausgeht, dass diese Erklärungen nur erfunden wurden, um die Homöopathie zu „verteufeln“.

Das jedoch ist ein großer Irrtum:

Alle diese Erklärungen greifen Wahrnehmungsfehler auf, die in der gesamten Medizin gemacht wurden und immer noch gemacht werden. Weil wir uns aber nicht vor diesen Fehleinschätzungen zum therapeutischen Nutzen diverser Verfahren schützen können, betreibt die wissenschaftliche Medizin mit den Studien zur Wirksamkeit von Therapieverfahren einen enormen Aufwand, um genau diese Fehlerquelle, nämlich die subjektiven Fehleinschätzungen (oder einfacher: die menschlichen Irrtümer) zu eliminieren.

Wenigstens genauso groß ist aber auch der Aufwand, den die Homöopathen betreiben, um ihre Anhänger, davon zu überzeugen, dass ihre fehlerbehafteten Wirksamkeitseinschätzungen die gleiche Aussagekraft haben, wie doppelt verblindete, mehrarmige Studien. Und das alles, um weiterhin, ohne jeden Skrupel, anekdotische Heilsberichte unter die Leute bringen zu können, ohne dafür geteert, gefedert und aus der Stadt gejagt zu werden. (Wir sollten uns öfters an diese leider ein wenig in Vergessenheit geratene Strategie im Umgang mit Quacksalbern und Scharlatanen erinnern!)

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07.05.2016 09:59 Uhr

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Teil 3)

Weiter geht´s mit den Gründen, warum bei den Nutzern und Therapeuten der Zuckerkugel der - falsche - Eindruck entsteht, dass Globuli wirken:

2. Die nächste Variante des homöopathischen Selbstbetrugs ist die „vorweggenommene Heilung“.
Regelmässig kann man in anekdotischen Heilsberichten lesen, dass bei einer drohenden Erkältung oder einem drohenden blauen Fleck, Belladonna oder Arnika (oder was auch immer) eingeworfen wurde, und erstaunlicherweise (oder besser, selbstverständlich) konnte der Ausbruch der Erkrankung oder die Entstehung des Hämatoms verhindert werden.
Nun ist es zwar niemandem gegeben, in die Zukunft zu schauen, also weiß auch kein Mensch, ob das leichte Halzkratzen sich tatsächlich zu einem grippalen Infekt entwickelt hätte, oder der unerwünschte Kontakt mit dem Spielplatzgrund zu einem veritablen Hämatom.
Aber dass das ängstlich Befürchtete dann doch nicht eingetroffen (das ist für Euch Anhänger der heilsamen Zuckerkugel so sicher, wie das Amen in der Kirche), das liegt auf jeden Fall an den Hexose-Kügelchen mit wegverdünnten Wirkstoffen.

3. Weiter geht´s im Trauerspiel der Ignoranz: Der nächste Mechanismus steht im engen Zusammenhang mit unserem oftmals viel zu kurzem Gedächtnis. Wenn wir Krankengeschichten genauer ansehen, und zwar dahingehend, welche Medikamente neben homöopathischen Arzneien sonst noch so eingenommen wurden, stellen wir fest, dass es üblicherweise die sind, die nach belegten Erkenntnissen die Ursache für Heilprozesse sind.
Diese wirksamen Medikament erledigen also die Arbeit. Dass parallel dazu (oder besser noch ein wenig später, nämlich dann, wenn die "schulmedizinischen Medikamente wirken) ein paar Belladonna-Globuli ohne Belladonna eingeworfen wurden, wird dann (erstaunlicherweise) als Nachweis für die Wirkung - nein, nicht der wirksamen Medikamente - sondern der Globuli angesehen.
Welchen Anteil dieser Mechanimus an den homöopathischen Heilsanekdoten hat, kann nur schätzen. Wesentlich ist allerdings, dass sich diese Form der homöopathischen Trittbrettfahrerei deutlich erhöht haben dürfte, seitdem die Homöopathie ihren vormals existierenden Anspruch, tatsächlich eine „Alternative“ zu sein, zugunsten des „integrativen“ Ansatzes aufgegeben hat. Das hat den großen Vorteil, dass man im Erfolgsfall behaupten kann, die Zuckerkügelchen hätten den wesentlichen Anteil am Heilsgeschehen, während dann, wenn´s mal nicht so toll läuft, der Sündenbock „böse Pharma, schlechte Chemie“ immer zur Hand ist.

Obwohl die Liste der Erklärungen für Unerklärbares noch lange nicht vollständig ist, will ich es bei einer letzten, der vierten Wirksamkeitserklärung, die, wie die anderen auch, ohne Globuli und geistartige Kräfte auskommt, belassen.

Weiter in Teil 4

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07.05.2016 01:28 Uhr

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Teil 2) Weiter geht´s!

Warum es Grund zur Sorge gibt, dafür sollten wir uns noch einmal die Ausgangssituation vergegenwärtigen:
"Homöopathische Arzneien" sind keine kausal wirksamen Medikamente.

Wenn der Herr Dr. Vonberg also "homöopathische Arzneinen" verordnet, dann gibt es zwei Möglichkeiten, dieses zu bewerten: Entweder weiß der Dr. Vonberg dass "homöopathische Arzneien" Placebos sind : dann handelt er gegen verbindliche ethischen Regeln, die im Zusammenhang mit Placebos gelten, weil er die Patienten nicht über die Tatsache aufklärt, dass "homöopathische Arzneien" eben nur Placebos sind. Das Bedenklich ist dabei, dass er seinen Patienten die Entscheidung über die Art ihrer Behandlung nimmt, weil diese üblicherweise davon ausgehen, mit wirksamen Arzneimittel behandelt zu werden - allerdings genau solche nicht bekommen.

Oder Dr. Vonberg weiß nicht, dass er Placebos verordnet, und wird damit zur tatsächlichen Gefahr für seine Patienten, weil er möglicherweise bei einer behandlungswürdigen Erkrankung unwirksame Medikamente einsetzt. In diesem Zusammenhang sei kurz an einen unmissverständlichen Hinweis der Bundesärztekammer erinnert: "Jeder Patient hat Anspruch darauf, mit nachweislich wirksamen Arzneimitteln behandelt zu werden..."

Im Artikel ist zu lesen, dass Dr. Vonberg zwar keine Ahnung hat warum, aber trotzdem von der Wirksamkeit homöopathischer Arzneien überzeugt ist. Damit fällt er in die Kategorie "Gefahr für den Patienten".

Dass er keine Ahnung hat, warum "homöopathische Arzneien" funktionieren, ist - hinsichtlich seiner Professionalität - übrigens wenigstens genau so schlimm, wie die Tatsache, dass er Mittel verordnet, von denen er nicht weiß, warum und wie sie wirken.

Viel bedenklicher ist aber noch, dass Herr Dr. Vonbwerg allerhöchsten ein paar Minuten recherchieren müsste, um für die vermeintliche Wirksamkeit der Globuli eine nicht geringe Zahl von Gründen geliefert zu bekommen, von denen die wichtigsten vier kurz genannt sein sollen:

1. Die überwiegende Zahl unserer Alltagserkrankungen gehören in die Kategorie „selbstlimitierende Erkrankungen“. Diese Erkrankungen heilen üblicherweise von allein aus, was zur Folge hat, dass jedes noch absurde Heilmittel, wenn es nicht gerade den Menschen umbringt, mehr oder weniger schnell einen „Heilerfolg“ produziert; zumindest in den Augen des Betrachters, der die im Grunde sinnlose Mitteleinnahme mittels bekanntem Trugschluss „cum hoc ergo propter hoc“ zur Ursache der „Heilung“ erklärt.

Der „cum hoc ergo propter hoc“ Trugschluss besteht darin, bei zeitlich miteinander verbundenen Ereignissen auch einen kausalen Zusammenhang anzunehmen: Weil ich frühmorgens zehn Verbeugungen gen Osten mache, und danach die Sonne aufgeht, bedeutet das noch lange nicht, dass der Sonnenaufgang nur dann stattfindet, wenn ich mich zehnmal verbeuge.

Weiter in Teil 3

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07.05.2016 00:19 Uhr

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Da 3000 Zeichen eindeutig zu wenige sind, um den Artikel angemesen zu kommentieren, erscheint der Kommentar in mehreren Teilen.

Teil 1)

Sehr geehrte Frau Berger, sehr geehrte Redaktion,

wo fange ich bloß an mit meinen Anmerkungen? Am einfachsten ist es wahrscheinlich, sich von oben nach unten durch den Text zu kämpfen, obwohl das fast schon eine Zumutung ist, ist doch erste Fehler schon im zweiten Satz zu finden:

Homöopathische Arzneien enthalten nur in den Tiefpotenzen (als solche, die Homöopathen als weniger wirksam ansehen) noch marginale Rest der Ursubstanz. Ab der Potenz D23 / C12 sind, das ergibt sich aus der Avogadro-Konstante, keine Wirkstoffe mehr enthalten. Allerdings wir noch deutlich höher potenziert (oder besser verdünnt), wobei man sich darüber im Klaren sein sollte, dass von den genannten Potenzen an nur noch Lösungsmittel mit Lösungsmittel verdünnt wird.
Das tatsächliche Problem besteht also nicht darin , dass nur noch kleinste Mengen einer pharmakologisch wirksamen Substanz zu finden sind, sondern dass überhaupt keine Mengen der Ausgangssubstanz mehr vorhanden sind.

Diese Regel gilt allerdings nicht für eine bestimmte Gruppe "homöopathischer Arzneien", den Imponderabilien. Zu diesen zählen solche extraordinären Zubereitungen wie Elektrizität, Vakuum, Magnetismus, Sonnen- und Mondlicht, und auch mein besonderer Favorit: "Schwarzes Loch". Bei diesen "Arzneien" liegt überhaupt keine Ursubstanz vor, somit ist auch nichts zu verdünnen. Die Homöopathen machen es trotzdem, warum auch immer.
Was "Schwarzes Loch" (oder Cygnus X1) zu meinem Favoriten macht, ist die Gewinnung der "Arznei":
Die erfolgt nämlich, in dem man einen Flachmann mit einem hochprozentigen Brand am Okular eines Teleskops befestigt , dieses Teleskop in Richtung eines vermuteten scharzen Lochs ausrichtet, und dann wartet, bis der Sprit mit schwarzem Loch gesättigt ist. Die Weiterverarbeitung erfolgt gemäß Homöopathischem Arzneibuch. (Nur der Ordnung halber: Nein, das ist keine Satire!).

Verlieren wir noch ein Wort zu den homöopathischen Grundstoffen: In der Homöopathie ist alles Arznei, was der Homöopath dafür hält. Das Spektrum reicht vom reinen chemischen Element, über isolierte chemische Verbindungen, bis zum wildesten Stoffgemisch, in dem das halbe Periodensystem vertreten ist. Dass ein erheblicher Teil dieser Substanzen giftig ist, sei nur am Rande erwähnt.
Der Mythos vom Naturheilmiitel auf Zucker ist eine Illusion. Tatsächliche Pflanzenwirkstoffe, also Phytotherapeutika, stellen lediglich einen Bruchteil der angewendeten Ursubstanzen. Allerdings scheitern solche pharmakologisch wuirksamen Pflanzenheilmittel durchweg am Simile-Prinzip, sie sind ein schlichter homöopathischer Etikettenschwindel.

Kommen wir nun, obwohl es schon knapp wird mit den Zeichen, zu Dr. Vonberg und dessen stark frequentierte Praxis. Der Andrang sei ihm grundsätzlich gegönnt, der Grund dafür gibt Anlass zur Sorge.

Weiter in Teil 2

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06.05.2016 18:03 Uhr

Unwissenschaftlichkeit der Kritik

"Was mich an der Kritik am meisten ärgert, ist die Unwissenschaftlichkeit", sagt Vonberg. "Wenn ich sehe, dass etwas wirkt, dann suche ich doch nach einer Erklärung."

Ich finde es schon ein starkes Stück, wenn jemand, der daran glaubt, dass ein Wirkstoff in vollkommener Abwesenheit eine chemische Wirkung entfalten kann, denjenigen, die genau daran Kritik äußern, Unwissenschaftlichkeit vorwirft - im gleichen Atemzug aber implizit sagt, er verlasse sich auf eine "Wirksamkeit", von der er auch nicht wisse, woher sie käme.

Die angeblichen Wirkprinzipien der Homöopathie sind keine. Die subjektive Wahrnehmung der Beschwerden ändert sich und gleichzeitig tritt ohnehin in den weitaus meisten Fällen eine Besserung von ganz allein ein. Diese Effekte sind wissenschaftlich (!) vielfach bestätigt und es braucht kein Achselzucken eines Homöopathen, um diesen gesicherten Erkenntnissen auch noch ein "wir wissen aber nicht, warum" hinzuzufügen.

Was ist daran unwissenschaftlich einen Effekt anzuzweifeln, den die Homöopathen unterstellen, der aber durch tägliche millionenfache Beobachtung widerlegt wird, nämlich, dass eine Substanz in Abwesenheit keine Wechselwirkungen erzeugen kann?
Ach ja - die Homöopathen sind da viel wissenschaftlicher aufgestellt. Sie erklären ihre falsche Hypothese mit einer spukhaften Wirkung, die dadurch erzeugt wird, dass der Stoff in Wasser oder Alkohol 1:10 oder 1:100 verdünnt, dann gegen einen weichen Gegenstand (Ledersattel) in Richtung der Erdmitte geschlagen wird, das ganze i.d.R. 6 bis 2000 Mal.

Ist es unwissenschaftlich zu hinterfragen, wieso eigentlich nur die Urtinktur potenziert wird, nicht aber andere Moleküle, die noch im Wasser oder an den Gefäßrändern sind?

Ist es unwissenschaftlich eine Erklärung einzufordern, wieso sich Wasser eigentlich genau an die Eigenschaften eines Stoffes "erinnern" soll, die mir als Homöopath gerade recht sind?

Ist es unwissenschaftlich eine Erklärung einzufordern, wieso eigentlich diese "Erinnnerung" auch noch auf Zuckerkugeln übergehen soll, wenn das Wasser, das sich "erinnert", doch dort verdunstet ist?

Unwissenschaftlich arbeitet, wer an all diesen Hokuspokus glaubt und auch noch die Gesundheit seiner Patienten dadurch aufs Spiel setzt, sich darauf zu verlassen, dass eine Wirkung eintritt. Das gesamte homöopathische Glaubensgebilde mag vor 200 Jahren, als man noch zur Ader ließ und Kranke mit Schwermetallen vergiftete, verständlich gewesen sein. Aus heutiger sich ist und bleibt es Quacksalberei, ein reines Luftschloss.

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06.05.2016 12:08 Uhr

Wieder einmal ein komplett unhinterfragter Werbebeitrag für die Homöopathie

Leider steht in dem Artikel sehr viel Falsches; niemand hat sich die Mühe gemacht, die Behauptungen von Dr. Vonberg einmal zu überprüfen. Falschinformation von Patienten wird so leider billigend in Kauf genommen.

1) Die Kritik an der Homöopathie ist keineswegs unwissenschaftlich. Im Gegenteil wird sie von Naturwissenschaftlern, Ärzten und Verbraucherschützern getragen. Die Annahme, dass Globuli mehr sind als Placebos widerspricht unserem naturwissenschaftlichen, sich täglich bewährenden Wissen und konnte im Gesamtbild von knapp 200 klinischen Studien nicht gestützt werden.
Ergänzt wird dieses Bild durch Studien, die nachweisen, dass die besondere Gesprächssituation zwischen Arzt und Patient dem Patienten helfen kann. Sie ist vertrauensvoll und nimmt dem Patienten die Angst.

Entsprechend äußern sich inzwischen auch seriösere Vetreter der Homöopatie. So schreibt zum Beispiel Klaus Linde in der von Ihnen im Artikel sehr missverständlich beschriebenen Untersuchung der Bertelsmann-Stiftung von 2014 explizit:

"Da die Wirksamkeit homöopathischer Arzneimittel bisher nicht wissenschaftlich bewiesen werden konnte, könnten sich weitere Untersuchungen intensiver der Bedeutung widmen, die die Hinwendung des Arztes und der Faktor »Zeit für den Patienten« in Bezug auf den Heilerfolg haben. Wünschenswert wäre in jedem Fall, dass das Arzt ­Patienten ­Gespräch auch in der medizinischen Ausbildung einen bedeutenderen Platz einnähme, als das derzeit der Fall ist."

Ähnlich äußern sich auch Prof. Claudia Witt oder Prof. N. Schmacke. Ein Ergebnis der Bertelsmann-Untersuchung ist dann auch, dass sogar die Patienten die Gesprächssituation als wichtiger bewerten als die Globuli. Davon steht bei Ihnen leider nichts.

2) Dr. Vonberg liefert hier eine wirklich traurig zu nennende falsche Beschreibung von Placeboeffekten, die zeigt, wie sehr man Patienten doch falsch informieren muss, um den Mythos der wirksamen Globuli aufrecht zu erhalten.

Tatsächlich macht der eigentliche Placeboeffekt nur einen Teil aller unspezifischen (also nicht gerichteten) Behandlungseffekte aus. Weit wichtiger für erlebte Besserungen ist der Faktor Zeit über die natürlichen Krankheitsverläufe und die Regression zur Mitte. Über monatelange Behandlungen verändern sich Beschwerden immer - und sei es nur, dass der Patient lernt, sich mit den Beschwerden zu arrangieren und diese deshalb anders "empfindet".

Und dass ein Kind auf einen charismatischen Arzt, der es anlächelt und ihm auch noch was Süßes zuschiebt, spontan reagieren kann, das sollte eigentlich keine Eltern überraschen.

Die Gefahr der Homöopathie besteht darin, sie über die verbreiteten Werbesprüche zu überschätzen. Placebos hören auf, harmlos zu sein, wenn man sie - wie in Ihrem Artikel - für Krebs empfiehlt statt für Kopfschmerzen. Übernehmen Sie denn auch die Verantwortung, wenn sich auf Ihren Artikel hin, Krebspatienten von echter Therapie abwenden? Wenn nein, sollten Sie so auch nicht werben...

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