Das Werk des Künstlerpfarrers

|

Dunkelgraue Wolken hängen am Dreikönigssonntag über dem Land. Trist ists auch in Rosenberg. Hingucker sind die Sternsinger - dort sogar komfortabel im Auto unterwegs - und das Sieger-Köder-Zentrum, das dort seit Juni 2011 augenfällig an der Hauptstraße gegenüber dem Rathaus und der Kirche steht.

Große Bildtafeln im Museumsgarten ziehen die Blicke auf sich. Dort leuchten tiefes Himmelblau, sattes Grasgrün und blutiges Rot gegen die Tristesse an. Wer durch die aus Beton gestaltete Umfriedung in den sogenannten Bibelgarten tritt, fühlt sich wie in einer anderen Welt. Der Kontrast - Dorf bei Schmuddelwetter und künstlerisch gestalteter Garten samt Museum - ist enorm. Die acht Bildtafeln - gestaltet vom früheren Rosenberger Pfarrer Sieger Köder (88) und vom Stimpfacher Künstler Rudolf Kurz - stimmen die Besucher ein: Die in opulenten Farben gemalten Landschaften verdrängen das graue Einerlei und rühren tief an. Und die filigranen Landschaften von Kurz scheinen von Licht durchflutet zu sein.

Zwischen 1975 und 1995 wirkte Köder als Pfarrer in Rosenberg und Hohenberg. Zuvor hatte er als Kunstlehrer gearbeitet, dann als Spätberufener katholische Theologie studiert. Unzählige Werke hat Köder als Pfarrer in Rosenberg geschaffen. Ihm zu Ehren hat die bürgerliche Gemeinde das Zentrum gebaut. 1,3 Millionen Euro wurden investiert, eine gute halbe Million Euro gabs vom Land als Zuschuss. Ungewöhnlich, dass eine bürgerliche Gemeinde solch ein Projekt initiiert und finanziert. Doch im Gespräch mit zwei Rosenbergern, die im Museum die Gäste betreuen, wird klar, warum. Sowohl Konrad Stegmaier (er ist vor 17 Jahren von Bühlerzell nach Rosenberg gezogen) als auch Schwester Friedlinde sprechen mit Zuneigung und Respekt von ihrem Pfarrer. Beide gehören zum 40-köpfigen Kreis der Ehrenamtlichen, die den Betrieb des Zentrums sicherstellen. Stegmaier und Schwester Friedlinde erläutern den Besuchern Köders Person und Arbeit. Sie erzählen auch von den Krippelesfrauen - Frauen aus Rosenberg, die bei regelmäßigen Treffen mit dem Künstler Krippen bauen - und von der unermüdlichen Schaffenskraft des kauzigen Nachtmenschen Köder.

Wenige Kilometer weiter, in Ellwangen, stellt seit Mai 2011 eine kirchliche Stiftung Werke im Sieger-Köder-Museum aus. Rund 150 Arbeiten sind in den Räumen der ehemaligen Entbindungsklinik auf 670 Quadratmetern zu sehen. Dort können Besucher auf Augenhöhe die Originale betrachten. Gäste kommen aus dem In- und Ausland, berichtet Willibald Bezler, Initiator des Museums, besonders viele Anhänger habe Sieger Köder in Augsburg, Ulm und Schwäbisch Hall.

Von den Bildern Köders gehe eine Energie aus, die Menschen berühre, hat der Kirchenmusiker Willibald Bezler beobachtet. "In welchem Museum stehen Menschen mit Tränen in den Augen vor den Bildern?", fragt er. Sieger Köder gelinge es, über seine Kunst darzustellen, dass hinter dem Offensichtlichen eine göttliche Macht wirke.

Noch kein Kommentar

Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar

noch 3000 Zeichen
Mit Ihrem Kommentar akzeptieren Sie unsere Netiquette

Für registrierte Nutzer

Melden Sie sich an und schicken Sie Ihren Kommentar ab:

Für noch nicht registrierte Nutzer

Registrieren Sie sich kostenlos, um Ihren Kommentar abzuschicken:

Ich bin damit einverstanden, dass die Neue Pressegesellschaft mbH & Co. KG und ihre Tochterunternehmen mich schriftlich (per E-Mail oder Brief) oder telefonisch über ihre Medienangebote und kostenlose Veranstaltungen informieren dürfen. Meine Daten dürfen zu diesem Zweck gemäß den Bestimmungen des BDSG gespeichert, verarbeitet und genutzt werden. Die Einwilligung kann ich jederzeit widerrufen.
Ich bin mit den Datenschutzbestimmungen einverstanden. *

Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:

neu laden
Content Management by InterRed GmbH Logo
weiter zur Startseite

Dauerbaustelle Kirche

Kirchen: Reformation ist immer. Deshalb sollen die Luther'schen These fortgeschrieben werden, und zwar an einem Bauzaun vor der Johanneskirche. weiter lesen