Das Wasser des Lebens gibt es umsonst

Gedanken zum Sonntag von Pfarrer Stefan Brender, Pfarramt der Kirchengemeinden Wallhausen und Schainbach

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Durst nach Leben - wenn wir den haben, dann bejahen wir das Leben und wollen es so richtig auskosten. Aber womit wird er gestillt, der Durst nach einem ausgefüllten und reichen Leben?

Jesus ist auf der Durchreise. Er macht halt an einem Brunnen - müde und erschöpft. Da kommt eine samaritanische Frau an den Brunnen. Sie hat einen Krug bei sich, um Wasser zu schöpfen. Jesus beginnt ein Gespräch mit ihr und bittet sie um etwas zu trinken. Die Frau ist verwundert: "Wie kannst du mich um etwas zu trinken bitten? Du bist doch ein Jude, und ich bin eine Samaritanerin!" Zwischen Juden und Samaritanern herrschte damals eine über die Jahrhunderte entstandene Feindschaft.

Doch Jesus interessiert das herzlich wenig. Er sieht in der Frau nicht in erster Linie eine Samaritanerin, sondern einen wertvollen Menschen, der den Wunsch nach einem gelingenden Leben in sich trägt. Deshalb setzt er das Gespräch fort: "Wenn du wüsstest, wer es ist, der zu dir sagt: Gib mir zu trinken, dann hättest du ihn gebeten, und er hätte dir Quellwasser gegeben, lebendiges Wasser." Die Wahrheit ist: Nicht Jesus verlangt etwas von der Frau, sondern die Frau braucht etwas von Jesus. "Lebendiges Wasser" möchte er ihr geben. Kein gewöhnliches Trinkwasser aus dem Brunnen, sondern ein Wasser, das den viel tieferen Durst nach Leben stillen kann.

Die Frau kommt bei brütender Mittagshitze alleine zum Brunnen. Sie scheut die Begegnung mit anderen, die morgens oder abends Wasser holen gehen. Doch was hat sie zu verbergen? Jesus bringt es zur Sprache. "Geh und rufe deinen Mann!", fordert er die Frau auf. "Ich habe keinen Mann", sagt die Frau. "Das stimmt", erwidert Jesus, "Du hast keinen Mann. Fünf Männer hast du gehabt, und der, den du jetzt hast, ist nicht dein Mann." Jesus legt den Finger in die wunde Stelle. Auf der Suche nach Glück ist die Frau von Mann zu Mann gewandert. Nun lebt sie - nach fünf gescheiterten Ehen - mit einem Mann unehelich zusammen. In dieser misslichen Lebenslage meidet sie den Kontakt zu anderen, da sie in der damaligen Gesellschaft nicht bloßgestellt werden möchte. So bleibt sie mit ihrer Sehnsucht nach Leben allein.

Jesus sieht ihren Durst nach einem gelingenden und erfüllten Leben. Deshalb spricht er ihr gegenüber von dem lebendigen Wasser, das den Lebensdurst ein für alle Mal stillen kann: "Wer von dem Wasser trinkt, das ich ihm geben werde, wird niemals mehr durstig sein."

Die Frau merkt, dass Jesus ihr Antworten auf ihre Fragen geben kann - auch auf ihre religiösen Fragen. Schließlich sagt sie: "Ich weiß, dass der Messias kommen wird. Wenn er kommt, wird er uns alle diese Dinge erklären." Daraufhin sagt Jesus zu ihr: "Du sprichst mit ihm; ich bin es." Nun fällt bei der Samaritanerin der Groschen. Die Frau lässt ihren Wasserkrug am Brunnen stehen. Den braucht sie vorerst nicht mehr, denn sie hat erkannt, dass es hier um weit mehr geht als um Trinkwasser. Sie geht in den Ort, aus dem sie kommt, und erzählt den Leuten, was sie erlebt hat. Sie scheut die Begegnung nicht mehr, sie hat erfülltes Leben gekostet und neuen Mut getankt.

Die Begegnung mit Jesus bleibt für die samaritanische Frau nicht folgenlos. Aber auch uns heute lädt Jesus ein, zu ihm zu kommen mit unserem Lebensdurst. Er sagt: "Wer Durst hat, der komme! Wer will, trinke vom Wasser des Lebens; er bekommt es umsonst."

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