Das Sparschwein ist fast leer: Schulden sollen auf 2,7 Millionen Euro anwachsen

"In diesem Jahr müssen wir bluten", sagt der Langenburger Bürgermeister Wolfgang Class, wenn er auf den Haushaltsplan 2015 blickt. Um den Etat auszugleichen, muss sich die Stadt ganz erheblich verschulden.

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Vom Hofratshaus bis zum ehemaligen Terex-Areal reicht das Sanierungsgebiet »Altstadtbereich«. Für die energetische Sanierung gibt es eine besondere Förderung. Bei einer Fragebogenaktion sind heute Mitarbeiter der Wüstenrot Haus- und Städtebau GmbH unterwegs, um mit den Hauseigentümern zu sprechen. Foto: Erwin Zoll

Im Verwaltungshaushalt klafft ein Loch von 765.000 Euro, das mit Geld aus dem Vermögenshaushalt, das eigentlich für Investitionen verwendet werden sollte, gestopft werden muss. Eine Ursache dafür ist das Haushaltsjahr 2013, in dem Langenburg erneut hohe Einnahmen erzielt hat, sodass die Zuweisungen in diesem Jahr auf niedrigem Niveau verharren. Gleichzeitig muss die Stadt mit einem deutlichen Rückgang der Gewerbesteuereinnahmen rechnen - 250.000 Euro fehlen an dieser Stelle im Vergleich zum Vorjahr.

Das städtische Sparschwein ist fast leer. Schon im vergangenen Jahr sind die Rücklagen auf den vorgeschriebenen Mindestbetrag abgeschmolzen, sodass Kämmerer Florian Dollmann nicht mehr darauf zurückgreifen kann. So bleibt ihm nur der Gang zur Bank.

Eine gute Million Euro muss Langenburg in diesem Jahr an Krediten voraussichtlich aufnehmen. Im Gegenzug werden etwas mehr als 100.000 Euro getilgt, sodass die Schulden bis Ende des Jahres um über 900.000 Euro auf 2,7 Millionen anwachsen werden - wenn alle Kredite aufgenommen werden müssen. Das ist allerdings weit von dem Schuldenstand entfernt, den die Stadt mit weit über vier Millionen Euro im Jahr 2001 erreicht hatte. Seitdem hat sie ihre Schulden kontinuierlich abgetragen.

Die Pro-Kopf-Verschuldung soll bis Ende des Jahres um 523 Euro auf 1575 steigen. Die Schulden, die im Haushaltsplan ausgewiesen sind, sind jedoch nicht die einzigen. Weitere 1,4 Millionen Euro gehen im Augenblick auf das Konto der Wasserversorgung, die als kommunaler Eigenbetrieb geführt wird. Sie sollen bis Ende dieses Jahres auf etwas über 1,3 Millionen Euro abgebaut werden.

"Der Handlungsspielraum ist in diesem Jahr stark eingeschränkt", erklärte Wolfgang Class bei einer gemeinsamen Sitzung des Gemeinderats, des Werksausschusses und des Bächlinger Ortschaftsrats, bei der der Haushaltsplan einstimmig beschlossen wurde. Dieser reduzierte Handlungsspielraum zeigt sich darin, dass es in diesem Jahr nur zwei wesentliche Investitionen gibt. Zum einen stehen 400.000 Euro als erste Rate für die Sanierung von Abwasserkanälen in Langenburg südlich der Hauptstraße zur Verfügung. Dafür wird ein Zuschuss von 320.000 Euro erwartet. Bis 2017 will die Stadt 1,2 Millionen Euro in die Kanalsanierung im Hauptort investieren.

Zum anderen stehen 60.000 Euro für Maßnahmen im Sanierungsgebiet "Altstadtbereich" zur Verfügung; ein Zuschuss von 36.000 Euro ist eingeplant. Das Sanierungsgebiet umfasst fast die gesamte Innenstadt, für die derzeit ein "integriertes Quartierskonzept" ausgearbeitet wird. Gleichzeitig sollen in diesem Gebiet energetische Sanierungen gefördert werden.

Zahlen aus dem Haushaltplan der Stadt Langenburg

Das Gesamtvolumen des Etats beträgt 6,8 Millionen Euro; es fällt damit um knapp ein Viertel geringer aus als im Vorjahr, als es noch neun Millionen Euro betrug. Auf den Verwaltungshaus, mit dem die laufenden Ausgaben bestritten werden, entfallen 5,3 Millionen Euro (Vorjahr 6,3 Millionen Euro), auf den Vermögenshaushalt, in dem die Investitionen eingeplant sind, 1,5 Millionen Euro (2,7 Millionen Euro).

Unter den Einnahmen ragt der Anteil an der Einkommenssteuer mit 757.000 Euro heraus; er soll sich gegenüber 2014 um 1,5 Prozent erhöhen. An Gewerbesteuer sind mit 750.000 Euro 250.000 Euro weniger eingeplant als im Vorjahr. Die Schlüsselzuweisung bleibt mit 84.000 Euro bescheiden (2014: 78.000 Euro). An Zuschüssen für Investitionen werden 356.000 Euro erwartet (Vorjahr: 470.000 Euro).

Die Personalausgaben steigen auf eine Million Euro an, die Sachkosten auf 2,2 Millionen Euro. In beiden Fällen ist das eine Steigerung um vier Prozent. Die Finanzausgleichsumlage, die an das Land zu zahlen ist, sinkt um 49 Prozent auf 632.000 Euro, die Kreisumlage um 37 Prozent auf 886.000 Euro. Für Baumaßnahmen sind im Haushaltsplan 555.000 Euro bereitgestellt, 2014 waren es noch 925.000 Euro.

ERZ

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