Das ist doch zum Lachen

Gedanken zum Sonntag von Pastoralreferent Wolfram Kaier, diakonischer Seelsorger der katholischen Gesamtkirchengemeinde Hall

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Auf einem Esel, dem Reittier der Armen, zog Jesus in Jerusalem ein und ließ sich als Sohn Davids feiern.  Foto: 

Es soll noch immer Christen geben, die darauf beharren, Jesus habe nie gelacht. Das ist an sich schon witzig. Im Evangelium - was übersetzt immerhin so viel wie "frohe Botschaft" heißt - gibt es genügend humorvolle Geschichten, über die man herzlich lachen kann. Wie hat Jesus wohl dreingeschaut, als er bei der Hochzeit von Kana den Gastgeber dabei beobachtete, wie dieser den Inhalt der Wasserkrüge kostet und feststellt, dass der besser schmeckt als sein eigener Hochzeitswein. Konnte seine Miene da ernst bleiben? Oder wie sich seine eifrigen Schüler aufregten, als eine Frau seine Füße mit teurem Salböl einrieb? Oder sollte er keine Freudentränen gelacht haben, als seine Anhänger bereit waren, ihr Vesper zu teilen anstatt Lebensmittel zu kaufen und eine große Menschenmenge davon satt wurde?

Natürlich hat Jesus nicht immer gelacht; er war ein Mensch wie wir. Und wenn er Grund dazu hatte, weinte er auch bitterlich. Aber seine Grundstimmung war humorvoll, sonst hätte er nicht solche optimistischen Geschichten von einer heilen Welt erzählen können. Und darin war er ein Meister. Immer wieder hat er dabei die festgefügte Weltsicht seiner Zuhörer aufs Korn genommen. Nicht, um sie lächerlich zu machen, sondern damit sie darüber und über sich selber lachen konnten.

Zum Beispiel all jene, die davon überzeugt waren, dass ein Patriarch seinen Sohn bestrafen muss, wenn er unbotmäßig die geltenden Regeln in den Wind schlägt. Sonst hätten wir nie diese wundervolle Geschichte vom barmherzigen Vater gehört, der bekanntlich für seinen heimkehrenden Sohn ein Freudenfest ausrichten lässt, nachdem er das väterliche Erbe auf nichtsnutzige Weise durchgebracht hatte.

Wenn wir so locker werden, dass wir auch über uns selber und über unsere Überzeugungen lachen können, werden wir menschlich. Die Leute damals haben sich nach einem starken König gesehnt, der die verhassten Römer aus dem Land vertreibt. Und was tut Jesus? Er veranstaltet mit seinen Anhängern ein großartiges Spektakel. Auf einem Esel reitet er in die Hauptstadt Jerusalem ein und lässt sich von seinen Jüngern als neuen Sohn Davids feiern - ihn, den Wehrlosen auf dem Reittier der Armen. Zum Lachen. Lachen kann befreien, mehr als das verbissene Bekämpfen verbohrter Meinungen.

Es ist lächerlich, wenn Menschen den Untergang des Abendlandes ausrufen, nur weil unser reiches Land Menschen hilft, die sich vor Krieg und Hunger in Sicherheit bringen. Und man kann es eigentlich nicht wirklich ernst nehmen, wenn Politikerinnen an der Grenze auf Frauen und Kinder schießen lassen wollen. Da wäre es angebrachter, über so viel Dummheit herzlich zu lachen, um sie auf diese Weise friedlich aus der Welt zu entlassen.

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