Das Gebet ist kein reines Wunschkonzert

Gedanken zum Gebetssonntag Rogate von Professorin Dr. Kirsten Huxel, Pfarrerin der evangelischen Kirchengemeinde Satteldorf.

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Im Gebet, so die Satteldorfer Pfarrerin Huxel, geht es nicht darum, unsere Wünsche an Gott heranzutragen oder ihn gar zu etwas zu zwingen. In der Hinwendung zu Gott sollen wir vielmehr seinen Willen erkennen. Foto: Thumilan Selvakumaran

Beten ist eine intime Angelegenheit. Darum gibt es mit einem gewissen Recht auch eine Scheu, öffentlich zu beten. Wir beobachten es im Restaurant, wenn Einzelne ihren Kopf vor dem Essen kurz nach unten senken und mit unbewegten Lippen ein stilles Gebet zum Himmel schicken. Fast wirkt es ein wenig verschämt, als ob keiner der Anwesenden es merken sollte.

Und doch ist es nicht als mangelnde christliche Zeugnisbereitschaft gemeint, sondern als Achtung des Gebots Jesu, beim Beten kein lautstarkes Gepränge zu veranstalten. Beten eignet sich am allerwenigsten zum Protzen, weil es ein Werk ist, das wir vor Gott vollziehen. In der Bergpredigt hat Jesus gelehrt, dass Beten nicht zu heuchlerischem Prahlen und heidnischem Plappern verkommen soll.

Nicht derjenige betet am besten, der am längsten spricht. Nicht dasjenige Gebet ist am wirkungsvollsten, das die Rede des Herzens am wortreichsten nach außen trägt. Sondern angemessen ist es, wenn wir im Gebet schlicht, einfach und konzentriert das sagen, was eben zu sagen ist. Wir tragen unseren Dank und unsere Bitten vor, und dann schweigen wir auch wieder im Vertrauen auf Jesu Wort (Matthäus 6,8): "Euer Vater weiß, was ihr bedürft, bevor ihr ihn bittet."

Diese Erkenntnis kann eine große Entlastung sein. Kommt es doch immer wieder vor, dass wir keine rechten Worte finden. Wir spüren, dass uns jetzt nur noch Beten helfen kann und finden doch nicht den Weg dazu. Wir können nicht beten. Allenfalls nur einen kurzen Gedanken zum Himmel schicken. Da ist es ein großer Trost, an Jesu Worte zu denken.

Gott kennt uns besser als wir selbst. Er weiß schon den ganzen Weg voraus, den wir erst noch gehen müssen. Wie sollte er da nicht wissen, was wir gerade bedürfen? Wie sollte er uns da nicht hören können, auch wenn unser Mund starr und stumm ist vor Leere und Hoffnungslosigkeit? Gottes Gnade ist all unseren Werken voraus. Wir müssen uns ihn nicht erst durch unser Gebet gnädig stimmen. Nicht wir kehren den Willen Gottes um, sondern wir selbst kehren uns im Gebet Gott zu, von dem wir uns allzu oft abgewendet haben. Nicht wir beschwatzen Gott und versuchen ihn zu etwas zu überreden.

Das Gebet ist mitnichten dazu da, um Gott zu gängeln oder gar zwingen zu wollen. Das würde den lebendigen Gott wie einen Götzen behandeln. Das heidnische Gebet will sich Gott mit Lippenopfern gewogen machen. Das Gebet im Geiste Christi will etwas völlig anderes: Es will den verborgenen Willen des lebendigen Gottes aufsuchen, um in ihn einzustimmen. In diesem Geist geschieht das Gebet, das Jesus im Garten Gethsemane vollzieht. So steht es auch im Vaterunser: "Dein Wille geschehe wie im Himmel so auf Erden."

Wer im Namen Christi betet, versteht sein Gebet nicht als reines Wunschkonzert. Der will mit der ein oder anderen kindischen, egoistischen Bitte Gott lieber nicht in den Ohren liegen. Wir haben ja keinen Schönwettergott. Und wir wollen auch keine Schönwetterchristen sein. Sondern wir wollen auch und gerade in unseren Gebeten Gott ernst nehmen als den Herrn der Geschichte. Jesus hat gewusst, dass wir das Beten allzu leicht missverstehen können. Darum hat er uns das Vaterunser gelehrt. In seinen sieben Bitten liegt alles beschlossen, um was wir getrost unsern himmlischen Vater bitten dürfen.

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