Crailsheim verliert Kripo, Schwäbisch Hall bisherige Polizeidirektion

Der Kreis Schwäbisch Hall verliert die Polizeidirektion. Künftig bildet er eine Einheit mit Rems-Murr- und Ostalbkreis. Sitz des Präsidiums wird Aalen. Hoffnung besteht auf eine Verkehrspolizeidirektion in Hall.

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Der Zuständigkeitsbereich des neuen Polizeipräsidiums Aalen umfasst die Landkreise Rems-Murr, Ostalb und Hall. Die Kripo hat ihr Hauptquartier in Waiblingen, in Hall hofft man auf die Verkehrspolizei-Direktion. Grafik: Polizei / Thumi

Lange Monate bestimmte die von der grün-roten Landesregierung geplante Polizeistrukturreform die Debatte im Land. Auch im Kreis kochten die Emotionen hoch. Ministerpräsident Winfried Kretschmann und Innenminister Reinhold Gall stellten das Konzept gestern in Stuttgart vor. Die wichtigste Information für den Landkreis: Schwäbisch Hall wird nicht Sitz eines Polizeipräsidiums. Er wird auch nicht dem Großraum Heilbronn zugeordnet. Vielmehr bilden die Kreise Schwäbisch Hall, Ostalb und Rems-Murr künftig eine Einheit. Sitz des Polizeipräsidiums wird Aalen.

Unverändert bleiben im Landkreis die sieben Polizeiposten sowie die Autobahnpolizei in Kirchberg. Crailsheim verliert die Kriminalaußenstelle, Schwäbisch Hall die Polizeidirektion. Konkret: In Crailsheim gibt es künftig keine Kriminalpolizei mehr. Die Dienststelle in Hall wird auf maximal 15 Beamte (derzeit 45) reduziert. Allerdings: In Schwäbisch Hall soll die neue Verkehrspolizeidirektion angesiedelt werden, die für das gesamte Präsidium zuständig sein wird. Das kündigt der Haller SPD-Landtagsabgeordnete Nikolaos Sakellariou an. In der offiziellen Mitteilung des Staatsministeriums heißt es allerdings: "Die Standorte der künftigen Verkehrspolizeidirektionen sind noch weitgehend offen".

Sakellariou, Polizeisprecher seiner Fraktion, ist mit der Entscheidung der Landesregierung zufrieden: "Ich meine, die Region ist gut bedient." Alle Posten und Reviere blieben erhalten und würden ausgebaut. Alle zuvor aufgebauten "Horrorszenarien" seien nicht eingetreten. Waiblingen, Aalen, Schwäbisch Hall, das sei "ein richtig schönes Dreieck".

Mit der Reform kann auch Halls Oberbürgermeister Hermann-Josef Pelgrim leben. "Es scheint eine Lösung zu sein, die den ländlichen Raum zumindest nicht schwächt", meint der Sozialdemokrat. In Fragen der Polizeidirektion Verkehr habe er "eine deutliche Erwartungshaltung", dass Hall Standort werde. In Sachen Kriminalpolizei wünscht sich der OB, dass das letzte Wort noch nicht gesprochen ist. Die Distanzen seien "beeindruckend". Ergo: Man brauche mehr als die derzeit geplanten 15 Kriminalpolizisten in Hall.

Ähnlich sieht es auch Günther Freisleben. "Ich will nicht immer das Extrembeispiel Schrozberg bringen", meint der Leiter der Polizeidirektion in Schwäbisch Hall in einer ersten Reaktion. Doch die Distanz für den Kriminaldauerdienst aus Waiblingen betrage dorthin mehr als 100 Kilometer. Die Entscheidung, Aalen zum Präsidiumsitz zu küren, ist für Freisleben "eine Überraschung".

Er selbst ist gestern um 11.59 Uhr, eine Minute vor Beginn der Pressekonferenz in Stuttgart, unterrichtet worden. Nun werde er versuchen, "nach vorne" zu schauen. Freisleben erkennt an, dass es beim Zuschnitt der Präsidien gelungen ist, "keine allzu großen Räume" entstehen zu lassen. Die Frage sei, ob dabei auch "kriminalgeografische Zusammenhänge" berücksichtigt worden seien.

Kein gutes Haar an der Reform lässt hingegen Helmut W. Rüeck. Der CDU-Landtagsabgeordnete aus Crailsheim spricht von "einem Schlag ins Gesicht des ländlichen Raums". Sakellarious "Verharmlosungspolitik" sei entlarvend. Der Haller Sozialdemokrat habe sich nicht für den Erhalt der Standorte Hall und Crailsheim eingesetzt. "Statt einer Politik des Gehörtwerdens wird hier eine Bastapolitik betrieben", schimpft Rüeck.

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