Clever planen für die Zukunft

Das Feuerwehrmagazin in Stimpfach hat bald ausgedient. 2020 könnte Baubeginn für das neue Magazin sein - die Frage ist nur wo?

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    Das Feuerwehrgerätehaus hinter dem Rathaus in Stimpfach hat bald ausgedient – das steht fest. 2020 könnte Baubeginn für das neue Magazin sein. Foto: 
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Konzept zur Ausstattung und Struktur der freiwilligen Feuerwehr in der Gemeinde Stimpfach“ – damit ist das überschrieben, ­womit sich die Feuerwehr „seit langer Zeit“ beschäftigt, wie Matthias Strobel sagt. Das Konzept soll, so wünscht es sich der Bürgermeister, „die Zukunftsfähigkeit abbilden“.

Im Wahlkampf vor seiner Wiederwahl Ende 2015 machte Strobel keinen Hehl daraus, dass sich die Feuerwehr anders aufstellen müsse. Wahrscheinlich hat ihn das, was von den Abteilungen Stimpfach, Weipertshofen und Rechenberg gemeinsam erarbeitet und vom stellvertretenden Gesamtkommandanten Wolfgang Schmid in der Gemeinderatssitzung am Montag präsentiert wurde, nicht überzeugt. Doch Strobel hielt sich zurück, es sprachen andere.

Eine große Herausforderung

Das zehnseitige Konzept geht von drei Abteilungen und zwei strategisch wichtigen Standorten aus: Stimpfach und Weipertshofen. Dabei sieht es den Neubau eines Magazins in Stimpfach vor, in dem die Fahrzeuge der Gerätehäuser Stimpfach und Rechenberg Platz finden. Das in Stimpf­ach ist schon jetzt zu klein fürs neue Fahrzeug. Das in Rechenberg soll übrigens weiter für die Feuerwehrangehörigen und die Dorfgemeinschaft zur Verfügung stehen. Dies ist allein schon dem Umstand geschuldet, dass es vor rund 25 Jahren überhaupt erst durch viel Eigenleistungen entstehen konnte.

Was für den Standort Stimpf­ach spricht: Dort sind die meisten der Aktiven, Ende 2016 waren es insgesamt 76, in der Tages­alarmbereitschaft. Diese Bereitschaft stellt „eine der größten Herausforderungen“ dar, heißt es bei der Feuerwehr, da die meisten außerhalb des Gemeindegebietes ihren Berufen nachgehen. Die Sache ist aber die: Zehn Minuten nach Alarmierung muss ein voll besetztes Löschgruppenfahrzeug an der Einsatzstelle sein. Ein weiteres voll besetztes Löschgruppenfahrzeug muss 15 Minuten nach Alarmierung vor Ort sein. Mit den besagten Standorten Stimpfach und Weipertshofen wäre dies zu leisten. Ein Standort Rechenberg würde schon an der Tagesalarmbereitschaft scheitern.

Löschverbund mit Fichtenau?

Es gibt aber noch zwei weitere Möglichkeiten. Die Gemeinderätinnen Silvia Abendschein („Warum nicht ein Standort?“) und Uta Hegemann („auf die freie Fläche!?“) gaben mit ihren Äußerungen fortan die Richtung der Diskussion vor. Ein zentraler Standort in Stimpfach hätte den Nachteil, dass Orte wie Steinbach am Wald, Gerbertshofen und Eichishof nur in zehn Minuten zu schaffen wären, wenn die Nachbargemeinde Fichtenau bei einem Löschverbund mitmachen würde.

Anders sähe das wohl aus, wenn man den Standort auf die grüne Wiese Richtung Weipertshofen verlagerte. Laut Strobel läge das Investitionsvolumen bei zwei bis drei Millionen Euro, Baubeginn wäre vielleicht 2020. Und vielleicht wäre dann ja noch Platz für den neuen Bauhof, mag manch einer da denken, der steht irgendwann auch an. Der neue Feuerwehr-Standort jedenfalls darf nicht so weit weg sein, dass die Anfahrt zu viel Zeit frisst.

Ein Magazin für alle drei Abteilungen hätte den Vorteil, dass vier statt fünf Fahrzeuge reichen würden. Neben einer sechsstelligen Summe würde sich die Gemeinde auch die Kosten für dann nicht mehr erforderliche Umbaumaßnahmen am Gerätehaus in Weipertshofen sparen. „Wenn wir ein Wirtschaftsunternehmen wären, wäre die Entscheidung klar“, betonte Gemeinderat Gerold Brenner. „Einsatzzeiten prüfen, nicht über ungelegte Eier diskutieren“, warf Brenners Kollegin Isabell Rathgeb ein.

Feuerwehrmann Schmid gab noch zu bedenken, dass das Konzept die interne Diskussion widerspiegele und dass eine Zusammenlegung aller drei Abteilungen an einem Standort „von einer nicht unerheblichen Anzahl von Feuerwehrangehörigen nicht getragen“ werde. Einige hätten für diesen Fall schon mit Austritt gedroht. „Dass es so ein Ortschaftsdenken gibt!“, empörte sich Markus Esterle. Man müsse sich „vom Standort lösen“, findet der Gemeinderat, „und wenn er mitten im Wald liegt, dann machen wir das. Wir müssen jetzt, vor dem Neubau, die Weichen für die nächsten 20, 30 Jahre zu stellen.“ Bei Bürgermeister Strobel klingt das so: „clever planen, um sich nichts zu verbauen“.

Auch die Feuerwehr will sich natürlich nicht versperren. „Konzepte, die in die Zukunft zielen, bergen die Gefahr, überholt zu werden. Entscheidungen, die heute noch als richtig erachtet werden, können morgen schon als absolut falsch angesehen werden“, so steht es im Schlusswort auf Seite 10, und weiter: „Wir legen es in die Hand der Verwaltung und des Gemeinderates, das Konzept zu verfolgen, fortzuschreiben und kritisch zu hinterfragen.“

Der Rat beschloss am Montag grundsätzlich den Neubau eines Magazins für die Gemeinde. Feuerwehr und Verwaltung sollen einen Standort außerhalb von Stimpfach prüfen. Mit der Gemeinde Fichtenau sollen Gespräche geführt werden, was einen Löschverbund angeht. Und dann soll es noch eine Rundfahrt geben, zu den schönsten Feuerwehr-Neubauten in der Umgebung.

Der Feuerwehr in der Gemeinde Stimpfach geht es wie vielen Vereinen. Sie hat Probleme, Nachwuchs zu generieren. So hat die Jugendfeuerwehr in den vergangenen acht Jahren die Hälfte ihrer Mitglieder verloren, derzeit sind es noch elf Jugendliche zwischen 11 und 17 Jahren. Um mehr Interesse für die Jugendfeuerwehr zu wecken, gab der Gemeinderat in der Sitzung am Montag grünes Licht für die Gründung einer Kindergruppe. Simon Schenk, der stellvertretende Abteilungskommandant von Stimpf­ach, stellte zuvor das Konzept vor. Die stille Hoffnung ist natürlich die, irgendwann mehr Feuerwehrmänner und -frauen in den aktiven Dienst zu bringen. Gedacht ist die neue Gruppe für Kinder von sechs bis zehn Jahren. Ein Jahresbeitrag wird nicht erhoben. Sie soll sich jeden ersten und dritten Mittwoch im Monat treffen, erstmals am 20. September. Bis das neue Magazin steht, sollen Räume der Kaspar-Mettmann-­Schule in Stimpfach genutzt werden. Anmeldeschluss ist Mitte August. Vorher gibt es noch einen Infoabend für Eltern. js

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