Burgschauspiele machen Fabriktheater

Dass die Burgruine Leofels wegen Bauarbeiten gesperrt ist, hält die Schauspieler nicht davon ab, Theater zu spielen. Der Vorhang öffnet sich in diesem Sommer vor der Fassade des Gerabronner Mühlengebäudes.

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Ein wenig Fantasie gehört schon dazu, sich gedanklich auf die Insel Monte Christo zu versetzen, wenn man vor dem Mühlengebäude in der Amlishagener Straße steht und den Blick über die imposante Fassade schweifen lässt. Kann hier der Seemann Edmont Dante aus dem Gefängnis fliehen und zu seinem Rachefeldzug aufbrechen? Denn das Stück "Der Graf von Monte Christo" steht in diesem Jahr auf dem Spielplan der Leofelser Amateurbühne. Er kann - davon sind die Mitglieder der Burgschauspiele Leofels und ihr Regisseur Jan Käfer überzeugt. Und während die Vorstandsmitglieder Rebekka Frank-Hermann und Celimene Laukemann berichten, wo Bühne und Zuschauerränge aufgebaut werden sollen, wie die Zuschauer vom Schulparkplatz aus den Weg zum neuen Aufführungsort finden und welchen Anblick das Gebäude im Scheinwerferlicht bei nächtlichem Himmel bietet, schwinden die letzten Zweifel. Es ist den Schauspielern schließlich auch gelungen, das Alpenpanorama der Geierwally oder das vorrevolutionäre Paris in der Ruine auferstehen zu lassen, warum also nicht stürmische See und karge Gefängnismauern mitten in Gerabronn?

Das Mühlengebäude bietet in jedem Fall einen reizvollen Rahmen. Weit überragt es mit seinen fünf Stockwerken die große Freifläche und sämtliche Gebäude der Nachbarschaft. Der aufgesetzte Wasserturm ist weithin sichtbar. Die Geschichte des Fabrikgebäudes beginnt im Jahr 1914. Eröffnet wurde es ursprünglich als Mühle. Hier wurden zuerst Haferflocken und Trockengemüse produziert. Sämtliche Bauern in der Region lieferten hier ihr Gemüse ab, das zu Trockensuppen verarbeitet wurde. Der Wasserturm und ein Silo wurden erst nachträglich angebaut.

Seit 1956 wird hinter den denkmalgeschützten Mauern nicht mehr produziert, sondern gelagert. "Die meisten Leute denken, hier ist eine Industriebrache, aber so ist es nicht", berichtet Hannelore Korder, die das Gelände seit 2003 von der Stadt Gerabronn gepachtet hat und gemeinsam mit ihrem Ehemann Harald als Lagereibetrieb bewirtschaftet. "Wir sind sehr froh, dass wir in diesem Sommer hier spielen dürfen", sagt Rebekka Frank-Hermann.

Als klar war, dass die notwendigen Sanierungsarbeiten an der Burgruine in Leofels so viel Zeit in Anspruch nehmen würden, dass den Schauspielern zu wenig Zeit zum Proben bleibt, machten sich die Spieler auf die Suche nach einem Ausweichplatz. "Wir haben viele Möglichkeiten durchgespielt. Die Variante hier am Mühlengebäude hat uns sogleich begeistert. Zum Glück haben wir die Unterstützung durch die Stadt Gerabronn und die Familie Korder", so Frank-Hermann.

Mit der neuen Kulisse gibt sich die Bühne ein modernes Gesicht. "Die Burgschauspiele machen Fabriktheater", bringt es Heike Köhnlechner auf den Punkt, die für Öffentlichkeitsarbeit zuständig ist.

Der Umzug von Leofels nach Gerabronn soll dennoch eine Ausnahme bleiben, meint Celimene Laukemann: "Wir sind froh und dankbar, dass die Ruine saniert wird und wir im nächsten Jahr wieder in Sicherheit an unsere alte Spielstätte zurückkehren können."


Spieltermine in Gerabronn

Das Stück
"Der Graf von Monte Christo" feiert am 13. Juni Premiere. Weitere Aufführungstermine sind am 14., 18., 20., 22., 24., 27. und 28. Juni sowie am 2., 4. und 5. Juli. Beginn ist jeweils um 20.30 Uhr. Karten gibt es bei Erika Schneider (Telefon 0 79 52 / 56 55), bei Damaris Kraft bei der Stadtverwaltung Ilshofen (Telefon 0 79 04 / 70 20) und an den üblichen Vorverkaufsstellen: Aral Tankstelle Gerabronn, Tankstelle Kirchberg, Reiseparadies Crailsheim und Sigrid Bopp, Steinbach. Der Kartenvorverkauf beginnt am 3. Februar, Gutscheine sind bereits erhältlich.

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