Burgschauspiele Leofels bringen neuen Glanz für alte Fabrik in Gerabronn

Die Ruine Leofels ist wegen der Sanierungsarbeiten gesperrt. Pausieren oder ausweichen heißt es für die Theaterleute von Leofels. Nun wollen sie vor dem historischen Schüle-Bau in Gerabronn spielen .

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Heike Köhnlechner, Rebekka Frank-Herrmann und Celemine Laukemann zeigen, wo in diesem Sommer die Bühne der Burgschauspiele stehen wird: Nicht in der Ruine Leofels, sondern vor der alten Schüle-Fabrik in Gerabronn. Foto: Claudia Kern-Kalinke

Zwei Jahre aussetzen, weil die Burgruine Leofels eine Baustelle ist und für Besucher gesperrt werden muss? Das kam für das hochmotivierte Ensemble der Burgschauspiele Leofels nicht in Frage. Eine Ausweichbühne mit eindrucksvoller Kulisse und genügend Platz für die Zuschauerränge musste gefunden werden. Möglichst nicht zu weit vom angestammten Spielort entfernt.

In der Spielerversammlung rauchten die Köpfe. Vorsitzender Kurt Frank hat sich zurückgezogen. Nun sind seine Töchter Celimene Laukemann und Rebekka Frank-Herrmann gefragt, die nun zusammen mit Frank Schneider den Vorstand des Vereins Burgschauspiele Leofels bilden. Im Geiste gingen sie markante Bauwerke in der Umgebung durch. Die Anhäuser Mauer zum Beispiel wäre ein würdiger Ort. Aber auf dem freien Feld gibt es weit und breit keinen Stromanschluss. Kostüm-Schneiderin Helga Bender hatte die rettende Idee: das denkmalgeschützte Fabrikgebäude in Gerabronn.

Dort, wo jetzt noch Brennholz lagert, soll die Bühne für Alexandre Dumas Schauspiel "Der Graf von Monte Christo" errichtet werden. 15 Jahre musste der Protagonist des Romans im Gefängnis zubringen. "Seine Gefängniszelle wird dann dort oben sein", zeigt Celemine Laukemann auf eines der Fenster an der hohen Fassade. Dass der Zahn der Zeit schon deutlich sichtbar an dem Fabrikbau genagt hat, stört die Akteure wenig. Im Gegenteil: "Auch unser Regisseur Jan Käfer ist ganz begeistert von der Optik", freut sich Rebekka Frank-Herrmann. Und Heike Köhnlechner, die im Verein die Öffentlichkeitsarbeit macht, nennt den neuen Slogan der Truppe: "Die Burgschauspiele machen Fabriktheater."

Wie eindrucksvoll das Industriedenkmal aus der Gründerzeit wirkt, wenn es abends angestrahlt wird, konnten die Amateurschauspieler im November sehen. Da wurde das Gebäude zum 100. Todestag seines Erbauers Israel Landauer weithin sichtbar illuminiert. Landauers Leben könnte selbst Stoff für ein Theaterstück abgeben. 1843 in der Oberamtsstadt geboren, wurde er zu Lebzeiten zum Ehrenbürger ernannt. Er wandelte Gerabronn vom verschlafenen Nest zum industrialisierten Städtchen mit Bahnanschluss über Langenburg und Blaufelden bis Stuttgart, 1900 feierlich eröffnet. Landauer gründete den Turnverein mit der ersten vereinseigenen Turnhalle in Deutschland und tuckerte mit dem ersten privaten Kraftwagen durch Gerabronn. Ebenfalls um 1900 schuf er Arbeitsplätze in der Hohenloher Präservenfabrik, in der Nahrungsmittel hergestellt wurden.

Nach der Fusion mit der Firma Schüle wurden Hafererzeugnisse, Dörrobst, Trockensuppen und Erbswurst produziert. Sein schlossartiges Aussehen erhält das einstige Mühlengebäude durch das Türmchen, in dem sich früher ein Löschwasserbehälter befand. 1950 ging Schüle in Konkurs und das Gebäude wurde zeitweise als Bundesreservegetreidenotlager genutzt.

Nach seinem Tod am 18. November 1913 fand Israel Landauer seine Ruhestätte auf dem jüdischen Friedhof in Dünsbach. "Von dort kann er uns zusehen", meint Celemine Laukemann fast ehrfürchtig, "vom Grab aus hat man einen guten Blick auf das Gebäude". Ein Grund mehr, sich beim Fabriktheater besonders Mühe zu geben.

Seit 2003 gehört das denkmalgeschützte Gebäude der Stadt Gerabronn. Hannelore und Harald Korder haben das große Lagerhaus gepachtet und komplett mit Tee gefüllt. Auf der Wiese zwischen Schule und Schüle-Bau ist reichlich Platz für die Zuschauertribünen, die bisher immer in der Burgruine Leofels aufgebaut wurden. Im Gebäude werden den Amateurschauspielern Räume für Garderobe und Requisiten zur Verfügung gestellt. Die Stadt hat versprochen, zwischen den Parkplätzen an der Schule und dem Freilichttheater noch einen geschotterten Fußweg anzulegen. Je nach Dauer der Sanierungsarbeiten in der Ruine Leofels müssen die Burgschauspiele vielleicht auch einen zweiten Sommer an ihren neuen Spielort ausweichen.

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