Burghof wird zur Manege

Zirkusluft weht durch die Ruine Leofels. Das Ensemble der Burgschauspiele zeigt in diesem Jahr das Volksstück "Katharina Knie" von Carl Zuckmayer und für Kinder "Die dumme Augustine" von Otfried Preußler.

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Ein Blick auf die Bühne in Leofels, dort wird gerade das Stück "Katharina Knie" geprobt. Die Hauptrolle wird von Hanna Köhnlechner (rote Strumpfhose) gespielt. Foto: Claudia Kern-Kalinke

Seit Ende Mai, als noch niemand freiwillig einen Abend unter freiem Himmel verbringen wollte, sind die Darsteller nahezu täglich zu Proben in der Ruine und feilen intensiv an den einzelnen Rollen und am gemeinsamen Ganzen. Die Artistengeschichte "Katharina Knie" von Carl Zuckmayer hat am Freitag, 14. Juni, Premiere.

"Der erste Satz am Abend muss sitzen, der muss gleich einen Impuls geben und das Publikum mitreißen." Der neue Regisseur Jan Käfer aus Wiesbaden stellt hohe Ansprüche an die Amateurschauspieler. "Aber so haben wir es haben wollen", versichert der Vorsitzende Kurt Frank, der selber den Clown mit den zu großen Schuhen spielt.

"Katharina Knie war schon zwei- oder dreimal in der engeren Wahl", erzählt er. "Wir haben uns zunächst verschiedene Stücke angeschaut." Bei seinen Recherchen hat er auch den neuen Regisseur ausfindig gemacht. Das Ensemble wechselt nach ein paar Jahren gern den Spielleiter, um neue Impulse zu bekommen. Nun ist es Jan Käfer vom Staatstheater Wiesbaden, ein Theaterprofi durch und durch. "Es ist nicht einfach, jemanden zu finden, der bereit ist, in dieser Preisklasse etwas zu tun", verrät Kurt Frank. Sprich: der Verein der Burgschauspiele hat nicht das Geld, um Supergagen zu zahlen. "Dabei muss der Jan nicht nur Regie führen, sondern uns auch Schauspielunterricht erteilen - wir machen das ja alle ehrenamtlich", räumt der Sohn des Ensemble-Gründers Fritz Frank ein. Vor 30 Jahren hat der Senior das Amateurtheater der Burgschauspiele ins Leben gerufen und die Bühne mit selbstgeschriebenen Heimatstücken in der ganzen Region bekannt gemacht.

Carl Zuckmayers "Katharina Knie" spielte ursprünglich in einer kleinen Stadt in der Pfalz. "Das Stück passt aber gut in die Ruine und zur Gruppe", findet Kurt Frank. Aus dem Pfälzer Dialekt wird natürlich Hohenlohisch, wie man es in Leofels gewohnt ist.

Um "die Archetypen in der Mikro-Gesellschaft Zirkus" richtig zu besetzen, hat Regisseur Käfer anfangs einen Wochenend-Workshop mit den Darstellern abgehalten. "Er hat Spielchen mit uns gemacht und geschaut, wie wir darauf reagieren, und danach hat er die Rollen verteilt", beschreibt Ensemble-Mitglied Ingeborg Neber das originelle Casting. "Aber es hat sich bewährt. Danach waren keine Umbesetzungen mehr nötig." Sie selbst spielt diesmal eine 80-Jährige.

Jan Käfer ist ebenfalls zufrieden: "Eine gute Infrastruktur und motivierte Leute voller Euphorie, großer Kreativität und Eigendynamik" hat er in Leofels vorgefunden. Im Stück sei für jeden etwas dabei, verspricht er. In seiner Inszenierung will er die Gesellschaftskritik und die Konflikte zwischen den Figuren besonders hervorheben. "Es gibt aber auch humorvolle Passagen, schnippische Kommentare und clowneske Szenen wie es sich für einen Zirkus gehört." Eine sechsköpfige Zirkuskapelle belebt mit Live-Musik die Szene. Das Publikum darf gespannt sein, ob die junge Artistin Katharina Knie dem Wanderzirkus, der in der Inflationszeit in wirtschaftlichen Schwierigkeiten steckt, treu bleibt oder das Leben einer wohlsituierten Bauersfrau vorzieht.

Das Kinderstück bringt im Jubiläumsjahr ebenfalls Zirkus-Atmosphäre in die Burgruine Leofels. "Die dumme Augustine" von Otfried Preußler hat am Sonntag, 16. Juni, um 15 Uhr Premiere. Gerd Bauer inszeniert dieses Kinderstück. In den vergangenen Jahren hat er immer wieder mit Spezialeffekten und verblüffenden Knallern für Furore gesorgt. Die kleinen und großen Zuschauer dürfen also auf Überraschungen während der Vorführungen gespannt sein.

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