Bürgermeisterwahl Frankenhardt : Von der Windkraft über den Biber bis zum Parteibuch

"Heute können Sie alles fragen. Ich garantiere, es wird Ihnen viel versprochen", eröffnete Willi Karle die Fragerunde, und die Besucher prüften die Kandidaten auf Fachwissen, Gesinnung und Charakter.

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Mehr als 400 Besucher verfolgten die erste offizielle Kandidatenvorstellung, zu der auch eine lebendig geführte Fragerunde gehörte.  Foto: 

Würde sich der amtierende Bürgermeister erneut zur Wahl stellen - er hätte gute Chancen, das Rennen zu machen. Bringt er doch alles mit, was sich Bürger von einem Schulzen wünschen: Fachwissen, Verwaltungserfahrung, Redegewandtheit und eine Portion Humor. Diese Eigenschaften wollten die Bürger auch bei den fünf Kandidaten entdecken. Deshalb nutzten sie die Möglichkeit, ihnen Fragen zu stellen und sie aus der Reserve zu locken. "Sie kennen die drei Frankenhardter Hauptorte, aber sind Ihnen auch die Teilorte bekannt?", wollte etwa eine Bürgerin wissen. Die Antworten reichten von "Ich bin zumindest durchgefahren" (Horst Grund) über ein überzeugtes "Ich kenne sie alle" (Stephan Zerrer) bis hin zu Matthias Herzogs Aussage, dass er zwar nicht alle Ort kennen, dafür aber so kleine Flecken wie Neuhaus, die nicht einmal besiedelt seien. Bürgermeister Karle wandte daraufhin ein, dass hier keine Wählerstimmen zu holen seien. Förster Martin Blessing hatte schon beruflich auf Frankenhardter Gemarkung zu tun und kennt sich hier vielleicht besser aus als mancher Einheimischer. Und Jörg Schmidt stellte klar, dass er sich ohne Navigationsgerät im Gemeindegebiet bewegen könne.

Keine Biber-Fachleute

Es war wie ein Bewerbungsgespräch vor über 400 Prüfern: Welcher Partei gehören Sie an? Wo liegen Ihre Schwächen? Würden Sie sich noch in einer anderen Gemeinde bewerben, wenn es mit dem Bürgermeisterstuhl in Frankenhardt nicht klappt? Die Kandidaten schlugen sich tapfer, einige zeigten offen Flagge, manche warteten ab, andere hielten mit ihrer Meinung hinter dem Berg. Beim Thema Biberschäden an der Jagst gaben alle zu, keine Biber-Fachleute zu sein.

Am Thema Windkraft, das in Frankenhardt heftig und widersprüchlich diskutiert wird, kamen die Bewerber natürlich nicht vorbei. Zuerst sollten sie ihren grundsätzlichen Standpunkt erläutern, später noch einmal konkret werden: Könnte man nicht mehrere kleinere Flächen ausweisen anstatt einer großen? Sollte man die Bürger am Geschäft mit der Windenergie beteiligen? "Ich bin völlig Ihrer Meinung, die Bürger werden doppelt bestraft: Durch den Eingriff ins Landschaftsbild und durch die EEG-Umlage", stimmte Jörg Schmidt dem Vorschlag einer Beteiligung zu. Ähnlich schätzte Martin Blessing die Situation ein: "Nur eine Bürgerbeteiligung schafft die Akzeptanz für Windenergie." Er wolle sich für eine Beteiligung möglicher Anlagen im Landeswald einsetzen und verwies auf seine guten Kontakte. Matthias Herzog zeigte sich von der Windkraft "nicht hundertprozentig überzeugt": "Vielleicht gibts in Sachen erneuerbare Energien noch bessere Möglichkeiten. Durch finanzielle Beteiligung werden die Dinger auch nicht schöner." Stephan Zerrer und Horst Grund blieben vage: Sie wollten zunächst Gespräche im Gemeinderat und in Stuttgart führen und weitere Informationen einholen. "Wenn die Windkraftanlagen nicht zu verhindern sind, dann sollte man wenigstens was dran verdienen", meinte Zerrer.

Bürgermeister Willi Karle, der die Fragerunde moderierte und sich den einen oder anderen Kommentar nicht verkneifen konnte, hielt sich mit einer Bewertung zurück. Eine eindeutige Empfehlung sprach er am Ende jedoch aus: "Gehen Sie am 7. April zur Wahl."

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Bürgermeisterwahl in Frankenhardt

Jörg Schmidt ist der neue Frankenhardter Bürgermeister. Er holte 62,8 Prozent der Stimmen.

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