Bürgermeister Wurmthaler über die Chancen auf mehr Leben in Ilshofens Innenstadt

Wie soll sich Ilshofen mittelfristig entwickeln? Welche Konzepte verfolgt die Stadt, um die Innenstadt zu beleben, die Lebensqualität zu verbessern? Ein Gespräch mit Bürgermeister Roland Wurmthaler.

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  • Zwei Passanten spazieren durch Ilshofen. Es herrscht wenig Verkehr. Damit Fußgänger - auch mit Kinderwagen oder Rollatoren - einfach die Straße wechseln können, hat die Stadt die Bordsteine abgesenkt. 1/3
    Zwei Passanten spazieren durch Ilshofen. Es herrscht wenig Verkehr. Damit Fußgänger - auch mit Kinderwagen oder Rollatoren - einfach die Straße wechseln können, hat die Stadt die Bordsteine abgesenkt. Foto: 
  • Roland Wurmthaler stellt seit 1986 im Rathaus Ilshofen als Bürgermeister die Weichen. 2/3
    Roland Wurmthaler stellt seit 1986 im Rathaus Ilshofen als Bürgermeister die Weichen.
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HT: Bis in zehn Jahren - so eine Studie der Gesellschaft für Konsumforschung Nürnberg - werden Städte über 20 Prozent weniger Verkaufsfläche in den Innenstädten verfügen. Einer der Gründe ist, dass immer mehr Menschen übers Internet einkaufen. Was bedeutet das für Ilshofen?

ROLAND WURMTHALER: Dass wir ein paar Leerstände haben. Ich denke, dass wir als Landgemeinde von der Entwicklung mit dem Internethandel nicht so stark getroffen werden. Internethandel ähnelt dem früheren Versandhandel - nur dass es Neckermann und Quelle nicht mehr gibt. In gewisser Weise heißen diese jetzt E-Bay und Amazon. Es gibt Waren, die geliefert werden müssen, etwa E-Books. Aber ob es sich durchsetzt, den Blumenstrauß oder die Schachtel Pralinen per Internet zu bestellen, sich per Post liefern zu lassen, das bezweifle ich. Hinzu kommt: Dinge für den täglichen Bedarf werden die meisten weiterhin beim Bäcker und Metzger vor Ort kaufen wollen. Bei Spielwaren und Schreibsachen dürfte es anders sein. Unsere Aufgabe als Kommune ist es, die Kaufkraft am Ort zu binden und wenn möglich, noch zu steigern.

Es ist doch so: In einer Stadt möchte ich in ein Café gehen, Bücher oder Schuhe einkaufen können. Als Verbraucherin erwarte ich von Stadtzentren, dass es ermöglicht wird, dort zu verweilen, dass Kinder spielen können. Größere Städte können diese Wünsche erfüllen. Was macht es für kleinere wie Ilshofen so schwer, dem nachzukommen?

Das ist eine ganz einfache Rechnung: Weniger Bürger bedeuten eine geringere Kaufkraft am Ort. Dies spiegelt sich im Angebot wider: Geschäfte halten sich nur, wenn sie wirtschaftlich geführt werden können. Mittelzentren halten diese Angebote vor. Im Übrigen kann man bei uns Bücher kaufen und bestellen. Ein viel größeres Problem sehe ich bei der künftigen Versorgung mit Haus-, Fach-, Zahn- oder Kinderärzten. Wir tun alles dafür, Praxen zu erhalten, Nachfolger zu finden. Aber ob das gelingt? Da setze ich ein großes Fragezeichen. Wir Kommunen haben nur einen kleinen Einfluss auf das Gesundheitswesen. Hier ist die Politik gefragt, die das System der Zulassung von Ärzten ändern muss. Und, um zu Ihrer Frage zurück zu kommen: Diese ärztlichen sowie therapeutische Dienstleistungen sind auch deshalb wichtig für das Leben in der Stadt, weil man vor einem Arzttermin vielleicht bummeln geht, sich in der Wartezeit oder nach dem Termin ins Café setzt. Ilshofen hat ein Café und eine gute Gastronomie auch mit Außenbewirtschaftung und Biergarten.

In den vergangenen Jahren hat Ilshofen als Einkaufsstadt gewonnen. Vor allem durch das Gewerbegebiet an der Landesstraße. Es zieht auch Kunden an, die zwischen Hall und Crailsheim pendeln. In der Innenstadt dagegen gibt es Leerstände und mit dem Lamm-Grundstück eine zentrale Brachfläche. Wie kann es gelingen, Geschäftsleute oder Dienstleister für die Innenstadt zu gewinnen?

Man muss schauen, was noch fehlt. Wir haben in der Innenstadt schon sehr viele Angebote: Ärzte, Banken, Bäcker, Metzger, Apotheke, Discounter, Blumen, Geschenkartikel und vieles, vieles mehr. Auch im Bereich der Dienstleistungen oder im kulturellen Bereich. Es stellt sich die Frage, ob es sinnvoll ist, Doppelstrukturen zu schaffen. Die angesproche Baulücke könnte man mit Wohnbebauung und zusätzlicher Gewerbenutzung schließen. Aber es liegt am Eigentümer. Die Fläche könnte schon längst bebaut sein. In den vergangenen Jahren haben wir auch das Wohnen in der Stadt gefördert. Es sind 150 Wohneinheiten geschaffen worden. Leider haben wir den Drogeriemarkt Schlecker und den Bauernverband verloren.

Unlängst ging es im Gemeinderat um die Ansiedlung eines neuen Drogeriemarktes. Offenbar wollten die Betreiber ins Gewerbegebiet an der Eckartshäuser Straße. Wäre die Ansiedlung in der Innenstadt da nicht naheliegender? Vor allem angesichts von drei Pflege- beziehungsweise Senioreneinrichtungen in der Kernstadt?

Ja. Ich würde es begrüßen, wenn wir den Drogeriemarkt beispielsweise im alten Netto-Gebäude einquartieren könnten. Das wäre mir lieber. Wir als kleine Kommune können das nicht so steuern. Wenn wir den Ketten nicht die 1-A-Lage gewähren, die sie wollen, kommen sie erst gar nicht.

Drei Einrichtungen für Senioren gibt es bereits in Ilshofen. Wichtig für die Lebensqualität - gerade auch im Alter - ist es, dass Begegnungen möglich sind. In Vellberg ist das Generationenbündnis aktiv. Für Wolpertshausen plant Brigitte Sosinski für 2016 ein Internet-Café für Senioren. Was tut sich in Ilshofen?

Wir haben keine institutionalisierte Einrichtung wie das Generationenbündnis. Es gibt aber zahlreiche Initiativen für Senioren, von den Kirchen angefangen, über den Sport bis hin zu den Vereinen und dem Seniorenkreis in der Pfarrscheuer. Im Rahmen der Stadtentwicklung haben wir Sitzbänke aufgestellt, öffentliche Aufenthaltsräume wie kleine Plätze zum Verweilen geschaffen, wo sich Leute zusammensetzen können. Das wird weniger genutzt, als wir erwartet haben. Bei der Infrastruktur sind wir für den demographischen Wandel gut aufgestellt angefangen von seniorenfreundlichen Tiefbord-Gehwegen bis hin zu Pflegeheimen. Den demographischen Wandel haben wir schon seit vielen Jahren im Visier und auch entsprechend Einrichtungen geschaffen. Wie's weiter geht, werden wir mit den Stadträten bei einem Workshop im März besprechen. Ich bin für Ilshofen bezüglich der Bevölkerungsentwicklung jedoch optimistisch - bis zum Jahr 2020 werden wir wachsen. Danach, so die Prognose, wird die Einwohnerzahl stagnieren.

Damit Ziele nachhaltig verfolgt werden, geben Betriebe Handlungsrichtlinien aus, erarbeiten Leitbilder. Wird in Ilshofen auch mit solchen Strukturen gearbeitet?

Wir haben keine Leitbilder. Beim Stadtmarketing haben wir folgenden Titel geprägt: "Stadt-Land- Flair und mehr . . . unsere Zukunft". Unter dieser Überschrift sind unsere Ziele definiert, etwa die Infrastrukturen erhalten und verbessern, die Lebensqualität erhöhen, mehr Einwohner und Arbeitsplätze gewinnen. Im Moment geht dieses Konzept auf: Von den 40 Bauplätzen im neuen Baugebiet Schmerach sind 32 verkauft, teilweise stehen die Häuser schon.

Ihre Amtszeit geht bis 2018. Machen Sie danach noch weiter?

(Roland Wurmthaler schmunzelt, macht eine Pause und schaut lächelnd an die Decke. Nach einer Weile sagt er:)

Ich werde nicht mehr kandidieren. 2018 werde ich 32 Jahre für Ilshofen gearbeitet haben. Da tut ein Wechsel einer Stadt gut. Ich selbst werde dann 63 Jahre alt sein.

Welche Ziele wollen Sie in den nächsten drei Jahren noch erreichen?

Wir haben noch große Straßenbauprojekte, aktuell wird die Haller Straße saniert. Es folgen die Mauerstraße, die Ludwigstraße und voraussichtlich 2017 die Neue Straße sowie die Staufferstraße. Es steht außerdem die Untersuchung der Kläranlage an: Reicht deren Kapazität auch künftig aus?

Was ich auch noch gerne anpacken möchte ist ein neues Feuerwehrgerätehaus in Obersteinach. Das brauchen wir dort, um im Ernstfall rechtzeitig am Einsatzort zu sein. Ein weiteres Stadtsanierungsgebiet würde ich auch noch gerne auf den Weg bringen. Ich weiß nicht, ob ich das noch in dieser knappen Zeit schaffe. Aber ich führe bereits Vorgespräche mit Eigentümern.

Die Fragen stellte Elisabeth Schweikert

Einwohner und Jobs

Entwicklung Seit 1986 arbeitet Roland Wurmthaler als Bürgermeister für die Stadt Ilshofen. Als er 1986 anfing, zählte

Ilshofen 4300 Einwohner. Aktuell sind es zirka 6300. Die Zahl der Arbeitsplätze ist in Ilshofen noch stärker gestiegen: 1986 gab es in Ilshofen 1227 sozialversicherungspflichtige Stellen, heute sind es 2706.

SWP

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