Bürgermeister Daniel Bullinger: Gemeinden müssen mehr eingebunden werden

Auf dem Schreibtisch von Daniel Bullinger (27) steht eine Eier legende Wollmilchsau. Ein Geschenk seiner ehemaligen Kollegen und auch Symbol für sein Amt als jüngster Bürgermeister im Landkreis Hall.

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Stammt aus Reubach, ist jüngster Bürgermeister im Landkreis und drittjüngster in Baden Württemberg: Daniel Bullinger (27) an seinem Schreibtisch im Rathaus in Oberrot - den Ort hat er auf einem Bild immer im Blick.  Foto: 

Sein Schreibtisch steht im Rathaus von Oberrot, seine Wiege stand in Reubach. Nach dem Abitur an der SchlossSchule in Kirchberg schlug er die Verwaltungslaufbahn ein, arbeitete unter anderem in Rot am See, Wolpertshausen, Crailsheim und Brüssel und schloss sein Studium in Kehl am Rhein als Diplom-Verwaltungswirt (FH) ab.

Im Jahr 2008 wurde der Hohenloher Hauptamtsleiter in Mötzingen bei Nagold, vier Jahre später wählte ihn die Bevölkerung der Gemeinde Oberrot zu ihrem Bürgermeister. Nur zwei seiner Amtskollegen im Land Baden-Württemberg sind jünger als er. Daniel Bullinger fühlt sich wohl in der 3700 Einwohner zählenden Gemeinde und hat seinen Schritt in die etwas andere Welt noch keine Sekunde bereut.

Der junge Mann hatte nur eine Mitbewerberin, die nicht vom Fach war und keine zehn Prozent der Stimmen erhalten hat. Ist das Amt des Bürgermeisters so unattraktiv und/oder so schwierig geworden, dass sich nur noch sehr wenige dafür interessieren? "Das Leben verändert sich grundlegend", war Bullinger schon vor seiner Bewerbung klar. "Wenn du zur Haustür hinaus-gehst, bist du eine öffentliche Person", vergleicht er seinen Job mit anderen.

Nur Job? Weit mehr, reagiert Bullinger auf diese Frage. Für ihn ist dieser Beruf ein großes Stück weit auch Berufung, sonst könne man dieses Amt wohl kaum mit Freude und Hingabe ausüben. Er weiß um die Einschränkungen im privaten Bereich, um die Rolle in der Öffentlichkeit, um die vielen Pflichten, vor denen sich viele scheuen. Doch er will nicht nur verwalten, sondern vor allem gestalten, zusammen mit den Menschen in der Gemeinde Aufgaben lösen, Ziele setzen und Visionen entwickeln, Moderator und Vermittler sein. "Dieser Beruf ist unglaublich vielseitig, spannend und interessant", schwärmt er, ohne dabei den Wandel in der Verwaltung, in der Politik, in der Wirtschaft und in der Gesellschaft und ohne die vielschichtigen Probleme in dieser unseren Zeit zu verkennen.

Auch er macht sich Gedanken und Sorgen um die Zukunft des ländlichen Raumes, die Abwanderung in die Städte, die Zukunft von Betrieben, die nicht nur viele Arbeitsplätze bieten, sondern über die Gewerbesteuer auch lebenswichtige Einnahmequellen für die Kommune sind.

Der junge Bürgermeister kann zwar nicht persönlich auf langjährige kommunalpolitische Erfahrung zurückblicken, kennt aber dennoch die Entwicklung in den letzten Jahrzehnten, als in vielen Gemeinden weitaus mehr bewegt werden konnte als heute.

Allerdings muss sich Oberrot mit einem Rücklagenpolster von 3,3 Millionen Euro keine allzu großen Sorgen machen. Heute stehen die vielen Pflichtaufgaben im Vordergrund, die für die Entwicklung unerlässliche Infrastrukturmaßnahmen und schließlich der Erhalt des Geschaffenen.

Auch wenn sich die Gemeinden in Größe, Struktur und Finanzen unterscheiden: Alle müssen mit dem fertig werden, was ihnen von oben diktiert wird.

Bullinger ärgert sich beispielsweise über die "Konzeptionslosigkeit" bei der Einführung der Gemeinschaftsschule oder das "völlig überhastete Vorgehen" bei der Windkraft. Die Gemeinden müssten mit großem Aufwand Vorrangflächen ausweisen, ohne dass die Details für Standorte und Baugenehmigungen festliegen.

"Wir tragen Veränderungen und Neuerungen mit", stellt er nicht nur in Bezug auf die beiden genannten Themen und nicht nur mit Blick nach Stuttgart fest, "aber wir wollen auch von Anfang an miteingebunden werden". Es dürfe nicht sein, dass Bund und Land Entscheidungen treffen, die dann von den Kommunen finanziert werden müssen.

Bullinger wünscht sich für die Kommunen eine vereinfachte Förderung durch Land, Bund und EU, weil es sehr schwierig sei, im derzeitigen "Förderdschungel" noch durchzublicken.

In dieser Vereinfachung sieht Daniel Bullinger auch eine Chance dafür, dass die Gemeinden und ihre Bürgermeister künftig wieder mehr selbst gestalten können, was nicht nur ihm sehr entgegenkäme.

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