Brodelnd und berührend

Klezmer wird oft bei Konzerten des Hohenloher Kultursommers in der ehemaligen Synagoge von Michelbach an der Lücke lebendig. Diesmal waren "Klezmers Techter" mit Klangbildern zu Gast.

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"Klezmers Techter" (von links): Gabriela Kaufmann (Klarinette), Nina Hacker (Kontrabass) und Almut Schwab (Akkordeon)  Foto: 

Die Musik der Klezmorim kennt man als ausgelassen, zumal sie meistens zu lebensfrohen Festen erklang. Da wurde auf dem Instrument das Jubeln, das Lachen, auch das Schluchzen nachgeahmt. Besonders geeignet ist dafür ein Instrument: die Klarinette.

Bei "Klezmers Techtern" am Samstagabend wurde sie von Gabriela Kaufmann gespielt. Dave Tarras und Naftule Brandwein seien Vorbilder des Konzerts, so Kaufmann. Gern wurden und werden diese beiden Klezmerklarinettisten auch gegeneinandergestellt: Tarras als konservativer im Stil, Brandwein immer auf der Suche nach neuen eigenen Spielweisen.

Die wollte er, wie es Kaufmann in ihrer Moderation schilderte, anderen Klezmerklarinettisten nicht verraten. Deshalb habe er bei deren Anwesenheit im Konzert mit dem Rücken zum Publikum gespielt.

So weit ging Kaufmann dann nicht. Sie wusste aber Brandweins "Fun Tashlikh" auf der Bassklarinette jazzig aufgeraut wiederzugeben. Zusammen mit Akkordeonspielerin Almut Schwab und Kontrabassistin Nina Hacker gewann sie dem Stück gewitzte Betonungen ab.

Während das Trio gerade zu diesem Stück wie auch zu "Klezmers Freylekh" im ruhigeren Teil wunderbar aus sich herausging, herrschte sonst meist eine eher auf das Malen von Klangbildern bedachte strukturiertere Spielweise vor.

Solistische virtuose Einlagen waren kaum zu hören. Und wenn, wie im sefardischen "Los Bilbilicos", Almut Schwab etwa zu ihrer Querflöte greifen durfte, dann ging es zwar ins Jazzige, aber es blieb beim stilisierten Nachzeichnen des Nachtigallengesangs. Oder es wurden, wie in "Uvyom Haschabat", Eindrücke von der Klagemauer in Jerusalem zart empfunden auf Bassklarinette und Hackbrett zum Tönen gebracht.

Manchmal ging die Ausdruckspalette ins Humorvolle. Dazu gehörte "Nachmann's Wink" (Das Augenzwinkern des Rabbi Nachmann). Der schlurfend bedächtige Beginn driftete jedoch allzu sehr ins Alpenländische ab. Glücklicherweise erklang danach als Ausgleich Tarras' "Warshauer" - brodelnd, aber nie heftig ausbrechend, dafür sogartig.

Das zu beobachtende emotionale Zügeln dürfte mit dem unterschiedlichen Hintergrund der drei Musikerinnen zu tun haben. So hatte Gabriela Kaufmann viel mit Neuer Musik, mit Komponisten wie Karlheinz Stockhausen oder Hans Werner Henze zu tun. Und sie war Schülerin von Giora Feidman.

Nina Hacker ist eindeutig Jazzerin. Und Almut Schwab ist die Pädagogin, die schon mal gern Ausflüge ins unterhaltsame Fach unternimmt. Trotz ihrer Unterschiedlichkeit gelang "Klezmers Techter" dennoch Berührendes - etwa mit "Friling" (Frühling), jener schlichten innigen Melodie aus der Zeit des Holocausts, eingerahmt von zarten Akkordeondissonanzen.

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