Blutiges Familiendrama in Schwäbisch Hall

Ein Familienvater soll am Mittwoch seine von ihm getrennt lebende Frau getötet, später seine Tochter lebensgefährlich verletzt haben. Der 53-Jährige brachte sich danach selbst um: Er sprang vom Diak-Hochhaus.

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Der Ort wirkt am gestrigen Mittwoch ruhig, der morgendliche Berufsverkehr an der Landesstraße zwischen Hall und Crailsheim rauscht vorbei. Nur manche Autofahrer blicken in Veinau zur Abzweigung nach Tüngental und entdecken die Polizeiabsperrung. Ein Teil der Schwanenstraße ist dicht, fünf Streifenpolizisten sperren den Bereich von beiden Seiten ab. Kein Blaulicht, kein Lärm - Totenstille.

Vor einer Hecke direkt an einem großen Mehrfamilienhaus beugen sich gegen 10.30 Uhr drei Kriminalbeamte in weißen Overalls über die Leiche einer 51-Jährigen, die auf dem Rücken liegt. Die Männer schießen Fotos, messen Abstände und markieren Blutspritzer. Helfen können sie der zweifachen Mutter nicht mehr - lediglich Spuren sichern. Die grausige Tat hat sich schon Stunden früher ereignet, vermutlich gegen 5.30 Uhr. Das Familiendrama hat aber noch schrecklichere Dimensionen: Letztlich sterben Vater und Mutter, die Tochter ringt im Krankenhaus um ihr Leben. Lediglich der Sohn bleibt körperlich unbeschadet.

Die Haller Polizei geht bislang davon aus, dass der getrennt lebende, 53-jährige Ehemann am frühen Mittwochmorgen seine Frau aus dem Mehrfamilienhaus in Veinau gelockt hat. Offenbar hat er dann mehrfach mit einer Eisenstange auf sie eingeschlagen. Ob es zuvor einen Streit gab, sei nicht geklärt, so Hermann Schüttler, Sprecher der Haller Polizei. Wieso die Leiche in der Hecke lag - 20 Meter von der Haustüre entfernt und abseits vom Fußweg - müsse auch noch ermittelt werden.

Der 53-Jährige habe sich nach der blutigen Tat auf den Weg in die fünf Fahrminuten entfernte Kreuzäckersiedlung gemacht. Dort, im Leonhard-Kern-Weg, war die Wohnung seiner Tochter im Obergeschoss eines Mehrfamilienhauses. Der Vater habe auch auf die 24-Jährige eingeschlagen - vermutlich mit der selben Eisenstange - und verletzte sie lebensgefährlich. Dann sei er ins Auto gestiegen und nach Weckrieden gefahren, wo er mit seinem 22-jährigen Sohn lebte.

"Der Vater hat dem Sohn gesagt, dass er die Frau und Tochter umgebracht habe und ist dann aus dem Haus gerannt", so Schüttler weiter. Der Sohn alarmierte unmittelbar darauf die Polizei - gegen 7 Uhr. Diese leitete eine Fahndung nach dem 53-Jährigen ein. Der Vater ging in der Zwischenzeit zum nahegelegenen Diak. Gegen 7.30 Uhr sprang er aus dem zehnten Stock des Hochhauses und schlug auf dem rückseitigen Vorbau im dritten Stock auf. Er erlag seinen Verletzungen.

Die Polizei überprüfte die Wohnung der Tochter, die selbst die Tür öffnen konnte. "Wieso sie vorher keinen Notruf abgesetzt hat, muss geklärt werden", so Schüttler. Vielleicht sei sie bewusstlos gewesen, vermutet er. Sie wurde in lebensbedrohlichem Zustand ins Diak gebracht und am Abend in eine Stuttgarter Spezialklinik verlegt.

Eine Polizeistreife durchsuchte auch die Wohnung der Mutter in Veinau, fand aber keine Spuren - bis sie die Leiche im Gebüsch entdeckte. Diese wies mehrere schwere Verletzungen auf. "Erst als auch der Tote vor dem Diak identifiziert war, wurde uns das Ausmaß dieses Familiendramas klar", so Schüttler.

Viele Fragen zur Tat sind offen. Die Polizei hat daher die 15-köpfige Ermittlungsgruppe "Hecke" eingerichtet. Unklar ist, ob die erste Tatzeit bei 5.30 Uhr liegt. "Ein Anwohner hatte uns zu dieser Zeit alarmiert, da er durch einen Schrei geweckt wurde", so Schüttler. Beamte seien sofort nach Veinau gefahren, hätten in der Dunkelheit aber nichts ausmachen können.

Wenn der Anwohner tatsächlich die 51-Jährige gehört hat, dann vergingen zwischen dem Tötungsdelikt und dem Notruf des Sohnes eineinhalb Stunden. "Wir wissen nicht, was der Mann in der Zwischenzeit noch gemacht hat oder ob er noch woanders war", meint Schüttler. Daher werden in den nächsten Tagen Familienangehörige, Nachbarn und mögliche Zeugen befragt.

Der Vater hat einen Abschiedsbrief hinterlassen. "Er hat ihn Familienangehörigen in den Briefkasten geworfen." Nach der Auswertung geht die Haller Polizei davon aus, dass das Motiv der Tat "in familiären Auseinandersetzungen und der bevorstehenden Scheidung der Eheleute liegt".

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