Blinder Gymnasiast (16) sucht Begleiter für die Schule

Im Alter von sechs Jahren zerstörten Tumore sein Augenlicht. Heute besucht der blinde Schüler Maximilian Heinke ein normales Gymnasium. Er meistert die Herausforderung auch dank eines Schulbegleiters.

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Mit der Braillezeile seines Laptops kann Maximilian die Unterrichtsmaterialien erfassen, die sein Schulbegleiter für ihn aufgearbeitet hat.  Foto: 

"Für mich ist es normal geworden", sagt der 16-Jährige über sein Schicksal, die Welt nicht mehr durch die Augen wahrnehmen zu können. Seinen Alltag meistert er inzwischen recht selbstständig, nur in der Schule ist er auf fremde Hilfe angewiesen. Seine Eltern entschieden sich jedoch nicht für eine Blindenschule - Maximilian war von der ersten Klasse bis heute immer mit sehenden Schülern zusammen im Unterricht. Seine Grundschulzeit verbrachte er an der Sprachheilschule Crailsheim, seit der fünften Klasse besucht er die Schloss-Schule Kirchberg. An beiden Schulen wird in kleinen Klassen unterrichtet, sodass sich die Lehrer viel mehr um das einzelne Kind kümmern können.

Die tägliche Herausforderung im Schulalltag des blinden Teenagers besteht darin, sich den Lernstoff mit dem Tastsinn zu erarbeiten und sich ein begreifbares Bild von der Welt zu machen. Dafür ist ihm ein Schulbegleiter zur Seite gestellt, der den Stoff blindengerecht aufarbeitet und spezielle Unterrichtsmaterialien erstellt: Maximilians Mutter Susanne Heinke schlägt den dicken Schulordner auf und zeigt ein paar der vielen taktilen Bilder, die grafische Darstellungen in ein tastbares Relief umwandeln. So lassen sich zum Beispiel auf der Weltkarte die Umrisse der Kontinente aus Moosgummi mit den Fingerspitzen gut vom Karton-Wellenrelief der Weltmeere unterscheiden.

Anschließend klappt Maximilian seinen Laptop auf, der zusätzlich zur Tastatur noch eine sogenannte Braillezeile besitzt - ein spezielles Display für blinde Menschen, das Zeichen und Buchstaben in Brailleschrift darstellt. Damit schreibt Maximilian den Tafelanschrieb mit, den ihm sein Schulbegleiter diktiert, oder liest die Texte der Arbeitsblätter, die ihm von seinem Assistenten zuvor eingescannt wurden. Zusätzlich kann er sie dann auch akustisch über die Sprachausgabe erfassen.

Bis zur Abschaffung der Wehr- und Zivildienstpflicht vor drei Jahren waren es immer Zivildienstleistende, die dem blinden Schüler als Assistenten zur Seite standen. Seitdem ist es für Familie Heinke um einiges schwieriger geworden, geeignete Helfer für ihren Sohn zu finden. Denn es gibt inzwischen weit mehr Arbeitsplätze für Absolventen eines freiwilligen sozialen Jahres (FSJ) als Bewerber dafür.

Für das kommende, elfte Schuljahr habe sich bislang "leider noch niemand" gefunden, bedauert Susanne Heinke. "Derjenige, der ihn unterstützt, muss auch wissen, worum es geht", sagt sie dazu im Hinblick auf die Komplexität des Oberstufenunterrichts. Die ideale Stütze für Maximilian seien deshalb frisch gebackene Abiturienten, denen der Stoff noch vertraut ist, wie es bei den bisherigen drei FSJ-Kräften der Fall war. Dass die Arbeit erfüllend ist und Spaß machen kann, beweist die Tatsache, dass zwei von ihnen ihren ursprünglichen Studienwunsch im Verlauf der Arbeit mit Maximilian geändert haben und inzwischen Blinden- beziehungsweise Sonderpädagogik studieren.

Kontakt über Schloss-Schule

Wer Maximilian in einem freiwilligen sozialen Jahr oder im Bundesfreiwilligendienst als schulische Assistenzkraft begleiten möchte, kann sich bei Jürgen Scharch an der Schloss-Schule Kirchberg melden: Telefon 0 79 54 / 98 02 17.

HV

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