Blasiussegen: In Stimpfach wird kirchliche Tradition auf besondere Weise gepflegt

Die knapp fünf Monate alte Emilia und ihre Mama Rebecca Laux waren die Ersten, die gestern Vormittag in die Stimpfacher Pfarrkirche St. Georg gekommen waren, um dort den Blasiussegen zu empfangen.

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Kaum hatte die Mama sie aus dem Kinderwagen geholt und auf den Arm genommen, war die Kleine auch schon wieder ruhig. Den Schnuller im Mund, schaute Emilia mit großen Augen in den Kirchenraum, in das wenig später eine große Kinderschar strömte. "Doch, ich glaube schon daran", begründet die Mutter diesen Kirchenbesuch am Gedenktag des heiligen Blasius. Auch ihre vierjährige Tochter Felicitas wird an diesem Vormittag den Blasiussegen empfangen - zusammen mit den anderen Kindern des katholischen Kindergartens St. Georg. "Erst seit den Kindern", erzählt die Mama, "sind dieser Tag und der Segen wieder wichtig." Für Oma Victoria Riek war der Segen bis vor Kurzem gänzlich unbekannt. Sie stammt aus Rumänien und gehört der rumänisch-orthodoxen Kirche an, "wo es das meines Wissens nicht gibt". Trotzdem machte sie sich zusammen mit Enkel- und Schwiegertochter auf den Weg zur Kirche, wo bereits beim Gottesdienst am Sonntag der Blasiussegen erteilt und Kerzen geweiht wurden.

In Stimpfach wird diese Tradition besonders gepflegt, denn gestern, am eigentlichen Gedenktag, widmete sich Pfarrer Herbert Feldhinkel den Kindern, die gemeinsam sangen, klatschten und gesegnet wurden. "Auf die Fürsprache des heiligen Blasius schenke Gott der Herr auch dir Gesundheit und alles Gute", betete Pfarrer Feldhinkel, "im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes" und segnete die Kinder mit dem Kreuzzeichen und zwei Kerzen. Deren Licht soll Symbol für Licht und Wärme auf dieser Welt sein, erläuterte der Pfarrer, der in Kurzform auf die Geschichte des Heiligen einging.

Wilde Tiger und Bären

Im ökumenischen Heiligenlexikon ist darüber nachzulesen: Blasius war von Beruf Arzt und wurde Bischof von Sebaste, das damals Hauptstadt der römischen Provinz Armenien war. Nach der Legende soll Blasius sich wegen der Christenverfolgung in einer Höhle versteckt haben, wo er von wilden Löwen, Tigern und Bären bewacht wurde. Vögel trugen ihm Nahrung zu, er segnete wilde Tiere und heilte ihre Verletzungen. Die Jäger fanden kein Wild mehr, da sich alle Tiere zu Blasius geflüchtet hatten. Aus dieser Einsiedelei heraus habe er sein Bistum geleitet.

Christus offenbarte Blasius dann eines Tages, dass die Stunde seines Martyriums gekommen sei. Er wurde trotz seiner tierischen Leibwache von Jägern verhaftet und vor den Statthalter Agricola gebracht, weigerte sich aber, die Götterbilder anzubeten und wurde ins Gefängnis geworfen. Hier soll er einen jungen Mann, der eine Fischgräte verschluckt hatte, durch sein Gebet vor dem Erstickungstod gerettet haben. Auf das volkstümliche Wunder der Heilung des Jungen mit der Fischgräte geht seit dem 16. Jahrhundert der Brauch des Blasiussegens zurück, wobei zwei geweihte Kerzen gekreuzt vor den Hals gehalten werden, was bei Halsschmerzen, Ersticken und anderen Halserkrankungen helfen soll.

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