Bitumen-Affäre: Landgericht befasst sich mit Schäden in Fichtenau

Ein juristischer Kleinkrieg geht wohl in die letzte Runde: Mit der Fichtenauer Bitumen-Affäre beschäftigt sich jetzt auch das Landgericht Ellwangen. Ein Urteil soll am 21. November verkündet werden.

|
1000 Autofahrer von Lackschäden betroffen: Auf der Straße zwischen Wildenstein und Unterdeufstetten löste sich Bitumen von der Fahrbahn.  Foto: 

Schon seit vier Jahren zieht sich der Streit um die Folgen einer Sanierung der Gemeindeverbindungsstraße zwischen Wildenstein und Unterdeufstetten zäh dahin. Die Straße war Mitte September 2010 von der niedersächsischen Baufirma Liesen mit einer neuen Oberfläche aus Bitumen und Splitt versehen worden.

Rund 1000 Autofahrer sollen es gewesen sein, die dann im Dezember und Januar 2010/2011 eine unliebsame Überraschung auf dieser Strecke erlebten: Das Blech der Fahrzeuge war mit Unmengen von Bitumen-Bröckchen übersät. Die hartnäckig haftenden "Sommersprossen" ließen sich nur mit einer aufwendigen Reinigung wieder entfernen.

Schnell stellte sich die Frage, wer für diese Schäden zu haften hat. Zwischen der Gemeinde Fichtenau und dem Unternehmen aus Lingen entspann sich ein über Rechtsanwälte geführter Streit, der zu keinem schnellen Ergebnis führte.

Nägel mit Köpfen wollte in dieser verfahrenen Situation der Unternehmer (und Gemeinderat) Herbert Kaspar aus Unterdeufstetten machen, der mit fünf Autos aus seinem Fuhrpark ebenfalls von diesem Bitumen-Malheur betroffen war: Er verklagte die Baufirma auf Schadensersatz - mit Erfolg: Im Juli 2013 verdonnerte das Amtsgericht Crailsheim die Baufirma dazu, die Reinigungskosten in Höhe von 300 Euro pro Fahrzeug zu übernehmen - macht zusammen 1500 Euro im Fall von Herbert Kaspar, dem es allerdings nicht ums Geld, sondern vielmehr um einen "Musterprozess" im Interesse von weiteren betroffenen Bürgern geht.

Nach HT-Informationen sind beim Amtsgericht in Crailsheim noch gut ein Dutzend weitere Verfahren in dieser Sache anhängig, und in Fichtenau sollen noch rund 200 Autobesitzer mit Spannung auf eine gerichtliche Entscheidung in diesem Fall warten. Die Baufirma legte allerdings Berufung gegen das Urteil des Crailsheimer Amtsgerichtes ein. Und so landete die Bitumen-Affäre auf dem Schreibtisch von Friedrich Unkel, Präsident des Landgerichts in Ellwangen und Vorsitzender Richter der 1. Zivilkammer.

Eine Schlüsselrolle bei der Berufungsverhandlung in Ellwangen spielte erneut ein Gutachter: Nach Ansicht von Professor Dr. Ing. Markus Oeser von der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule in Aachen hätte die Baufirma spätestens nach dem ersten Splittverlust in Frosttagen erkennen müssen, dass sich noch Wasser in der dadurch aufgeweichten Bitumen-Emulsion befindet.

Andere Ursachen, die das Unternehmen ins Feld führte, schloss der Gutachter aus. Ihr Urteil über die Bitumen-Affäre will die Ellwanger Zivilkammer am 21. November fällen.

Abonnieren Sie das kostenlose Morning-Briefing aus der Chefredaktion
Damit starten Sie top informiert in den Tag. Außerdem im Newsletter: Die Wettervorhersage und die aktuelle Verkehrslage in der Region.
» zur Registrierung

Noch kein Kommentar

Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar

noch 3000 Zeichen
Mit Ihrem Kommentar akzeptieren Sie unsere Netiquette

Für registrierte Nutzer

Melden Sie sich an und schicken Sie Ihren Kommentar ab:

Für noch nicht registrierte Nutzer

Registrieren Sie sich kostenlos, um Ihren Kommentar abzuschicken:

Ich bin damit einverstanden, dass die Neue Pressegesellschaft mbH & Co. KG und ihre Tochterunternehmen mich schriftlich (per E-Mail oder Brief) oder telefonisch über ihre Medienangebote und kostenlose Veranstaltungen informieren dürfen. Meine Daten dürfen zu diesem Zweck gemäß den Bestimmungen des BDSG gespeichert, verarbeitet und genutzt werden. Die Einwilligung kann ich jederzeit widerrufen.
Ich bin mit den Datenschutzbestimmungen einverstanden. *

Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:

neu laden
Content Management by InterRed GmbH Logo
weiter zur Startseite

Ticker: So war die Bundestagswahl im Wahlkreis Hall-Hohenlohe

Lange haben sie sich vorbereitet auf den Tag, gestern war so weit: Die Bundestagskandidaten erfuhren, wie erfolgreich ihr Wahlkampf war. weiter lesen