Bienen - ein Abenteuer

Imker werben um Nachwuchs. Im ersten Jahr werden die künftigen Züchter am Lehrbienenstand nahe dem Starkholzbachersee bei Bibersfeld begleitet. Dann erst beginnt das Abenteuer im eigenen Garten.

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Andras Tils (50) aus Holenstein ist seit einem Jahr Jungimker im Bezirksimkerverein Hall. In seinem Garten im Ulrichsberg leben cirka 40 000 Bienen in zwei Völkern. Die Wabe zeigt bereits volle, mit Wachs verdeckelte Honigwaben.  Foto: 

"Bienen und Schaf, ernähren den Mann im Schlaf", zitiert Andreas Tils (50) aus Holenstein eine alte Bauernregel und zeigt mit dem Finger hinaus in seinen Garten. Dort summen und fliegen schätzungsweise 40000 Bienen. Ein Schaf ist weit und breit nicht in Sicht. "Es bleibt bei Bienen", lacht der Neuimker. Der nicht plane, mit seinen neuen Gartenbesitzern Geld zu verdienen. "Geld verdienen tu ich bei der Fernwasserversorgung Crailsheim. Ausgeben tu ich's für die Bienen", dreht er den Spieß gar um. Sind Bienen derart teuer? Er schüttelt den Kopf, und korrigiert: "Auch für die Bienen."

2013 absolvierte Tils einen Neuimker-Lehrgang am Lehrbienenstand des Bezirksimkervereins Gaildorf und Schwäbisch Hall nahe dem Starkholzbacher See. Anfang September war der Lehrgang abgeschlossen. Ende September bekam er von seinem Arbeitskollegen Michael Abelein aus Stilzendorf bei Schillingfürst sein erstes Volk. Die Beute, ein etwa 10 000 Bienen starkes Jungvolk mit Königin, kam in einer stapelbaren Holzkiste, im Fachjargon Zarge genannt. Mit dem Auto überführt Tils die Bienen aus dem Bayrischen ins 50 Kilometer entfernte Holenstein. Das Flugloch fest verschlossen, den Deckel mit Spanngurten fixiert, damit auf der Autobahn kein Unglück passiert. Da der Umzug in einer bienenträgen Zeit geschah, passierte erst mal nichts. Tils stellte den Bienenkasten an einen ruhigen und geschützten Platz in seinen Garten am Ulrichsberg. Behandelte ihn mit Ameisensäure, um die für Bienen gefährlichen Varroa-Milben abzutöten. Und setzt eine Futterzarge oben auf, da die Futterwabe, mit dem von den Bienen gesammelten Honig bei Imker Abelein verblieb. Das Zuckerwasser-Gemisch aus der Futterzarge dient als Honigersatz und wird als Nahrungs- und Wärmespeicher für die Wintertraube benötigt - in deren Mitte warm und satt die Königin überwintert.

Die Arbeitsbienen, allesamt weiblicher Natur, entwickeln durch Vibrieren ihrer Muskulatur die überlebensnotwendige Wärme. Die männlichen Drohnen, im Stock ohnehin nur geduldet, um die Königin zu begatten, waren bereits verjagt oder getötet, da das Brutgeschäft im Winter ruht. Ebenfalls ruht die Arbeit des Imkers über die Wintermonate. Tils hat alle Zeit, sich seinem zweiten Hobby zu widmen, dem Backen von Weihnachtsplätzchen.

Mit den ersten wärmenden Sonnenstrahlen im März bevölkern die Bienen wieder Tils Garten. Das Brutgeschäft ist wieder angelaufen und sein Volk wächst zusehends. Im Mai will Tils einen Ableger bilden. "In kurzer Hose und mit freiem Oberkörper", sagt er heute kopfschüttelnd. Er habe sich nichts dabei gedacht - Immer Harald Schnaible vor Augen, den zweiten Vorstand des Bezirksimkervereins Schwäbisch Hall, der beim Neuimkerkurs ohne Schutzanzug gearbeitet habe. "Einmal ist ihm sogar eine Biene unter der Brille übers Auge gekrabbelt. Er blieb ganz ruhig. Nichts ist passiert", erzählt Tils fasziniert.

Das ruhige Arbeiten mit den Bienen liegt auch dem Neuimker im Blut. Mit dem Smoker blies er Rauch durch das Flugloch. "Die Bienen denken, es brennt, ziehen sich in ihre Wabengassen zurück und packen ihr Hab und Gut zusammen. Will heißen, füllen ihren Magen mit Honig", erklärt er den Placebo-Beschäftigungseffekt. Dann habe er eine Wabe gezogen, um die Eier nach ihrem Brutstand zu untersuchen. "Der erste Stich ging in die Hand. Tat weh. Aber ich blieb ganz ruhig", rekonstruiert Tils das nun folgende Malheur. Innerhalb weniger Sekunden seien acht weitere Stiche an Bauch und Rücken dazu gekommen. "Jetzt tat es richtig weh", erinnert sich der Jungimker. Mit äußerlich erzwungener Ruhe habe er die Wabe wieder in die Zarge gesteckt, den Deckel aufgesetzt und sich sofort zur Verarztung in die Hände seiner Frau Martina begeben. "Da hab ich mich an den Rat aus dem Kurs erinnert, anfangs immer mit Schutzkleidung zu arbeiten", bekennt Tils. Die tags darauf mit der Bestellung eines Vollschutzanzugs endete.

Zwei Wochen später zog er dann geschützt das zweite Volk, das seither in einem benachbarten Holzkasten lebt. "Jedes Jahr ein neues Volk", plant er grob die Bienenpopulation in seinem Garten. 17 Honiggläser haben seine 40000 Bienen dieses Jahr gesammelt. Ende der Woche will er ein zweites und letztes Mal die Waben ausschleudern. "Auf 25 Honiggläser werde ich es dann wohl bringen. Die esse ich noch alle selber oder verbacke sie in meine Weihnachtsbrötchen", freut sich Tils.

Info Informationen und Termine für Neuimkerkurse unter www. biv-schwaebisch-hall.de

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