Bibliothek wird gebaut

Verbale Scharmützel begleiten im Gemeinderat den ultimativen Beschluss für eine neue Bücherei in Schrozberg. Stadt muss 823.000 von 1,4 Millionen Euro alleine stemmen.

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  • Platz für über 10 000 Bücher und andere Medien: Die Raumaufteilung der geplanten Bücherei in Schrozberg.  1/2
    Platz für über 10 000 Bücher und andere Medien: Die Raumaufteilung der geplanten Bücherei in Schrozberg. Foto: 
  • Freut sich auf das neue Domizil für die papiernen Schätze: die Schrozberger Büchereileiterin Anette Brändle.  2/2
    Freut sich auf das neue Domizil für die papiernen Schätze: die Schrozberger Büchereileiterin Anette Brändle. Foto: 
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Der umstrittene Neubau einer kommunalen Bücherei in Schrozberg ist jetzt endgültig in trockenen Tüchern: Mit 16 zu 7 Stimmen votierte der Gemeinderat für das schulnahe Projekt auf dem früheren Stabilo-Areal in der Bahnhofstraße.

Rund 1,4 Millionen Euro will sich die Stadt den Ersatz der bisherigen, recht betagten Bibliothek im zweiten Stock des Schlosses kosten lassen, die für gehbehinderte Menschen bislang nur schwer oder gar nicht zu erreichen ist. Aus zwei Zuschussquellen (Ausgleichstock und Städte­bauförderung) fließen insgesamt 644 000 Euro – bleibt ein großer Rest von rund 823 000 Euro, den die Stadt selbst stemmen muss.

Die Debatte um eine neue Heimstatt für die papiernen Schätze reicht schon über vier Jahre zurück und nahm durch den Bürgerentscheid zum Freibad noch an Schärfe zu. Jahrelang befasste sich das Gremium zudem mit diversen Standorten für den Neubau.

Und auch der Bau-Beschluss, mit dem jetzt grünes Licht für den Feinschliff der Pläne aus dem Ingenieurbüro Michael Fleck gegeben wurde, ging nicht ohne Scharmützel im Gemeinderat ab. So unternahm Stadtrat Hans-Joachim Feuchter (Wahlgemeinschaft für Jedermann) einen letzten Versuch,  das Projekt noch auf der Zielgeraden zu stoppen: „Wir sollten einen Bau mit solch‘ hohen Eigenmitteln so lange schieben, bis wir Klarheit über die großen Investitionsbrocken wie Feuerwehr, Breitband und Freibad haben.“ Überhaupt sollten die Bürger in die Entscheidung einbezogen werden – entweder per Bürgerentscheid oder in einem Arbeitskreis. Sein entsprechender Antrag wurde allerdings mit 18 zu 5 Stimmen abgelehnt.

Stadtrat Armin Bönisch (SPD) und sein Parteifreund Frank Weiß führten ins Feld, dass auch die laufenden Kosten einer Bücherei berücksichtigt werden müssten. Bürgermeisterin Jacqueline Förderer verwies auf eine Berechnung aus dem Jahr 2015, die für diesen Posten 160 000 Euro pro Jahr auswies. Derzeit fallen rund 116 000 Euro inklusive Personalkosten an. Die Rathaus-Chefin, Bauamtsleiter Thomas Pöschik und die Kämmerin Carmen Kloss warnten unisono davor, das Projekt und damit auch die Zuschüsse zu schieben: „Das können wir nicht ewig machen“, sagte Jacqueline Förderer.

Denkbar wenig hielten die Stadträte Frank Klöpfer und Ulrich Herrschner (beide Freie Wählervereinigung) von einer erneuten Vertagung der Entscheidung: Alle Daten lägen vor, man könne jetzt einen Knopf daran machen. So sah es auch Klaus Kraft (CDU): „Ein Rückzieher würde die ganze jahrelange Diskussion konterkarieren.“ Dass es in den Fraktionen keine einheitliche Meinung zur Bibliothek gibt, zeigte die Position von Lothar Mühlenstedt (CDU): „Es wäre kein Schaden, den Beschluss zu vertagen – und einen solchen Druck mit Verweis auf Zuschüsse kann ich sowieso nicht leiden.“

Eine Sorge jedenfalls brauchen sich die Stadträte auch bei einem Neubau nicht zu machen: Die Bücherei läuft schon jetzt bestens. Unter der Regie von Anette Brändle haben sich die Entleihungen zwischen 2011 (22 200) und 2016 (40 900) nahezu verdoppelt.

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