Betrugsprozess Wittenweiler: Weitere Zeugen belasten den Angeklagten

Nach wie vor bemüht sich das Landgericht in Paderborn intensiv darum, das Puzzle im Wittenweiler Windkraft-Betrugsprozess gegen den Angeklagten Mike Rico Trentzsch zusammenzubekommen.

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Am mittlerweile siebten Verhandlungstag wurde der 42-jährige Angeklagte aus Lippstadt mit einem Zeugen konfrontiert, dem er 35.000 Euro abgeluchst haben soll. Wie mehrfach berichtet, wird Trentzsch vorgeworfen, vor allem im Zusammenhang mit dem Windpark Wittenweiler Anleger um mehr als eine Million Euro betrogen zu haben. Verschwundene 90.000 Euro, die eigentlich der Betriebsgesellschaft des Windparks Lindlein gehören, nehmen sich da vergleichsweise gering aus. In diesem Anklagekomplex legte nun ein Zeuge glaubwürdig dar, wie der Angeklagte ihn offenbar hinters Licht geführt hatte: Der 72-jährige Handwerker aus Niederstetten war bereits vor über zehn Jahren Gesellschafter im Windpark Lindlein geworden und hatte 2011 schließlich ein Angebot von Trentzsch bekommen, seine Anteile gegen solche am geplanten Windpark in Wittenweiler zu tauschen. Er habe auf dieses Angebot nicht reagiert, sagte der Rentner: "Da war ja noch nichts gebaut, und der andere Windpark lief."

Rückzahlung vorgetäuscht

Umso erstaunter sei er aber dann gewesen, dass plötzlich ein Schreiben kam, indem ihm für seinen angeblichen Wechsel gedankt wurde. "Das wird doch erst vollzogen, wenn ich eine Unterschrift leiste", begründete der Zeuge, warum er danach nichts weiter unternommen hatte. Trentzsch soll so 35.000 Euro Gesellschaftsanteile des Zeugens aus Lindlein herausgezogen haben und das Geld dann an die Betriebsgesellschaft überwiesen haben - allerdings deklariert als ersten Teil einer irrtümlich erhaltenen Summe von 90.000 Euro, um eine Rückzahlung vorzutäuschen.

Diesen Betrag hatte eine als Zeugin geladene Buchhalterin durch einen Buchungsfehler an Trentzsch Firma Vinus weitergeleitet: Sie waren als Einspeisevergütung geflossen - und dann bei der Verwaltungsgesellschaft gelandet, über die der Angeklagte die Geschäftsführung des Windparks besorgte.

Trentzsch, so die Zeugin, habe kurz darauf mitgeteilt, er werde den Betrag erstatten. Dies aber sei nicht geschehen. Stattdessen hatte der 42-Jährige den Betrag in mehreren Tranchen als Privatentnahme von dem Firmenkonto abgezogen.

200.000 Euro aus alten Forderungen

Mittlerweile fehlen der Windparkgesellschaft Lindlein erhebliche liquide Mittel, wie deren Geschäftsführer erläutert hatte. Weder Zinsen noch Ausschüttungen können derzeit bedient werden. Neben den verschwundenen 90.000 Euro habe die Gesellschaft noch alte Forderungen von 200.000 Euro zu begleichen - diese gegenüber dem früheren Chef und Geschäftspartner des Angeklagten, Michael Behlau. Er hatte den Windpark Lindlein seinerzeit projektiert und errichtet, dann aber 2009 die Geschäftsführung an den Angeklagten abgegeben, nachdem die Gesellschafter das Ausbleiben von Einnahmen beklagt hatten.

Für den Prozess sind weitere Termine bis Ostern angesetzt - mit einer langen Liste an Zeugen.

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