Betrugsprozess um Windpark Wittenweiler: Zeugen sind glaubwürdig

Der Betrugsprozess gegen Mike Rico Trentzsch wird fortgesetzt: Im Mai stehen weitere Termine an. Es geht um den Windpark Wittenweiler. Das Landgericht sieht eine hohe Glaubwürdigkeit der Zeugen.

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Nach fünf Monaten deutet sich vage ein Ende des Strafprozesses gegen Mike Rico Trentzsch an. Der 43-Jährige aus Lippstadt wollte in Blaufelden den Windpark Wittenweiler bauen und steht in Paderborn seit November vergangenen Jahres unter anderem wegen mutmaßlichen Betruges vor Gericht.

Zahlreiche Zeugen hat die 1. Große Strafkammer bislang gehört, darunter eine Vielzahl von Anlegern aus Hohenlohe, die Trentzsch um ihre für den Windpark gezeichneten Einlagen gebracht haben soll, einen Unternehmer aus dem Badischen, der für den Windpark vorbereitende Arbeiten ausgeführt hatte, ohne bezahlt worden zu sein, und die Insolvenzverwalterin, die aus Trentzschs Firmenkonglomerat noch Geld machen soll, um die Forderungen der Gläubiger zu befriedigen.

Den aktuellen Stand der Beweisaufnahme fasste Vorsitzender Richter Bernd Emminghaus jetzt zusammen. Es sei durchweg eine hohe Glaubwürdigkeit der Zeugenaussagen festzustellen, betonte der Richter: Die Anleger seien mit hohen Zinsversprechen gelockt worden, wobei auffällig sei, dass sich - gerade am Beispiel der im Ostseebad Kühlungsborn vom Angeklagten gekauften Immobilie - die in Aussicht gestellten kurzfristigen Zinserlöse gesteigert hätten.

"Er musste zunehmend mehr Geld einnehmen", kommentierte der Richter die Versuche des Angeklagten, immer mehr Beteiligungen und Einlagen einzuwerben. Es sei jedoch bei verschiedenen Zeugen nicht klar, ob der Angeklagte sich eines versuchten oder vollendeten Betruges schuldig gemacht haben könnte, da manche Geschädigte bei der Rückforderung ihrer Einlagen äußerst nachsichtig mit Trentzsch umgegangen seien.

Die Millionengrenze beim verursachten Schaden sei aber schon allein mit den nicht bezahlten Leistungen der Firma Seewind - fast 850.000 Euro für Wege, Kranstellflächen und Fundamente für die Windkraftanlagen in Blaufelden - sowie den verschwundenen Kommanditeinlagen eines Handwerkers aus der Nähe von Heilbronn erreicht worden. Letzterer müsse im Zuge der Folgen seines gescheiterten Investments um seine wirtschaftliche Existenz bangen.

Aus Sicht der Staatsanwaltschaft wäre die Einvernahme weiterer Zeugen bis auf ganz wenige Ausnahmen verzichtbar, sagte Oberstaatsanwalt Ralf Günther - es gebe aber weitere Geschädigte, deren Anhörung seiner Einschätzung nach sich eher weiter strafschärfend für Trentzsch auswirken könne. "Vielleicht denken der Angeklagte und sein Verteidiger mal darüber nach, was da noch alles auf ihn zurollen könnte", mahnte Günther.

Der Prozess soll Anfang Mai mit weiteren Zeugen fortgesetzt werden. Ob dazu auch der Energieunternehmer Michael Behlau gehören könnte, ist noch offen: Jener war zu Prozessbeginn von Mike Rico Trenzsch häufig genannt und etlicher Machenschaften am Rande der Legalität beschuldigt worden - jetzt teilte die Verteidigung auf Nachfrage der 1. Großen Strafkammer mit, sie halte Behlaus Einvernahme für nicht unbedingt erforderlich.

"Das wundert mich etwas", sagte Oberstaatsanwalt Günther, "den Namen haben wir in den ersten Tagen öfter gehört als alles andere. Da wundert es mich, dass die Verteidigung ihr Fragerecht nicht ausüben will." Er selbst wolle bei einem der nächsten Termine dazu eine Erklärung abgeben.

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