Betrugs-Prozess gegen Mike Rico Trentzsch geht auf die Zielgerade

Der Prozess gegen den mutmaßlichen Millionenbetrüger Mike Rico Trentzsch neigt sich dem Ende zu. Voraussichtlich Mitte Juni will die Erste Große Strafkammer des Landgerichts Paderborn das Urteil sprechen.

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Bei der Einvernahme von Zeugen kamen beim jüngsten Verhandlungstag erstmals Zahlen auf den Tisch über den Gesamtumfang an Geldern, den Trentzsch im Zusammenhang mit dem geplanten Windpark Wittenweiler bewegt haben soll. Aufschlussreich schilderte ein Beamter der Staatsanwaltschaft, der die Zahlungsströme von Trentzschs Firmen geprüft hatte, woher Gelder gekommen und wohin sie geflossen waren. Insgesamt hatte der gescheiterte Windkraft-Unternehmer demnach zwischen Dezember 2009 und August 2011 2,6 Millionen Euro eingenommen - 800.000 Euro an Genussrechten und 660.000 Euro an Stillen Beteiligungen für das Windkraftprojekt, 260.000 Euro an Kommanditeinlagen für Windräder sowie 800.000 Euro aus dem Verkauf von Projektrechten an den Windkraftanlagen, bei denen teils immer noch nicht klar ist, wer diese Rechte zum Zeitpunkt des Verkaufs tatsächlich besessen hatte. Weitere 177.000 Euro soll Trentzsch nach Erkenntnissen der Staatsanwaltschaft durch Ausgabe von Genussrechten an einer Immobilie an der Ostsee eingenommen haben.

Insgesamt, so der Zeuge, habe der Angeklagte von diesen 2,6 Millionen Euro bis auf 134.000 Euro, deren Verbleib nicht geklärt werden konnten, alles ausgegeben: Unter anderem Anzahlungen an den Hersteller der Windkraftanlagen für Blaufelden, Pachten für die Grundstücke, behördliche Genehmigungen habe er daraus bezahlt, auch den Kauf der Projektrechte am Windpark seines früheren Chefs Michael Behlau.

Allerdings tauchen in den Zahlungsströmen auch Beträge auf, die in völlig andere Projekte geflossen waren: So hatte Trentzsch nach Feststellung des Wirtschaftsprüfers etwa die Anzahlung für den geplanten Ankauf einer Ostsee-Villa lückenlos nachvollziehbar aus Anleger-Geldern für den Windpark geleistet und eine andere Immobilie im selben Ort erworben, diese allerdings auf seinen eigenen Namen ins Grundbuch eintragen lassen.

"Ständig irgendwo ein Geldloch stopfen"

Der Zeuge kam zu dem Schluss, dass Trentzschs Firmenkonglomerat faktisch ein Konzern gewesen sei, den der Angeklagte nach dem Motto geführt habe: "Linke Tasche, rechte Tasche, alles meins." Die Finanzströme zwischen den Firmen hätten bei genauer Betrachtung keine Ordnung erkennen lassen, "nur den Bedarf, ständig irgendwo ein Loch zu stopfen". Häufig hätten die Kontobewegungen den Eindruck hinterlassen, dem Zahlungsempfänger die tatsächliche Herkunft der Beträge zu verschleiern.

Über einen solchen Fall berichtete ein Mitarbeiter einer regionalen Bank in Ostwestfalen, bei der Trentzsch mehrere Konten führte. Der Angeklagte habe dort eine Finanzierung für die Ostsee-Villa angefragt und, als dies nicht vorankam, angeboten, als Eigenanteil einen Betrag aus den Einnahmen an einer Windkraftanlage in Blaufelden, die es bis heute nicht gibt, als Sicherheit für die Tilgung des Immobilien-Kredits an die Bank abzutreten. "Das geht nicht", sagte der Banker, "wir haben klar gesagt, dass dies kein Eigenanteil ist." Auch eine Finanzierungsanfrage für den Windpark Wittenweiler habe die Bank schließlich abgelehnt, nachdem der Streit zwischen Trentzsch und Behlau über die Projektrechte lief. Zudem seien der Bank Kontopfändungen bei den Projekt- und Betriebsgesellschaften für Blaufelden bekanntgeworden. "Eine Häufung negativer Aspekte", nannte es der Zeuge. Das Geschäftsverhältnis mit Trentzsch sei von der Bank später gekündigt worden, als er über Monate hinweg und nach etlichen Aufforderungen ein Geschäftskonto, das fast 90.000 Euro im Soll gewesen sei, nicht ausgeglichen habe.

Ende Mai und Anfang Juni sollen die letzten Zeugen gehört werden. Der von Trentzsch zum Auftakt des Prozesses mehrfach unseriöser Geschäftsmethoden bezichtigte Michael Behlau gehört nicht dazu: Er habe auf Anraten seiner Anwälte seine Zusage, in den Zeugenstand treten zu wollen, zurückgezogen, war zu erfahren.

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