Bessere Finanzierung

Für ein Treuhandkonto spricht aus Sicht der Gemeinde Obersontheim die geringere Belastung des Haushalts mit Tilgungszahlungen. Außerdem kann die Gemeinde Bauplätze je nach Bedarf erschließen.

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Dieses Archivfoto zeigt ein Baugebiet in Obersontheim - zahlreiche Häuser sind mit Fotovoltaikanlagen bestückt. Archivfoto: Marc Weigert  Foto: 

So erwünscht der Anstieg der Einwohnerzahl durch Zuzug in den meisten Gemeinden ist, so müssen die Kommunen doch bei der Erschließung von Baugebieten mit großen Beträgen in Vorleistung gehen, weil die Einnahmen über die verkauften Bauplätze erst nach und nach kommen. Die nötigen Mittel holen sich die Gemeinden normalerweise über Kredite. Für die weitere Erschließung des Baugebiets Gaukler VI müsste auch Obersontheim einen ziemlich großen Kredit aufnehmen. "Der würde die Gemeinde trotz aktuell niedriger Zinsen auf Jahre stark belasten", so Kämmerer Jonathan Richter. Kleinere Kredite je nach Bauplatznachfrage aufzunehmen, sei auch nicht sinnvoll, weil dann die Konditionen schlechter wären. "Mit einem Treuhandkonto dagegen kann die Gemeinde der großen Nachfrage nach Bauplätzen gerecht werden, ohne die Haushalte der nächsten Jahre zu sehr zu belasten", heißt es sinngemäß in der Sitzungsvorlage des Obersontheimer Gemeinderats.

Doch wie funktioniert ein Treuhandkonto, das Obersontheim einrichten will? Es hat einen bestimmten Kreditrahmen, den der Gemeinderat auf 1,5 Millionen Euro festgelegt hat, und eine Laufzeit von sieben Jahren. Aus dem Kredit finanziert die Gemeinde je nach Bedarf an Bauplätzen die Erschließung. "Dadurch ist die Gemeinde viel flexibler, als wenn sie die Erschließung im Haushalt einplanen müsste", so Richter. Nur für die benötigten Mittel zahlt sie Zinsen und nur sie belasten den Haushalt. Eine monatliche Tilgung, die der Haushalt sonst abdecken müsste, gibt es nicht. Stattdessen werden die Verkaufserlöse direkt auf das Treuhandkonto gebucht und vermindern dort die Schulden.

Einziger Nachteil des Treuhandkontos: Die Einnahmen aus den Bauplatzverkäufen fließen nicht in den Haushalt. Erst nach Ablauf der sieben Jahre kommen sie ihm zugute. Bei einem Defizit muss die Gemeinde nachfinanzieren.

"Uns ist wichtig, dass das Treuhandkonto vollständig im Haushalt abgebildet wird und keine zweite Buchführung als Schattenhaushalt nebenher läuft", stellt Richter klar. So fließen die daraus entnommenen Mittel stichtagsgenau in die Schuldenbilanz der Gemeinde.

Beim Gemeinderat stieß der Vorschlag auf offene Ohren. Rainer Heizmann meinte, es sei sinnvoll, nicht alles auf einmal zu erschließen, damit nicht die "Sahnestückle" aus den Grundstücken herausgepickt werden und die Gemeinde auf den weniger attraktiven Bauplätzen sitzen bleibt. Elisabeth Kümmerer wollte wissen, ob die Zinsen bereits in den Haushalt 2016 einkalkuliert sind. Das verneinte Richter. Er müsse zuerst noch Angebote der Banken einholen.

Viele Obersontheimer Neubürger bauen im Gaukler

Bauplätze Obersontheim hat die letzten fünf Jahre 91 Plätze, davon 66 im Baugebiet Gaukler verkauft. Im zuletzt erschlossenen Gaukler V gibt es derzeit zwei freie und sieben reservierte Bauplätze. Elf weitere Bauplätze werden im Frühjahr 2016 erschlossen, acht sind schon reserviert. 2016 rechnet die Gemeinde mit 25 bis 30 Bauplatzverkäufen, davon circa 20 im Gaukler. Auch 2017 und 2018 hofft sie im Gaukler auf ähnliche Zahlen. Dazu will sie dort weitere 39 Grundstücke erschließen. Mit dem Zuzug lässt sich die Zahl der Bauplatzverkäufe nur bedingt in Zusammenhang bringen. "Wir hatten im Jahr 2015 350 Zuzüge. Im Gaukler wurden davon 39 Personen neu angemeldet", so Trittner. Trotzdem liegt der Anteil der Zugezogenen im gesamten Gaukler bei 75 Prozent.

SWP

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