Berufsverbot für Hebammen

Bundesweit gehen derzeit Hebammen auf die Barrikaden. Bei uns tut das eine Elterninitiative. Sie machte gestern in Braunsbach darauf aufmerksam, dass es vielleicht bald keine Hebammen mehr gibt.

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In der Braunsbacher Hebammenpraxis von Martina Eirich sind gestern knapp 30 Mütter, ein paar Schwangere, ein paar Väter und gut 20 kleine Kinder zu Gast. Sie alle vereint ein Ziel: "Uns liegt das Wohl der Hebammen am Herzen", sagt Karin Sautter-Ott. Sie hat eine Elterninitiative ins Leben gerufen, die gestern in Braunsbach über die prekäre Situation der Hebammen aufgeklärt hat.

Denn deren finanzielle Ausstattung sei in den letzten Jahren immer schlechter geworden; vor allem die Versicherung schlage zu Buche. Susanne Otter, Sprecherin der Hebammen im Kreis Schwäbisch Hall, kennt die Zahlen: In den 1980er-Jahren betrug die Prämie der Berufshaftpflicht für die Geburtshilfe noch jährlich (umgerechnet) 30 Euro. Heute sind es fast 5100 Euro. Viel Geld für Hebammen, die ohnedies nicht viel verdienen.

"Deshalb gibt es auch immer weniger", sagt Otter. "In Crailsheim waren es vor zwei Jahren noch fünf. Jetzt sind es nur noch drei."

Doch die steigenden - und für Hebammen fast unerschwinglichen - Sätze sind noch nicht mal das größte Problem, erklärt Elternaktivistin Sautter-Ott. "Die Nürnberger Versicherung will ab nächsten Sommer Hebammen überhaupt nicht mehr versichern", und dabei sei sie eine der letzten, die Hebammen überhaupt noch annimmt. Der Rückzug des Versicherers kommt für die Hebammen praktisch einem Berufsverbot gleich, fürchten die Eltern. Denn: Wer nicht haftpflichtversichert ist, darf auch keine Geburten betreuen.

Vor- und Nachsorge sei zwar noch möglich, meint Joanna Jakob, Hebamme in Bad Mergentheim. Doch viele Kolleginnen würden dann aufhören. Hebamme Martina Eirich: "Das zieht einen ganzen Rattenschwanz nach sich. Es wird immer schwerer werden, eine Hebamme zur Nachsorge zu finden."

Martina Eirich, in deren Braunsbacher Praxis sich die Elterninitiative traf, wird ihre Praxis unter diesen Bedingungen schließen. Dabei ist sie nach eigenen Angaben die Hebamme mit den bundesweit meisten Hausgeburten. 70 betreut sie jährlich: "Das bedeutet Einsatz und Rufbereitschaft rund ums Jahr rund um die Uhr."

Doch wer meint, dass die Rote Karte der Versicherer nur Hausgeburt-Hebammen betrifft, der irrt: Nein, auch die freiberuflichen Hebammen in den Kliniken - und das sind fast alle - sind betroffen. Auch sie müssen sich selbst versichern, erklärt Susanne Otter. Und insofern ist die Diskussion "Hausgeburt ja oder nein" gar nicht unbedingt das Thema der existenzbedrohenden Situation der Hebammen.

Dennoch plädieren die Eltern in Braunsbach für eine Wahlfreiheit in Sachen Geburt, und die meisten von ihnen sind der Ansicht, dass die Entbindung zu Hause sowieso das einzig Wahre sei. "Ich hatte zwei Geburten", berichtet eine Mutter. "Die erste in der Klinik, die zweite zu Hause. Nach dieser Erfahrung werde ich nie wieder in der Klinik entbinden", sagt sie und fügt an: "Wenn es ab nächstem Sommer keine Hebammen mehr gibt, die Hausgeburten betreuen, ist meine Familienplanung definitiv abgeschlossen."

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