Beim Weckelweiler Gespräch geht es um die Entwicklung der Landwirtschaft

"Wachsen oder weichen" ist in der Landwirtschaft heute mehr denn je die Devise. Wohin die Entwicklung führt, wurde beim 46. Weckelweiler Gespräch in der Bauernschule Hohenlohe kontrovers diskutiert.

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Dem Thema "Zukunftslandwirtschaft im Disput" stellten sich auf Einladung von Hartmut Heilmann, dem Vorsitzenden des Trägervereins der Bauernschule, drei Experten zum Podiumsgespräch: Klaus Mugele, der Vorsitzende des Bauernverbands Schwäbisch Hall-Hohenlohe-Rems, Martin Schäfer von der Arbeitsgemeinschaft Bäuerliche Landwirtschaft (ABL), sowie Manfred Mächnich vom Umweltzentrum Schwäbisch Hall.

Hartmut Heilmann schlug in seinem Eingangsreferat den Bogen weit zurück zu den Anfängen der Landwirtschaft in Mitteleuropa: Durch die Rodung des Waldes für den Anbau habe der Mensch die Vielfalt in die Landschaft gebracht. Über Jahrtausende war die Landwirtschaft eingebettet in ein "Leben in der Naturordnung", führte der Diplom-Agraringenieur aus, heute hingegen sei sie komplett beherrscht von der Ordnung des Marktes. Zwar habe es schon über Jahrzehnte einen stetigen Strukturwandel gegeben, momentan aber vollziehe sich ein Strukturbruch, der das Ende des ländlichen Raumes als naturräumliche wie soziale und kulturelle Eigenheit bedeute, warnte Heilmann.

Klaus Mugele gab zu bedenken, dass der Bürger vor 60 Jahren noch die Hälfte seines Einkommens für Lebensmittel ausgegeben habe, heute nur noch zehn Prozent. "Wir erzeugen hervorragende Produkte zu niedrigen Preisen", betonte der Vertreter des Bauernverbandes. Dessen vornehmliches Ziel sei es, "die Betriebe in die Lage zu versetzen, dass sie den Betrieben anderer Regionen Paroli bieten können. Eine zukunftsfähige Landwirtschaft stehe auf drei Säulen - "mit der Ökonomie an erster Stelle als Fundament für Ökologie und Soziales".

Das Primat der Ökonomie in Mugeles Plädoyer provozierte den Widerspruch des Naturschutzexperten Manfred Mächnich. Spätestens seit der Rio-Konferenz von 1992 sei man sich einig, dass die Ökologie den Rahmen vorgebe. Für den Vorsitzenden des Vereins "Umweltzentrum Kreis Hall" ist die industrialisierte Landwirtschaft maßgeblich verantwortlich für den Rückgang der Artenvielfalt und gefährde mit ihrem hohen Verbrauch vorwiegend fossiler Energie auch den Klimaschutz. Sie rentiere sich nur deshalb, weil das Verursacherprinzip nicht angewendet werde und die Kosten der Folgeschäden für Mensch, Tier und Umwelt auf den Steuerzahler abgewälzt würden, glaubt Mächnich.

Für Obergrenzen bei der Agrarförderung sprach sich der Landesverbandsvorsitzende der ABL Baden-Württemberg, Martin Schäfer, aus. Von den Subventionen profitieren seiner Meinung nach in erster Linie die Großbetriebe. Auch die wachsenden Futtermittelimporte aus Übersee sieht er problematisch: "Das hat mit Nachhaltigkeit nichts zu tun." Die heutige hoch technisierte Landwirtschaft werde "in zehn bis zwanzig Jahren als Irrweg abgetan", ist der Neuensteiner Demeter-Landwirt überzeugt. "Wir werden uns ökologisch ernähren oder gar nicht mehr", zitierte er einen aktuellen Buchtitel als sein Credo.

Kritik am bestehenden System kam auch aus dem Publikum: "Es ist lebenszerstörend, nicht lebensfördernd", klagt Biobauer Hubert Krimbacher an. Er orientiert sich am Vorbild der Natur und sprach sich nachdrücklich für kleine und vernetzte Strukturen aus. Mit dem Plinius-Zitat "Der Großgrundbesitz hat Rom zerstört" bekräftigte Moderator Hartmut Heilmann sein Statement und prognostiziert der Landwirtschaft von morgen: "Nur Partnerschaften werden eine Zukunft haben."



Die Bauernschule Hohenlohe wurde 1949 von dem Weckelweiler Landwirt Fritz Strempfer gegründet. Er hat schon früh die Bedrohung des bäuerlichen Familienbetriebes durch eine industriebasierte Landwirtschaft erkannt und etablierte eine Forschungs- und Schulungsstätte für ökologischen Anbau. Mit ihrem Kurs- und Vortragsangebot gilt die Bauernschule als wichtige Pionierstätte des Öko-Landbaus. Ihr Programm steht im Internet unter www.bauernschulehohenlohe.de.

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