Beim Wahlforum geht es nicht nur um Inhalte

Ganz klar, bei der Wahlentscheidung am 22. September sollte es zuvörderst um Inhalte gehen und um unterschiedliche Antworten auf die ganz großen Fragen unserer Zeit - so die Protagonisten sie uns denn verraten.

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Und doch lässt man den Nachtgrabb nicht gern ans Bett, auch wenn er einem nur das Lieblingsmärchen vorlesen möchte. Will heißen: Sympathie spielt eine durchaus nicht zu unterschätzende Rolle, wenns ans wahltägliche Ankreuzen geht - gerade bei der Erststimme. Denn das personalisierte Verhältniswahlrecht verlangt uns nun einmal nicht nur dem Namen nach ein persönliches Verhältnis zu den Politikern ab.

Und so ging es beim Wahlforum der drei Kreiszeitungen in Ilshofen neben Fallpauschalen, Windkraftanlagen und Autobahn-Ausbauplänen auch schlicht und einfach um die Kandidaten selbst - etwa, als Moderator Dr. Marcus Haas deren Alltagstauglichkeit testete. Wie viel dieses oder jenes Produkt auf dem Haller Wochenmarkt koste, wollte er wissen. Da lernten die Zuschauer, dass Christian von Stetten bereit wäre, 2,80 Euro für ein Kilo Bio-Dinkelbrot auszugeben. Dumm nur, dass ein solches 4,90 Euro kostet. "Ein halbes hätte ich bekommen", rechnete von Stetten schnell. Stimmt, und vielleicht noch eine Scheibe Wurst obendrauf.

Nun ist Sparsamkeit ja nicht die schlechteste Eigenschaft eines Politikers. Also wollten die Konkurrenten dem CDU-Mann wohl in nichts nachstehen und lagen ebenfalls teils deutlich unterm realen Preis von Saitenwürstchen, Butterkäse und Co. Einzig Peter Gansky, langjähriger Marktgänger aus Überzeugung, wusste fast auf den Cent genau, wie viel er für Bio-Tomaten hinzulegen hat.

Letzterer übrigens gab auch ganz ungeahnte - und unerfragte - Einblicke: "Ich hebe lieber meine Schwiegermutter als 50 Kilogramm Stahl", ließ er die Versammlung wissen - und antwortete damit auf die Aussage Annette Sawades in Bezug auf die Arbeit von Pflegekräften, 50 Kilogramm Stahl seien leichter zu heben als 50 Kilogramm Mensch. "Wenn Sies fallen lassen, ists beim Stahl jedenfalls nicht so schlimm", bemühte sich die SPD-Kandidatin um das letzte Wort, hatte die Rechnung aber nicht mit ihrem Gegenüber gemacht. Gansky: "Das kommt ganz drauf an." Allgemeine Erheiterung.

Und was gab es sonst noch über Abgeordnete und Möchtegern-Abgeordnete zu erfahren? Pirat Alexander Brandt zieht einen verkaufsoffenen Sonntag dem Kirchgang ebenso vor wie Fleischküchle vegetarischen Grünkernbratlingen. Florian Vollert (Linke) findet Vielfalt spannender als Einheit und geht gern zum Stammtisch, momentan aber weit häufiger zum Elternabend.

Stephen Brauer (FDP) wiederum diskutiert lieber als Anweisungen zu geben und braucht einen Kaffee zum Wachwerden, während Harald Ebner (Grüne) dafür wohl gar keine Zeit hat: Nicht einmal für Bücher und CDs findet er momentan ruhige Minuten.

Peter Gansky (ÖDP) spült indes lieber Geschirr als Staub zu saugen - der warmen Hände wegen. Christian von Stetten (CDU) fährt in Berlin Fahrrad und in Hohenlohe Auto. Und Annette Sawade (SPD) hälts mehr mit dem Abendrot als mit der Morgenstunde.

Mit welchem der Bewerber es die Hohenloher Wähler letztendlich halten, das wissen wir dann in einer guten Woche. Einstweilen gilt, was Moderator Andreas Harthan den Besuchern des Wahlforums am Ende der Diskussion mit auf den Heimweg gab: "Wählen ist erste Demokratenpflicht."

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