Bauern werden Vogelschützer

Naturschutz und Landwirtschaft reiben sich oft aneinander. Nicht so im Vogelschutzgebiet Wallhausen, wo die Bauern mitmachen. Auch an den Hängen des Kochertals klappt es mit dem Naturschutz.

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Kiebitze sind seltene Vögel, die im Vogelschutzgebiet bei Wallhausen wieder eine Heimat gefunden haben. Die Landwirte helfen den Vögeln, wenn sie so genannte Kiebitz-Fenster stehen lassen. Archivfoto

Dass es wenig Reibungspunkte gibt, ist mit ein Verdienst des Landschaftserhaltungsverbandes (LEV) Schwäbisch Hall, der nach dem Regierungswechsel in Stuttgart eine zusätzliche Mitarbeiterin bekommen hat, die Agrarwissenschaftlerin Judith Riehle. Eine ihrer Aufgaben betrifft das Vogelschutzgebiet Wallhausen, ein rund 540 Hektar großes Gebiet, das teilweise auch zur Gemeinde Satteldorf gehört. Es ist eine ausgeräumte Agrarlandschaft, also Grünland mit wenig Sträuchern und Bäumen - dort fühlen sich seltene Vogelarten wie der Wachtelkönig und der Kiebitz wohl.

"Das sind Wiesenbrüter, die ein weites Sichtfeld brauchen, um Feinde rechtzeitig zu erkennen", erklärt die neue Kollegin von LEV-Geschäftsführerin Beate Leidig. Damit das Gebiet den Vögeln trotz Landwirtschaft erhalten bleibt und - so hoffen sie - noch mehr Vögel anzieht, schlagen sie den Landwirten beispielsweise vor, zum Schutz des Wachtelkönigs Teile von Wiesen erst im August zu mähen. Flächen von 50 mal 50 Metern innerhalb ihrer Äcker zwischen Mitte März bis zur Erntezeit nicht zu befahren, ist eine Maßnahme zum Schutz des Kiebitz: Kiebitzfenster nennen die Fachleute das, weil diese Regenpfeiferart dort ihr Nest bauen kann.

Überrascht sind Leidig und Riehle über die große Bereitschaft der dortigen Landwirte, mit ihnen zusammenzuarbeiten. "Die haben ihren Spaß daran", hat Beate Leidig festgestellt und erzählt von einem Bauern, der beim Säen einen brütenden Kiebitz entdeckt hat. Er habe dann einfach 25 Quadratmeter rund um das Nest ausgelassen und nach kurzer Zeit seien die Vögel zu ihrem Nest zurückgekehrt. Es zahle sich jetzt aus, dass sie hier die Bauern von Anfang an mit einbezogen haben, meint sie.

Ein FFH-Gebiet liegt an den Hängen des Kochers flussabwärts von Hall. Es beherbergt wertvolle Flächen mit großem Artenreichtum. An den Südhängen wurde früher Wein angebaut. Seit den 1980er Jahren werden sie nicht mehr bewirtschaftet und liegen brach. "Früher oder später würde das alles zu Wald", erklärt Leidig. Den Hanglagen komme zu Gute, dass die Landwirte sie ungern intensiv bearbeiten, also werden sie kaum gedüngt und selten gemäht. So wachsen auf den kleinflächigen Kalkmagerrasen, den Steinriegeln und Trockenmauern der früheren Weinberge seltene Pflanzenarten, die Trockenheit und Wärme lieben. Sie bieten vor allem Insekten, aber auch Reptilien, Lebensraum. Um die Flächen vor Verbuschung zu bewahren, werden sie schon viele Jahre gepflegt: etwa von Andreas Rühle, der in Obermünkheim einen Landschaftspflegehof hat und seine Schafe dort weiden lässt.

Auch oberhalb von Hall erstreckt sich entlang des Kochertals und der Bibers ein FFH-Gebiet, unter anderem mit Flachland-Mähwiesen, ebenfalls ein Lebensraum, der wegen seiner seltenen Pflanzen für bestimmte Insekten wie den Dunklen Wiesenknopf-Ameisen-Bläuling überlebenswichtig ist. Bei diesen relativ großen, schützenswerten Flächen sei der Druck zur intensiven Bewirtschaftung für die Landwirte hoch, bedauert Leidig. "Hier müssen wir viel verhandeln, bis sich die Bauern mehr oder weniger freiwillig auf die Maßnahmen zum Naturschutz einlassen."

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