Bankraub mit schwarzem Engel

Bevor ihn der Richter für neun Jahre und sechs Monate hinter schwedische Gardinen schickte, bemühte der Serien-Bankräuber ein himmlisches Bild: "Auf meiner Schulter saßen immer zwei Engel - der schwarze hat sich immer gegen den weißen durchgesetzt.

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Mit diesem Plakat fahndete die Polizei nach dem Bankräuber. Archivfoto

In den irdischen Niederungen seines kriminellen Alltages blieb der 57 Jahre alte Mann aus Möckmühl (Kreis Heilbronn), der bei sechs Banküberfällen in den Jahren von 2005 bis 2013 rund 350.000 Euro erbeutet hat, ein widersprüchliches Rätsel.

Wie ein Profi spähte er die Tatorte aus und präparierte vor den Überfällen seine Fingerkuppen mit Sekundenkleber, um keine Fingerabdrücke zu hinterlassen.

Wie ein Dilettant aber sackte er zum Teil auch noch das Münzgeld bei seinen Überfällen ein. In zwei Fällen ging er gar das Risiko ein, von Überwachungskameras gefilmt zu werden, als er völlig verängstigten Bankangestellten ihre eigenen EC-Karten mitsamt PIN abpresste, um damit in Nachbarorten noch auf die Schnelle Geld abzuheben.

Höchst erstaunlich auch, über welch langen Zeitraum hinweg der Mann seine regelmäßigen Raubzüge unternehmen konnte. Die Tatorte lagen nämlich allesamt gar nicht so weit von seinem Wohnort weg - im Fall Bretzfeld waren es gerade mal 18 Kilometer Luftlinie. Spätestens seit dem Überfall auf eine Bankfiliale in Weikersheim-Laudenbach im Juni 2012 existierte ein relativ gut getroffenes Phantombild, das auch bei der TV-Sendung "Aktenzeichen XY ungelöst" im Februar 2013 gezeigt wurde.

Aber kein Mensch erkannte offenbar den markanten Mann aus Möckmühl, der nicht nur seit Jahrzehnten in dieser Stadt ein gutbürgerliches Leben führte, sondern als Außendienstler eines großen Konzerns auch viel in der Gegend bei seinen Kunden herumkam.

Von seinen Überfällen schreckte der Mann auch nicht zurück, als er im Juni 2012 auf den Radarschirm der Ermittler geriet: Ein Zeuge hatte sich in Laudenbach das Kennzeichen eines Autos notiert, dessen Fahrer sich auffällig benahm.

Der Mann wurde Tage später von der Polizei vernommen, verlor aber nicht die Nerven. Die Handschellen klickten dann erst im November 2013 nach dem (zweiten) Überfall auf eine Bankfiliale in Schrozberg-Leuzendorf.

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