Ausbau der Autobahn 6 dauert sechs Jahre

Soll der Ausbau der A6 aus dem klammen Bundeshaushalt finanziert werden? Oder könnten Investoren das Projekt beschleunigen? Darüber wird politisch gestritten. Die Planer halten die Frage für aufschiebbar.

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Baustelle im November: Auf der Kocherbrücke bei Braunsbach erneuern Arbeiter die Fahrbahn. Die Brücke ist die einzige, die bei einem Ausbau der A6 zwei weitere Spuren tragen kann. Alle anderen müssen neu gebaut werden.  Foto: 

Der Ausbau der Autobahn 6 sei eine "aus unserer Sicht längst notwendige und dringende Maßnahme", betonte der Freien-Kreisrat und Satteldorfer Bürgermeister Kurt Wackler im Kreistag. "Ermutigend", fand der SPD-Kreisrat und Haller Oberbürgermeister Hermann-Josef Pelgrim die Präsentation der Ausbaupläne durch das Regierungspräsidium bei der Sitzung in der Bühlertalhalle.

Die Kreisräte sind sich weitgehend einig: Um einen vollen Ausbau der A6 zwischen dem Weinsberger Kreuz und der bayerischen Landesgrenze auf sechs Fahrstreifen für insgesamt 750 Millionen Euro kommt man nicht herum. "Der Güterverkehr wird weiter proportional steigen. Wir haben jetzt schon 60000 Fahrzeuge täglich", stellte der Stuttgarter Planungsleiter Jürgen Holzwarth fest. Den Vorschlag der Hohenloher Grünen, stattdessen lediglich den Standstreifen zu ertüchtigen und für den Verkehr freizugeben, hielt er für zu gefährlich.

Spatenstich zum Ende der beruflichen Laufbahn

Bleibt noch eine Frage offen: Wie soll das Projekt finanziert werden? Und könnte man es mit Hilfe privater Investoren womöglich beschleunigen? Der CDU-Bundestagsabgeordnete Christian von Stetten macht sich seit geraumer Zeit für ein sogenanntes Modell öffentlich-privater Partnerschaft stark, das einen Investor nach dem Bau an den Mauteinnahmen beteiligt. So könnte schneller ausgebaut werden als über eine normale Finanzierung aus dem Bundeshaushalt. Die Grünen lehnen solche Modelle grundsätzlich ab. Er wolle nicht, dass sich Investoren an Steuereinnahmen bereichern, hatte der Fraktionsvorsitzende der Grünen/ÖDP, Hans-Joachim Feuchter einmal gesagt.

Das Gezerre um die Finanzierung versteht Planer Holzwarth nicht ganz. Den Plänen des Bundesverkehrsministers zufolge flössen künftig ohnehin 70 Prozent aller Mittel in den Neu- oder Ausbau von Autobahnen. Entscheidend sei, dass Bund und Land sich einig sind, die Verkehrsachse A6 auszubauen. Das Finanzierungsmodell spiele da eine geringere Rolle, sagte Holzwarth. "Da können wir uns bei der A6 eigentlich zurücklehnen."

Derlei hörte Feuchter offensichtlich gern. Er fragte noch einmal nach: Ist der zeitliche Ablauf völlig unabhängig davon, welches Finanzierungsmodell man wählt? "Diese Frage können wir getrost auf das Jahr 2017 verschieben", versicherte der leitende Baudirektor, "vorher ist das nicht interessant".

Grund ist der Zeitplan: Bis Ende 2014 wollen die Planer die Voruntersuchungen für den Abschnitt von Kupferzell bis zur Landesgrenze abgeschlossen haben. Dann folgt eine Bürgerbeteiligung, wie sie für den Abschnitt von Weinsberg bis Kupferzell bereits abgeschlossen ist, und in den Jahren 2016 bis 2017 kommt die Genehmigungsplanung.

Ziel des Landes sei es jetzt, dass der Bund den Ausbau künftig in den "vordringlichen Bedarf plus" (VB+) des neuen Bundesverkehrswegeplans bekommt. Das hoffe er, bekräftigte Kreisrat Wackler. Pelgrim dagegen fragte skeptisch nach, ob Holzwarth das Gefühl habe, "am Ende Ihrer beruflichen Laufbahn vielleicht auch einen ersten Spaten setzen zu können". Und der CDU-Kreisrat und erfahrene Straßenbauer Werner Schmidt-Weiss fragte sich, warum das so lange dauere - anderswo baue man schneller. Immerhin zahle die Region drei zusätzliche Personalstellen im Regierungspräsidium. Ja, sagte Holzwarth, das beschleunige die Planungen. "Aber wenn wir ein Jahr Luftschadstoffe messen müssen, dann dauert das halt ein Jahr." Mit einer Bauzeit von sechs Jahren rechnet er, "so schnell kann man schon bauen".

Ausbau der A6
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