Aus für Biogasanlagen?

Sollte der Entwurf zum neuen Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) verwirklicht werden, könnten sich Biogasanlagen wie die von Michael Reber nicht mehr rechnen. Weitere Investitionen liegen auf Eis.

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Der Gailenkirchener Landwirt und Biogasanlagenbetreiber Michael Reber blickt skeptisch in die Zukunft. Mit Änderungen am Erneuerbare-Energien-Gesetz könnte die geplante Erweiterung der Anlage unwirtschaftlich werden. Foto: Marc Weigert

Mit dem vor Ort erzeugten Strom aus Biogas versorgt der Agrar-Ingenieur Michael Reber sein Wohnhaus und die Ställe in Gailenkirchen. Drei Viertel des produzierten Gases leitet er weiter an die Haller Stadtwerke, die im Teurershof damit ein Blockheizwerk befeuern. Reber "füttert" seine Anlage zu 60 bis 70 Prozent mit Gülle und Mist und zu 30 Prozent mit Mais.

Seit Oktober 2010 plant Reber den Bau eines Biogasspeichers, um den Energieträger zu speichern und nur dann daraus Strom zu produzieren, wenn der Verbrauch hoch ist, beziehungsweise aus Sonne und Wind nicht genug Energie bereitgestellt werden kann. Dafür muss er die elektrische Leistung der Anlage von 400 auf 600 Kilowatt erhöhen, um im Mittel auf ähnliche Erträge wie mit gleichbleibender Stromproduktion zu kommen.

Jetzt befürchtet er, dass ihm das neue EEG einen Strich durch die Rechnung macht. Der Referentenentwurf, wie er kürzlich an die Fachverbände für Biogas, Fotovoltaik und Windenergie ging, sieht vor, die Einspeisevergütung abzusenken und Prämien zu streichen. Dann wäre die erweiterte Anlage nicht mehr wirtschaftlich zu betreiben, so der Landwirt.

Die rund 50000 Euro, die er bereits für die Planung und Gutachten ausgegeben hat, seien dann verloren. Reber hat sich an die beiden Bundestagsabgeordneten Annette Sawade (SPD) und Christian von Stetten (CDU) gewandt. Es gehe um seine Existenz, schreibt er. Eine befriedigende Antwort habe er bisher nicht erhalten. Seine Anfrage werde bearbeitet, "sobald wir die Informationen von den Fachpolitikern erhalten haben", lässt Sawade über ihr Künzelsauer Büro mitteilen.

Eine ähnlich unbefriedigende Antwort habe er vom CDU-Abgeordneten bekommen. Von Stettens Büroleiterin in Berlin gab gegenüber dieser Zeitung die Auskunft, der Abgeordnete werde überhäuft mit Anfragen, auf die er mit einem Standardtext reagieren werde. Persönlich teilte von Stetten mit, dass sich seine Fraktion für ein "Nachjustieren bei Biogasanlagen" einsetzen wolle. Er werde sich aber nicht zum Referentenentwurf (Stand 24. Februar) äußern, weil er nicht-öffentlich sei. Das könne er erst tun, wenn ihn das Kabinett (voraussichtlich am 9. April) beschlossen hat und damit eine öffentliche Diskussion beginnt. Tragisch seien die Auswirkungen auf die Biogaserzeugung, meint Gottfried Gronbach, wenn der Referentenentwurf realisiert werde. Gronbach ist Präsidiumsmitglied des Fachverbands Biogas. Der über 200 Seiten lange Entwurf ist im Internet einsehbar. "Jetzt, wo Biogas, Fotovoltaik und Windenergie günstiger und effizienter werden, geht uns das Know-how verloren", so der frühere Chef der Firma Novatech in Wolpertshausen.

Gronbach meint, dass Rebers Anlage unter dem neuen EEG nicht mehr wirtschaftlich sei. Zumal auch Zuschüsse, etwa für den Anbau anderer Energiepflanzen als Mais und den vorrangigen Einsatz von Gülle und Mist gestrichen werden sollen. Völlig kontraproduktiv ist in Gronbachs Augen, dass das neue EEG wohl keine Flexibilitätsprämie mehr für Anlagen, die dank Biogasspeicherung flexibel Strom produzieren können, vorsieht. Stattdessen soll honoriert werden, wenn bestehende Anlagen weniger Strom erzeugen. Dass Reber seine erweiterte Anlage rechtzeitig in Betrieb nehmen kann, um noch unter das alte EEG zu fallen, sei wegen des langwierigen Genehmigungsverfahrens unwahrscheinlich.

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