Aufwendige Sanierung: Neuer Kitt für Leofels

Der Gemeinderat Ilshofen hat in den sauren Apfel gebissen und die teuere Restaurierung der Burgruine Leofels auf den Weg gebracht. Bund und Land helfen dabei finanziell. Zwei Räte stimmen dagegen.

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Betreten auf eigene Gefahr: Vor zwei Jahren sperrte die Stadtverwaltung die Burg vorübergehend. Archivfoto: Marc Weigert

"Eine Ruine darf ein Stück weit sterben", fand Angelika Reiff vom Landesdenkmalamt. Aber wenn man jetzt nichts tue, rechnete Ingenieur Joachim Schiebold vom Bad Mergentheimer Ingenieurbüro Totzauer damit, "dass das Ding nicht mehr lange steht". Das "Ding" wird wohl 1,55 Millionen Euro verschlingen, um wieder verkehrssicher und für die nächsten Jahrzehnte standhaft zu werden. "Es ist aber falsch zu sagen, man hat danach 200 Jahre Ruhe", warnte Schiebold.

Die beiden Fachleute gaben dem Gemeinderat eine Stunde Geschichtsunterricht über die Bedeutung der um 1250 erbauten Stauferburg und über fachgerechte Konservierungsarbeiten an einem solchen Kulturdenkmal. Schiebold referierte über Spezialmörtel, Verpressungsmaterial und Quernadeln aus nicht rostendem Stahl, mit denen ganze Mauerabschnitte vor dem Abbruch gerettet werden. Mauerwerk in Bewegung, Risse durch die Sprengkraft des eindringenden Wassers und aufgespaltene Sandsteinsäulen an den Fenstern diagnostizierte er beim "Patienten" Leofels.

Aber Ilshofen wird mit den Kosten nicht allein gelassen. Das Landesamt für Denkmalpflege im Regierungspräsidium Stuttgart habe um drei kräftige Zuschüsse geworben, berichtete Reiff. "Weil Leofels eine so hochwertige Burg und herausragend im Landkreis, im Regionalverband, im Land und sogar auf nationaler Ebene ist." Das Land trägt 400.000 Euro bei. Der Bund würdigt das Denkmal von nationaler Bedeutung mit ebenfalls 400.000 Euro und die deutsche Stiftung Denkmalschutz hat weitere 300.000 Euro in Aussicht gestellt. Die restlichen Kosten trägt Ilshofen als Eigentümer.

Da die Unterstützung der Denkmalstiftung noch nicht endgültig zugesagt ist, blieb der Gemeinderat vorsichtig und bewilligte bei zwei Gegenstimmen zur Bauvergabe zunächst nur die Gemeindeanteile, die bei 800.000 Euro Zuschuss fällig werden. Stadtrat Wolfgang Maas hatte in der Geschichtsstunde aufgepasst und fragte, ob nicht die Vellberger als früherer Eigentümer der Burg (15. und 16. Jahrhundert) zur Finanzierung mit herangezogen werden könnten. "Die haben selbst riesige Befestigungsanlagen zu unterhalten", verneinte Angelika Reiff und war auch vom zweiten Vorschlag des Baustoffexperten, die Mauerkrone mit Blech abzudecken, nicht begeistert: "Blech geht gar nicht!"

Stadträtin Heidrun Jäger fragte: "Was würde passieren, wenn wir nicht sanieren wollen?" Reiff wollte "gar nicht erst darüber nachdenken". Sie erwähnte "rechtliche Mittel, ein Denkmal zu erhalten" und verwies dann auf die große Chance: "So viel Zuschuss werden Sie nie wieder kriegen."

Im ersten Bauabschnitt wurden bereits große Bereiche des über 3000 Quadratmeter umfassenden Mauerwerks gesichert. Kommendes Frühjahr sollen die Arbeiten in Leofels fortgesetzt werden. Wie teuer die Maßnahmen tatsächlich werden und ob auch im Sommer 2015 noch an der Ruine gearbeitet werden muss, kann Ingenieur Schiebold noch nicht voraussagen. Vorerst können jedenfalls keine Veranstaltungen, also auch kein Theaterspiel, in der Burg stattfinden.

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